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BBE-Experten auf der ZZF-Jahrestagung

E-Commerce - Chancen für den Händler?

Die Zeiten, in denen das Internet eine Spielwiese für einige wenige Computerfreaks war, sind längst vorbei. Das Internet hat sich innerhalb von 5 Jahren zu einem Massenmedium mit unvorstellbar hohen Zuwachsraten entwickelt. Wie viele Nutzer es zur Zeit gibt, weiß niemand so genau. Alleine für Deutschland schwanken die Zahlen zwischen 12 und 22 Millionen Nutzern. Nicht gerade zuverlässige Grundlagen, um strategische Entscheidungen für das eigene Unternehmen zu treffen. In einem Punkt sind sich aber alle Forschungsinstitute einig: Die Entwicklung zeigt steil nach oben. Vorbei ist auch die Zeit, wo der Internetnutzer männlich, seht gut gebildet, computerinteressiert war und dabei über ein weit überdurchschnittliches Einkommen verfügte. Zwar treffen einige dieser Merkmale immer noch in abgeschwächter Form zu, die Tendenz geht aber eindeutig hin zum Durchschnittsbürger.

Martin Bongardt, Marktforscher der BBE-Unternehmensberatung: Über das Internet ist die persönliche Ansprache des Kunden möglich.

Auch auf Unternehmensseite gab es in den letzten Monaten eine beispiellose Entwicklung. Von den Top 500 Unternehmen in Deutschland sind nahezu alle im Internet präsent. Im Mittelstand sind es allerdings nur noch 61 Prozent die den Schritt in die virtuelle Welt schon vollzogen haben. Zahlen von denen der Handel zur Zeit nur träumen kann. Gerade einmal 15 Prozent der deutschen Handelsunternehmen verfügen nach Einschätzung der BBE-Unternehmensberatung GmbH, Köln, über eine eigene virtuelle Filiale. Weitere gut 10 Prozent planen noch für das laufende Jahr ihren eigenen Auftritt. Dabei steht für die meisten Unternehmen im Netz der Marketinggedanke im Vordergrund. Kaufen oder Verkaufen ist zumindest bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen erst in der Zukunft oder gar nicht geplant.

Vor allem im Handel ist die Skepsis bezüglich des neuen Mediums groß. Über 50 Prozent der Händler trauen E-Commerce auch in 5 bis 10 Jahren nur einen Marktanteil am deutschen Einzelhandelsvolumen von unter 5 Prozent zu. Zum Vergleich: der derzeitige Versandhandelsanteil liegt bei 7 Prozent. Aber auch im B2B-Bereich glauben die Händler nicht an große Veränderungen. In einem Bereich wo alle Forschungsinstitute mit einer kleinen Revolution rechnen, glauben nur 23 Prozent der Händler, dass das Internet etwas grundlegend an der Beziehung zu ihren Lieferanten ändern wird. Die Vorteile des Internets liegen dabei auf der Hand. Der Frankfurter Flughafen, einer der größten Wirtschaftsbetriebe der Rhein-Main-Region, hat vor einiger Zeit seine Beschaffung auf ein Internet/Intranet basiertes System umgestellt und spart dadurch jährlich zweistellige Millionenbeträge an Prozesskosten. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Kosten der Bestellung durch den Interneteinsatz um bis zu 70Prozent reduzieren lassen. (Siehe dazu auch Abbildungen 1+2)

Aber auch im Marketingbereich bietet das Internet einige interessante Möglichkeiten. One-to-One-Marketing ist dabei eines des Schlagworte der letzten Monate. Nachdem der traditionelle Tante-Emma-Laden nahezu ausgestorben ist, versucht das Internet den Gedanken der persönlichen Ansprache beim Einkauf wieder aufzunehmen. Die nette ältere Dame hinter der Ladentheke wird dabei von einer riesigen Datenbank ersetzt. In ihr werden alle Daten der einzelnen Besucher des Online-Shops hinterlegt, natürlich nur mit der Erlaubnis des Kunden. So kann das Programm den Kunden bei seinem nächsten Besuch namentlich begrüßen und ihn auf seine Vorlieben und Bedürfnisse hin durch den Shop führen. Allerdings ist die Einführung und Pflege eines solchen Systems auch mit erheblichen Kosten verbunden und für viele kleinere Webseiten auch etwas überdimensioniert. Wesentlich kostengünstiger und trotzdem effektiv ist der Einsatz von Newslettern. Der Vorteil des Newsletters liegt darin, dass der Kunde im Gegensatz zu anderen Marketingformen aktiv auftritt, indem er den Newsletter abonniert. Auf diese Weise entfallen auch Streuverluste, denn nur der Kunde erhält die neusten Nachrichten, der auch vorher sein Interesse daran bekundet hat.

Zur Zeit werden die diversen Möglichkeiten des Internets aber nur unzureichend genutzt. Kaum ein Anbieter lässt ein klares Konzept erkennen. Die meisten Unternehmen überspringen bei der Planung ihrer Internetaktivitäten die Konzeption und beginnen sofort mit der Bereitstellung von Inhalten. Dabei ist die Konzeption der wichtigste Erfolgsfaktor bei der Implementierung eines Internetauftritts. Dazu zählt die Festlegung von Zielgruppen, der Aufbau –einer eigenen Internetstrategie, die Abschätzung des Potentials und die Auswahl möglicher Partner.

Diskussion mit den Experten über "Marktplätze" und virtuelle Shopping-Malls: Wie die Zukunft aussehen wird, lässt sich schwer voraussagen.

Gerade im Bereich der Partnersuche tun sich die meisten Unternehmen noch schwer. Wer keinen überregional bekannten Markennamen besitzt, wird nur mit Hilfe von strategischen Partnerschaften im Netz überleben können. Hierzu bieten sich insbesondere virtuelle Marktplätze an. Je nach Ausrichtung des Unternehmens können dies regionale Marktplätze, branchenbezogene Marktplätze oder große virtuelle Shopping-Malls sein. Regionale Marktplätze dienen mehr dem Marketing, während die virtuellen Shopping-Malls eher auf den Verkauf ausgerichtet sind. Zur Zeit wird das Angebot der Marktplätze vom Handel aber nur zögerlich genutzt. Nur etwa 50Prozent der Händler im Internet unterhalten überhaupt eine Kooperation mit anderen Internetseiten. Einem Marktplatz sind nur 20 Prozent der Händler angeschlossen. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Unternehmen über mangelnde Besucherzahlen in ihren virtuellen Filialen klagen.

Wie genau die Zukunft aussieht kann im Augenblick niemand verlässlich voraussagen. Fest steht nur, der Markt im Internet wird sich rasant weiterentwickeln und wer nicht ständig die neuesten Entwicklungen verfolgt, der wird auf seinen Internetseiten schon bald nur noch verwaiste Räume vorfinden.

ZZF hilft Mitgliedern beim Einstieg ins Netz

Internet & E-Commerce:

Nur 37 Prozent des klassischen Facheinzelhandels verfügen bislang über einen Internetzugang. Auch viele Zoofachhändler sind noch nicht auf dem Marktplatz des 21. Jahrhunderts vertreten. Doch gerade hier werden sich potentielle Kunden in Zukunft über das Fachangebot in ihrer Nähe informieren, so die BBE-Unternehmensberatung Köln in ihrem Vortrag „Internet&E-Commerce“ am 18. Juni im Rahmen der ZZF-Delegiertentagung in Göttingen. „Wer nicht auf dem virtuellen Marktplatz gefunden wird, dem entgehen in Zukunft gute Gewinne.“

Um seinen Mitgliedsbetrieben den Weg ins Netz zu erleichtern, bietet der ZZF vier kostengünstige Leistungen für die Einrichtung einer eigenen Internetpräsenz an. Unter www.zzf.de wurden im Februar alle ZZF-Mitgliedsbetriebe ins Netz gestellt. Seitdem können potentielle Kunden über eine Deutschlandkarte oder Postleitzahl wie in einem Branchenadressbuch den Fachhändler in ihrer Nähe finden. Mit der Online-Datenbank stehe den ZZF-Mitgliedern eine ideale Werbeplattform zur Verfügung, erklärt die ZZF-Pressestelle mit Hinweis auf die Web-Statistik. Zum Vergleich: Im Jahr 1999 wurden insgesamt 56.000 Seiten aufgerufen, nach Einrichtung der neuen Datenbank im Februar 2000 waren es allein im März 12.500.

Die Händler-Angaben der Datenbank dürfen ZZF-Mitglieder nun kostenlos um weitere Angaben wie Firmenlogo, einen Hinweis auf die eigene E-Mail-Adresse oder um eine Kurzbeschreibung des Unternehmens erweitern. Auch Filialbetriebe können mit angemeldet werden. Darüber hinaus stellt der ZZF zu jedem Mitglied, das bereits über eine eigene Homepage verfügt, eine kostenlose Verbindung her - eine insbesondere auch für Herstellerfirmen vorteilhafte Vernetzung.Als Alternative zu dem einfachen Hinweis in der Datenbank bietet der ZZF den preiswerten Aufbau einer Firmen-Visitenkarte mit Logo, Foto und E-Mail-Adresse an, wahlweise auch mit eigener www-Domain. Auch für die Einrichtung einer fünfseitigen Homepage im ZZF-Design oder eines individuellen Internetauftritts erstellt der ZZF ein kostengünstiges Angebot. Selbstverständlich können die Visitenkarte oder Homepage nach dem Erstaufbau beliebig erweitert und mit neuen Funktionen ausgestattet werden. Bei der Textgestaltung stehe der ZZF dem Händler hilfreich zur Seite. Für den Inhalt seiner Seiten und die Aktualität der Einträge sei er jedoch selbst zuständig, heißt es in Langen. (as)

Quelle: ZZA 7/2000 Seite 18