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Ein „Elder Statesman“ der Heimtierbranche geht

Good-bye, Jonny

43 Jahre in der Heimtierbranche bei ein und derselben Firma tätig, davon 39 Jahre in leitender und verantwortlicher Position: Dieses Merkmal mit absolutem Seltenheitswert trifft voll auf Jonny Schlichting zu, langjähriger Partner von Rolf C. Hagen und Geschäftsführer der deutschen Tochter des kanadischen Weltunternehmens HAGEN von Anfang an. Durch den Ausbau des Unternehmens zu einer führenden Heimtierfirma in Europa wurde Jonny Schlichting weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Dennoch hat sich der durch vornehme Zurückhaltung sympathische Norddeutsche immer für die Heimtierindustrie engagiert: Seit 1988 arbeitete er im Interzoo-Messeausschuss mit, war lange Jahre im Vorstand des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) e.V., der ihn für seine Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft auszeichnete. Für seine Bodenständigkeit spricht die mehr als drei Jahrzehnte andauernde Arbeit in der Kommunalpolitik seines Heimatortes Haseldorf. Seit mehr als 16 Jahren ist er Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Elbmarschen eG, fast genau so lange Handelsrichter am Landgericht Itzehoe. Mit Jonny Schlichting sprach der zza – hoffentlich nicht zum letzten Mal – in der vergangenen Woche.

zza: Wenn man nun nach 40 Jahren bei einer Firma in derselben Branche in den ganz sicher verdienten Ruhestand geht, tut das nicht ein bisschen weh?

J. Schlichting: Nein, es tut nicht weh. Ich scheide in Frieden und in voller Abstimmung mit unserem Mutterhaus in Canada. Etwas Wehmut kommt hin und wieder dann auf, wenn es um den Abschied von langjährigen Mitarbeitern und Geschäftsfreunden geht, die ich zwar nicht für immer aus den Augen verliere, die Kontakte aber sicherlich reduziert werden. Ich meine sagen zu können, dass ich ein „bestelltes Haus“ übergeben kann. Mein Nachfolger, Herr Winfried Schlittke, hat bei uns gelernt und ist inzwischen 28 Jahre für HAGEN Deutschland tätig, zuletzt als meine rechte Hand. Er genießt das volle Vertrauen unserer Inhaber-Familie und auch von mir persönlich. Eine Kontinuität in unserer Geschäftspolitik ist somit gewährleistet. Alles Gründe, die dazu beitragen, dass ich mich auf meinen neuen Lebensabschnitt freue.

zza: Unter Ihrer Führung ist „Weltweit Import-Export“ bzw. „HAGEN Deutschland“ zu einer der erfolgreichsten Töchter der kanadischen Mutter geworden. Worin sehen Sie die Gründe für diese außerordentliche Entwicklung?

J. Schlichting: Wie unsere Mutterfirma in Canada hat auch Weltweit / HAGEN Deutschland von Anfang an auf den Fachhandel mit lebenden Tieren „gesetzt“. Als Vollsortimenter mit einem Schwerpunkt in der Aquaristik sind wir für den Fachhandel ein wichtiger Partner. Die stete Entwicklung und Einführung neuer Produkte kommen unseren Kunden zugute. Wichtige Pfeiler sind auch unsere Logistik und unser anerkannt guter Service, die auf den Fachhandel ausgerichtet sind.

zza: Wenn Sie die einmalig lange Zeit von über 40 Jahren Revue passieren lassen, gab es besondere Höhepunkte, an die Sie sich gerne erinnern?

Jonny Schlichting persönlich

Am 30.11. 1937 wurde Jonny Schlichting in Haseldorf, Kreis Pinneberg, geboren. Dort ist er aufgewachsen, wohnt heute noch „im Ort“ und ist für seine Gemeinde seit 35 Jahren in der Kommunalpolitik tätig. Nach Beendigung seiner Schulzeit absolvierte Jonny Schlichting eine Lehre in einem Hamburger Im- und Export-Haus. Nach der Lehrzeit wanderte er 1958 nach Canada aus und stieg dort bald in das noch junge Unternehmen Rolf C. Hagen Inc. Montreal ein. 1962 wurde er in seine Heimat zurückgeschickt, um dort die Firma Weltweit, heute: HAGEN Deutschland, auf- und auszubauen.

J. Schlichting: Wenn man eine Firma quasi von Anfang an über so viele Jahre bis heute in verantwortlicher Position begleitet hat, dann gab es verständlicherweise viele Höhepunkte. Aber lassen Sie es uns lieber Meilensteine nennen. Es war sicherlich ein Meilenstein, als unsere Firma das erste Mal einen Jahresumsatz von 1 Mio. erreichte. Ein weiterer Meilenstein war die Errichtung eines Büro- und Lagergebäudes auf eigenem Gelände in Holm. An verschiedenen Standorten gemietete Lager und Büroflächen konnten somit ab 1974 unter einem Dach vereint werden - ein in der Tat wichtiger und entscheidender Schritt in unserer Firmengeschichte. Meilensteine waren auch die Einrichtungen unserer Filialen in Dortmund / Witten und Wernau bei Stuttgart. Als besonderes Ereignis möchte ich auch unseren Schritt in Richtung neue Bundesländer nennen. Mit der Eröffnung einer Filiale in Raguhn bereits im März 1990 und mit Mitarbeitern ausnahmslos aus der dortigen Region haben wir zu einem sehr frühen Zeitpunkt dort „Flagge gezeigt“.

zza: Und das Gegenteil: Gab es eine Entscheidung, die Sie heute als Fehler werten würden?

J. Schlichting: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Es kann nicht ausbleiben, dass in den vielen Jahren hier und da einmal Fehler gemacht werden, das ist doch ganz normal. Auch gibt es sicherlich Situationen, die man falsch einschätzt. Mir sind aber keine Fehler bewusst, die sich entscheidend negativ auf die Entwicklung der Firma ausgewirkt haben.

zza: Sie haben öfter betont: „Der Fachhandel hat immer meine besondere Aufmerksamkeit.“ Eine Frage an den erfahrenen Analytiker: Wo steht der Zoohandel heute, können Sie eine Empfehlung geben?

J. Schlichting: Ohne Zweifel befindet sich der Fachhandel im Umbruch. Ein Trend hin zu größeren Läden zeichnet sich seit Jahren ab und wird sich in Zukunft fortsetzen. Der Fachhändler sollte sich seiner Stärke bewusst sein. Das lebende Tier sollte im Vordergrund stehen. Hierfür wird geschultes, qualifiziertes Fachpersonal benötigt. Ein Schwerpunkt sollte die Aquaristik--Abteilung sein. Nur so kann sich meiner Ansicht nach der Fachhändler gegenüber den reinen Futtermärkten behaupten.

zza: Zum Schluss eine persönliche Frage: Was macht ein Mann, der in der Branche immer durch vornehme Zurückhaltung eher zu den Stillen gehörte und gleichzeitig stets omnipräsent war, nach seinem beruflichen Feierabend?

J. Schlichting: Vorweg: Langeweile ist nicht eingeplant. Ich freue mich, in Zukunft mehr Zeit für meine Familie zu haben, die sicherlich in den vergangenen Jahren etwas zu kurz gekommen ist. Meine Frau und ich planen viele gemeinsame Reisen, nicht nur in unserem schönen Deutschland. Den kalten und bei uns im Norden oft stürmischen Wintermonaten möchten wir entfliehen und diese Zeit zumindest teilweise in einer wärmeren Region verbringen. Darüber hinaus werde ich einigen weiteren Hobbies nachgehen. Das alles bei hoffentlich anhaltender Gesundheit. Zum Schluss dieses Interviews möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Geschäftspartnern und Freunden sehr herzlich zu bedanken für das mir in der Vergangenheit entgegengebrachte Vertrauen.

Quelle: ZZA 4/2001 Seite 22