MKS und der Medien-Horror
Der Nebenerwerbslandwirt Norbert Berning staunte nicht schlecht. Der MKS-Verdacht auf seinem Betrieb im münsterländischen Kreis Steinfurt sorgte für eine förmliche Wallfahrt von Journalisten nach Horstmar. „Hier waren heute mehr Journalisten als Schweine“, so sein Kommentar. Es ging zu wie in einem Taubenschlag. Nicht auszudenken, welche Folgen ein solcher Auflauf (und die anschließende Heimreise) von Pressevertretern in einem bestätigten Seuchenfall haben könnte.
„Wir haben uns bewusst entschlossen, nicht nach Horstmar zu fahren, auch wenn der Ort nur 15 Kilometer von unserer Redaktion entfernt ist“, sagt Alfons Deitermann, Herausgeber von agrar.de und selbst Landwirt im Kreis Steinfurt. „Offenbar machen sich die Journalisten keine Gedanken darüber, welches Risiko sie selbst darstellen können, wenn sich ein solcher Fall bewahrheitet.“ Als geradezu zynisch bezeichnet Deitermann die Kritik mancher Medien, der Betrieb sei zu spät oder mangelhaft abgesperrt worden. „Wenn die Veterinärämter ihr Krisenmanagement diesbezüglich nicht ändern, müssen wir uns allerdings um die Ausbreitung der Seuche in ganz Deutschland keine Sorgen machen.“ Nach seiner Ansicht sollten die Medien erst dann informiert werden, wenn sich ein Verdacht bestätigt und der betroffene Betrieb gründlich abgeschirmt wurde. (Agr.)
Quelle: ZZA 5/2001 Seite 7 |