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Der Degu (Octodon degus) Sommerfrische für einen alten Newcomer
In den letzten Wochen wurden im Zoofachhandel – regional unterschiedlich – verstärkt Degus nachgefragt. Eine gute Gelegenheit, ein wenig Sachkunde zu diesem Nager zu vermitteln. (In den nächsten zza-Ausgaben folgen weitere Nagetiere, die nicht zu den „Rennern“ gehören, aber doch Bedeutung für die Heimtierhaltung haben.)
Zoologisches
Der Degu (Octodon degus [Molina 1782]) bildet mit einigen weiteren Arten die Gattung der Stracuhratten (Octodon) innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae). Trotz dieser Bezeichnungen sind die Tiere weder mit Ratten noch mit Mäusen verwandt, sondern zählen zu den Cavimorpha (Meerschweinchenverwandtschaft). Zu ihren Vettern gehören also die bekannteren Arten Meerschweinchen, Nutria und Chinchilla.
Herkunft
Degus entstammen den chilenischen Anden (Südamerika). Sie leben dort in Gruppen in Felsgebieten. Im 18. Jahrhundert wurden die ersten Degus von Europäern entdeckt und tauchten kurz danach in europäischen Tiergärten auf. Leider wurden sie auch bald für die Labors der Gesundheitsindustrie entdeckt. Aber auch für die Verhaltensforschung war ihr Sozialverhalten von hohem Interesse. Degus nämlich sind angenehme und sehr gesellige Pfleglinge, wenn die aus Nachzuchten stammen.
Verhalten
Degus sind keine Einzelgänger. Für ihr Leben in freier Natur, den mittelgebirgigen Felsgebieten, sind sie bestens ausgerüstet. Die tagaktiven Tiere ziehen sich abends in eine Höhle zurück, auch mittags halten sie eine Ruhezeit, um dann nochmals sehr aktiv zu werden. In freier Natur kommt es kaum zu Streitereien, weil die in großen Gruppen lebenden Tiere dort ausweichen können. In der Heimtierhaltung muss man bei der Zusammenstellung einer Gruppe hingegen sehr vorsichtig sein. Wegen der räumlichen Enge machen geschlechtsreife männliche Tiere Probleme, vor allem dann, wenn sie nicht miteinander aufgewachsen sind, und erst recht, wenn ein Weibchen anwesend ist.
Degus sind gute Kletterer und sehr neugierig. Sie werden schnell zahm und beißen nur selten. Gewinnt man ihr Vertrauen, sind sie besonders possierliche Tiere. Mit ihren pfeifenden und brummenden Lauten sind sie Meerschweinchen sehr ähnlich.
Unterbringung
Degus hält man am besten in einem großen Glasterrarium mit sicheren und guten Lüftungsgitter. Dieses muss relativ hoch sein. Plastikbehälter sind ungeeignet, da Degus kräftige Nager sind. Als Einstreu ist Holzeinstreu (Nagerstreu) zu empfehlen, das immer trocken sein muss. Feuchtigkeit und schlechte Luftzirkulation führen zu Erkrankungen der Atemwege. Den leidenschaftlichen Kletterern dienen sichere Äste (Haselnuss, Buche, Birke). Badesand in einem festen Ton- oder Porzellanbehälter muss Pflicht sein und kommt dem starken Reinlichkeitsbedürfnis der Tiere entgegen. Eine große Schlafmöglichkeit, in die sich die Tiere bei Stress zurückziehen können, ist ebenfalls unbedingt erforderlich.
 | | In ein gut eingerichtetes Glasterrarium für Degus gehören: Starke Äste zum Klettern und Nagen (1), Sandsteinplatten (2), die als Futterplattform und der natürlichen Krallenabnutzung dienen, Unterschlupfmöglichkeiten (4), ein erhöht aufgestellter Futternapf aus Ton oder Porzellan (5), große Steine als Ruhe- und Aussichtsplätze (7) und eine Heu-Ecke (8). Besonders Jungtiere schätzen Langlochziegel als Rückzugsmöglichkeit (3). |
Ernährung
Die Natur hält für Degus ein karges Futter bereit (Getreide, Gräser, Samen und was sie finden können). Da es kein spezielles Degufutter gibt, kann Meerschweinchen-Nagerfutter eine Alternative sein. Ein gutes Heu ist besonders geeignet, weil es viel Ballaststoffe enthält sowie Vitamin C. Degus bekommen bei unzureichender Ernährung leicht Übergewicht und neigen zu Diabetes, für die sie besonders anfällig sind. Wasser sollte man in einer Glasflasche anbieten, Plastikflaschen sind wegen des hohen Nagebürfnisses von kurzer Lebensdauer. Erfolgreiche Degupfleger reichen überhaupt kein Wasser, sondern decken den Flüssigkeitsbedarf über reichliche Obst-/Gemüsegaben. Dabei reicht bei einem erwachsenen Degu ein Apfelviertel pro Tag zur notwendigen Flüssigkeitsaufnahme aus.
Pflege
Degus sind sehr reinliche Tiere. Deshalb muss immer eine Schale mit sauberem Chinchillasand vorhanden sein. Nagerholz und Nagesteine sind ein Muss. Käfigreinigung sollte nur vorgenommen werden, wenn es notwendig ist – je nach Besatzdichte. Jede Reinigung und Neueinrichtung bedeutet für die Tiere eine neue Umgebung und ein neues Zuhause; es entstehen Unverträglichkeiten (Rangkämpfe).
Geschlechtsunterschiede
Männchen und Weibchen sind leicht zu unterscheiden. Der Abstand von Anus und Geschlechtsöffnung sind die Merkmale. Bei den Weibchen liegen Geschlechtspapille und After dicht nebeneinander, bei den Männchen etwa um Fingerbreite getrennt. In dem unbehaarten Feld dazwischen befindet sich eine Längsnaht. Diese Merkmale sind auch bei Neugeborenen bereits eindeutig zu erkennen.
Fortpflanzung
Deguweibchen sind mit etwa 5 Monaten im Stande, Junge auszutragen. Die Paarungsbereitschaft bei Weibchen ist von Tier zu Tier sehr unterschiedlich. Die Paarung kann zu jeder Tageszeit stattfinden, der Abend wird jedoch bevorzugt. Meistens bleiben die Männchen nach dem Deckakt bei den Weibchen. Auch nach der Geburt der Jungen kann man das Männchen im Käfig lassen. Die Tragezeit dauert circa 19 Tage. Ein Wurf zählt im Schnitt fünf vollentwickelte Junge (bis zu acht sind möglich). Ab der 5. Lebenswoche trinken die Jungen nicht mehr bei der Mutter, man lässt sie aber noch bis zur 8. Lebenswoche bei ihr: Hier lernen sie alles, was sie brauchen.
| Das Zitat |
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"Degus werden als Heimtiere immer beliebter. Aber es gibt weder geeignete Behältnisse noch ein spezielles Degufutter. Auch die Literatur für Liebhaber ist mehr als mäßig. Hier ist die Industrie gefragt."
Klaus Oechsner, Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) e.V., Langen
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Lebenserwartung
Degus erreichen ein Alter von 5 bis 8 Jahren. Ein Phänomen: In der freien Natur werden Degus – im Gegensatz zu anderen Kleinnagern – größer als in Heimtierhaltung. Man vermutet, dass dies an einem gewissen Maß „Inzucht“ liegen kann. Das Fell der Degus ist sehr anpassungsfähig und richtet sich nach den klimatischen Bedingungen: Bei Kälte langes und dichtes Haar, bei Wärme kurzes Haar. Farbmutationen sind nicht bekannt.
Für den Zoofachhandel
Degus sind besonders beratungsintensiv. Deswegen und wegen des besonders hohen Nagebedürfnisses sind sie mit dem „Roter Punkt“ zu kennzeichnen. (koe)
Quelle: ZZA 5/2001 Seite 58 |