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Branchenberichte
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Aquaristik in Vietnam

Diskuszucht im Freiland mit prächtigen Exemplaren

Mit dem folgenden Beitrag beenden wir die Berichterstattung über das „Weltzentrum der Aquaristik: Südostasien“. Nach Singapore und Malaysia nun Anmerkungen zu Thailand, vor allem aber zu Vietnam, einem Land, das sich in einer enormen Aufbruchstimmung befindet.

Wie oft in tropischen Ländern findet ein Teil der Warenpräsentation auf der Straße statt.

Dass in Südostasien die Beschäftigung mit Tieren nicht selten ist, beweisen die vielen Zuchtvarianten der verschiedensten Tierarten, die auch bei uns in Europa bekannt sind. Die Aquaristik macht dabei keine Ausnahme. Zahlreiche asiatische Zuchtfarmen beliefern auch den deutschen Markt, die aber selbst in ihren Heimatländern sich einer steigenden Nachfrage gegenüber sehen. So gibt es in Singapur, Indonesien, Malaysia und Thailand eine Reihe von guten Aquaristikgeschäften. Besonders bemerkenswert ist dabei Thailand. Wer den „Weekend Market“ in Thailands Hauptstadt Bangkok besucht, wird erstaunt sein, wie groß das aquaristische Angebot auf diesem riesigen Markt ist. Während dieser drei Tage, von Freitag bis Sonntag, wird wöchentlich eine Vielzahl von Aquarienfischen und Zubehör angeboten und umgesetzt. Erst vor kurzem entstand ganz in der Nähe des „Wochenend Marktes“ ein weiteres Marktareal mit der Bezeichnung „7 Tage Markt“. Ein neuer Markt, der täglich geöffnet hat und der sich mit mehreren hundert Ständen, richtiger: zum Teil sehr gut ausgebauten Geschäftsparzellen, zu 95 Prozent der Aquaristik widmet. Neben der Spezialisierung auf Meerwasser konzentrieren sich viele Stände auch auf besondere Themen wie Diskusfischen oder thailändischen Kampffischen. Dabei spielen die für Asien „Neu entdeckten“ Show-Betta eine interessante Rolle, die mit für Thailand ungewöhnlich hohen Preisen gehandelt werden. Diese langflossigen Betta splendens, mit den besonderen Flossenformen, können schon ohne weiteres mal umgerechnet 400 bis 500 DM kosten. Große Futtertier-Zuchtfarmen außerhalb von Bangkok sorgen für ein umfangreiches Angebot an lebendem Aquarienfischfutter. So sind schwarze Mückenlarven, Tubifex, adulte Artemia und verschiedentlich tropische Wasserflöhe fast immer erhältlich.

Der Namensgeber der Stadt Ho Chi Minh vor dem alten Rat

Ähnlich gestaltet sich die Situation im östlich liegenden Vietnam. Rund 25 Jahre nach Kriegsende wandelt sich Vietnam. Überall ist Aufbruchstimmung spürbar. Besonders der Süden des Landes mit der Großstadt Ho Chi Minh City, die sehr oft von den dort lebenden Vietnamesen wieder Saigon genannt wird, zeigt ein sich wandelndes Bild. In dieser „fast“ autolosen Stadt sind den unzählbaren Fahrrädern die Kleinmotorräder gefolgt. Sie beleben zu vielen Tausenden die Straßen. Kaum zu bändigende Geschäftigkeit prägt das Leben. Der Uniformität im Wirtschaftsleben ist schon seit einiger Zeit ein freies Wirtschaftsdenken gefolgt. Zahllose kleine Handwerksbetriebe und Geschäfte prägen das Stadtbild. Neue Hotels und Restaurants fördern auch die touristische Nachfrage. So gibt es mit verbessertem Angebot auch eine Reihe neue, gut ausgestattete Aquaristikgeschäfte, die sich zum Beispiel in einer Straße in der Stadt zu mehreren Läden nebeneinander konzentriert haben. Für Aquaristik besteht wieder Nachfrage - trotz der überwiegend noch sehr bescheidenen Einkommen. Die oftmals unüberschaubaren, schmuddligen Läden sind modernen, sauberen Geschäften gewichen. Übersichtliche Verkaufsanlagen mit einer Vielzahl von Aquarien bestimmen den modernen Aquaristikshop. Und wie so oft in tropischen Ländern spielt sich ein Teil der Warenpräsentation vor dem Laden, also auf der Straße ab. Hier zumindest stehen neben modernem „Krims-Kram“ die großen, sperrigen Angebote, wie Aquarien und deren Unterschränke. Vor allem aber das ungewöhnlich umfangreiche Angebot an Lebendfutter. In großen, farbigen Kunststoffschüsseln werden die unterschiedlichen Futtertiere bereitgehalten. Dafür gibt es zwei Gründe. Einmal hat bei den vietnamesischen Aquarianern das Verfüttern von lebenden Tieren, der Natur entsprechend, lange Tradition und zum anderen ist Kunstfutter, meist importiert, entsprechend teuer. Viele Züchter halten Lebendfutter für ihre Zuchttiere für unbedingt erforderlich. So ist das Angebot weit gestreut. Da gibt es selbstverständlich Wasserflöhe. Eine tropische Art, oftmals in zwei Größen. Einmal als kleines Futter für Jungfische, zum anderen größere Flöhe als allgemeines Futter für alle restlichen Fischgrößen. Natürlich ausgesiebt. Des weiteren sauber gespülte Tubifex sowie Schwarze Mückenlarven. Verschiedentlich sind auch große Artemia im Angebot. Außerdem gibt es Garnelen in kleinerer Größe und fast adulte Tiere, also dann in Längen um 25 Millimeter. Seltener werden Rote Mückenlarven angeboten. Große Nachfrage besteht anscheinend auch für Jungfische als Futtertiere. So findet man mindestens zwei Größen von Jungfischen im Angebot. Einmal Größen um 12 bis 15 mm und zum zweiten um 25 bis 30 mm Totallänge. Dabei handelt es sich oftmals um junge Guppys, meist aber um junge Schlangenkopffische. All diese Futterfische werden auf besonderen Zuchtfarmen für diesen Zweck gezüchtet. Jungfische als Futterangebot in Aquaristikgeschäften sind in Süd-Ost Asien nicht selten, da hier oftmals größere Fische, wie Arowana, die nur lebendes Futter annehmen, gepflegt werden. Zum anderen aber sind junge Fische, der Natur entsprechend, immer ein sehr gutes Futter für alle Aquarienpfleglinge. Und dazu gehören nicht nur Raubfische. Selbst die oft sehr zaghaften und wählerischen Diskusfische, denen man nachsagt, dass sie mit ihrem scheinbar kleinen Maul nur kleine Futterbrocken bewältigen, fressen mit sehr viel Temperament 10 bis 15 mm lange Jungfische. So füttern viele der sehr engagierten Diskusfischzüchter in Ho Chi Minh City ihren Zuchtfischen junge Fische. Und dabei gedeihen sie prächtig. Gute bis sehr gute Zuchterfolge bestätigen das. Dieses Verfüttern von Jungfischen hat leider aber auch Schattenseiten. Besonders bei Diskusfischen kann sich das sehr nachteilig auswirken, denn wenn die Futterfische nicht aus absolut sauberen, erregerfreien Zuchtanlagen stammen, kommt es unweigerlich zu Krankheitsübertragungen, die schnell zu Verlusten führen.

Wie ein Zentrum für Aquaristik wirkt diese Ansammlung von Aquaristik-Läden.

Auch das sonstige Angebot ist in den Saigoner Aquaristik-Läden recht umfangreich. Während Kleinzubehör meist aus Landesfabrikationen stammt, kommt der größte Teil der technischen Ausrüstung aus chinesischer Produktion. Fast frevelhaft für europäische Augen ist die Präsentation der Fische in den Aquarien. Da schwimmen eine Vielzahl von tropischen Aquarienfischarten, sehr oft mit den unterschiedlichsten Zuchtformen der Goldfische in einem Aquarium. Während bei uns Goldfische mehrheitlich als sogenannte Kaltwasserfische bezeichnet werden und im Zoofachgeschäft entgegen tropischer Aquarienfische eher in ungeheizten, also in Behältern mit Raumtemperatur schwimmen, bedeutet Raumtemperatur in Saigon im Durchschnitt 28 bis 33 Grad Celsius. Da macht eine getrennte Haltung bezüglich der Wassertemperatur wenig Sinn. Außerdem haben die verschiedenen Goldfischformen in Asien einen weitaus höheren Stellenwert als bei uns. Selbst Diskusfische sind oft mit Goldfischen vergesellschaftet. Auch in den großen Freiland-Betontanks, eine Besonderheit in der Diskusfischaufzucht, schwimmen Goldfische und Diskusfische gemeinsam im gleichen Tank. Viele, zum größten Teil als Familienunternehmen, beschäftigen sich mit der Aquarienfischzucht. Und da meist die Mittel für die sogenannte zeitsparende „Ersatzfütterung“ fehlen, immer noch unter Verwendung natürlicher, lebender Futtertiere. Überwiegend sind prachtvolle, vitale Fische das Resultat. Nur ein sehr geringer Teil geht davon bisher in den Export. Das wird sich aber bald ändern. Denn die Aquaristik in Vietnam hat Zukunft. (HoLi)


Die Verkaufsaquarien machen in aller Regel einen sauberen und gepflegten Eindruck. Überwiegend sind fast nur adulte Fische im Angebot. Zur Wasserreinigung wird der in Asien weit verbreitete Aufsetzmotorfilter benutzt.

Die Zierfischzucht in Vietnam hat Zukunft. Einmalig in der Diskuszucht ist die Aufzucht in Freilandtanks. Vermutlich ist dies auch eine Erklärung für das zahlreiche Angebot von prächtigen Diskusfischen in den Saigoner Aquaristikshops.

Quelle: ZZA 9/2001 Seite 26