|
Jahresrückblick: Vom Terror überschattet Doch auch erfreuliche Ereignisse zu vermelden
2001 wird überschattet von einem Ereignis, dem ebenso hinterhältigen wiemenschenverachtenden und grausamen Anschlag fanatischer Moslems auf die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Daneben erscheint das übrige Weltgeschehen nahezu belanglos. Dies gilt erstrecht für Branchenentwicklungen und Unternehmensdaten.
Um so erstaunlicher ist, wie schnell die Menschen - die New Yorker zweifelsfrei ausgenommen - sich wieder ihrem privaten Alltag zuwenden. Dabei werden in Deutschland viele plötzlich gewahr, an welch' seidenem Faden ihr Job, ihre bürgerliche Existenz hängt. Gerade Leistungsträger aus den gehobenen Mittelschichten in Banken, Versicherungen, der Luftfahrt-Industrie und anderen sehen sich zum Jahresende mit Kündigungen und sozialem Absturz konfrontiert. Schluß mit lustig. Die deutsche Spaßgesellschaft wird in ihren Grundfesten erschüttert. Selbst dem Bundeskanzler ist das zur Maske erstarrte Dauerlächeln entflohen und hat einem besorgten Ausdruck Platz gemacht. Dies wirkt ehrlicher; denn Gründe dafür gibt es am Ende dieses Jahres allemal. Die Wirtschaftsweisen habe ihre noch im Herbstgutachten vorgetragene Prognose einer Steigerung des Bruttosozial-produktes um + 1,3% für 2002 auf + 0,7% reduziert. Wer sich der Prognosen der letzten Jahre erinnert, weiß, daß dies letztlich ein Minus wird und damit für 2002 endgültig die Rezession signalisiert. Auch wenn dies vielfach noch mit dem 11. September begründet wird, die Tendenz zeichnete sich schon vor dem grauenvollen Tag ab.
Nun mag es unsere Regierung „beruhigen“, daß diese Entwicklung nahezu weltweit zu beobachten ist. Dennoch hat sie viel dazu beigetragen, daß Deutschland in der europäischen Wirtschaftsentwicklung das Schlußlicht bildet. Seit Jahren verzeichnen wir eine negative Entwicklung der Nettolohnsumme und mußten in diesem Jahr eine von Euroschwäche und Ökosteuer geförderte Verteuerung der Lebenshaltungskosten hinnehmen. Gleichzeitig hat die weitere Regulierung des Arbeitsmarktes (Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung und Teilzeitgesetz) diesen weiter beeinträchtigt und damit das Versprechen des SPD-Kanzlers, die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Mio. abzusenken, zur Farce werden lassen.
Für den Einzelhandel ist diese Entwicklung mit erheblichen Konsequenzen verbunden; denn woher sollen Käufer kommen, wie Kauflust mobilisiert werden. Zugleich hat der Wegfall des Rabattgesetzes die Gewinnmargen des Einzelhandels weiter unter Druck gesetzt. Ein Druck der ab 01.01.2002 zunimmt, wenn das von der EG veranlaßte neue Gewährleistungsrecht mit seiner 2-Jahresfrist und einer Umkehr der Beweislast im ersten Halbjahr zu Lasten des Handels in Kraft tritt. Mit konjunktur-fördernder Hilfestellung durch die Politik ist nicht zu rechnen. Entsprechend hat sich in 2001 die Stimmung im Einzelhandel entwickelt. So sank der BBE-Index für das Einzelhandelsklima von 106,08 Punkten im Januar, über 93,98 im Juni auf 83,15 Punkte im Oktober.
Vor diesem Hintergrund haben sich nicht zuletzt wichtige Akteure in der Heimtierbranche neu positioniert. Die unverändert anhaltende Fressnapf-Expansion und die Ausstrahlung dieses Systems auf die Branche - man denke nur an Kölle-Zoo - hat nicht nur neue Allianzen provoziert, sondern auch den notwendigen Ruck durch die Einkaufsgemeinschaften gehen lassen. Mit Zoo & Co will die Saga „durchschlagende Kraft durch gemeinsame Stärke vermitteln“, und die „Zookaufpartner“ haben sich zu einem franchiseähnlichem System zusammengefunden. Endlich, möchte man sagen; denn es ist ja beileibe nicht Fressnapf, von dem die Bedrohung des Fachhandels ausgeht. Die Bau- und Gartenmärkte arrondieren ihr Angebot mit „Zoo“. ZEUSS/HSW, hagebau, Marktkauf oder Hornbach mit Lafiora, drängen auf den Heimtiermarkt und sollten nicht unterschätzt werden. Dort entstehen Erlebniswelten betreut von Fachpersonal, das mit dem traditionellen Zoofachhandel immer mehr mithalten kann und teilweise von seinen Unternehmen unter massiven Ausbildungsdruck gesetzt wird.
Dennoch zeigten auch in 2001 die vielfältigen Jubiläumsfeste von Zoofachgeschäften, daß sie im Markt gut mithalten können, wie 100 Jahre Zoo-Familie SCHMIDT in Mülheim/ Ruhr, um nur ein Beispiel zu nennen, belegen. Aber auch im Hersteller- und Großhandelsbereich signalisieren Namen wie Claus (90 Jahre), Aquarium Hamburg (75 Jahre) oder Brustmann (70 Jahre), um nur die Vorkriegsgründungen zu nennen, die in diesem Jahr ihre Jubiläen begehen konnten, daß der Mittelstand immer noch erfolgreich am Markt agieren kann. Vielfach Grund zu rauschenden Festen, von denen die Karlie-Fete zum 25-jährigen Jubiläum besonders in Erinnerung der Branche haften wird.
Zwei Jubiläen besonderer Art hatte die Branche zu vermerken, als in Bonn des Beitritts Deutschlands zum Washingtoner Artenschutzabkommen vor 25 Jahren gedacht wurde, und der ZZF an 10 Jahre „Heidelberger Beschlüsse“ und Roter Punkt erinnern konnte. Aktivposten des Verbandes, die das Ansehen der gesamten Branche in der Öffentlichkeit steigerten.
Für Hundebesitzer erhielt das Jahr 2001 in Deutschland sein besonderes Gepräge durch zahlreiche Demonstrationen gegen überzogene Landeshundeverordnungen und gerichtliche Erfolge gegen diese Produkte regierungsamtlicher Hysterie. Endlich lief die lang diskutierte und vorbereitete artenschutzrechtliche Kennzeichnung an und mit „Rodentia“ erschien ein neues Fachmagazin für Kleinnager auf dem Markt.
Das unvergleichliche Branchenhighlight war in 2001 die erste Deutsche Zoofachmesse in Wiesbaden mit 130 Ausstellern und rund 4.500 Besuchern. Ein Bombenerfolg, dem auch IVH-Kritiker, wie Horst Brustmann, („ich habe nicht mit so vielen Besuchern gerechnet, wenn diese DeZooFa hier wächst, gibt es Konkurrenz zur Interzoo“) ihre Anerkennung nicht versagen mochten. Aus dem Stand heraus war sie erfolgreich und eine wirkliche „Event“-Messe der Branche. Mit ihrer Erlebnishalle 4 vermittelte sie ungeahnte Anregungen für die Besucher aus dem Fachhandel.
Die zugleich in Wiesbaden tagende Delegiertenversammlung dankte es Klaus Oechsner und wählte ihn mit überzeugender Mehrheit erneut zum ZZF-Präsidenten. Überhaupt war 2001 ein gutes Jahr für den ZZF. Nicht nur der gelungene DeZooFa-Auftakt belegte die solide Arbeit des Verbandes und seiner Service-GmbH, sondern auch die Vertiefung der nationalen und vor allem internationalen Kontakte zu Verbänden. Unermüdlich nahm Klaus Oechsner und sein Team einen Termin nach dem anderen wahr, gleichermaßen gerne gesehen bei deutschen Tierärzte- und Liebhaberverbänden wie auch bei Wirtschafts-verbänden, beispielsweise in den USA. Das „Netzwerk“ wurde internationaler.
In der fachlichen Arbeit lag der Schwerpunkt in 2001 auf der Terraristik mit Symposien in Frühjahr und Herbst, ersteres in Zusammenarbeit mit dem VDA Berlin-Brandenburg, ergänzt durch die Frühjahrs- und Herbstreihen der Weiter-bildungsseminare von ZZF und Egesa Zookauf. Die Beteiligung auf der Heim-Tier & Pflanze in Berlin war wieder ein voller Erfolg und stand ganz im Dienst der Begeisterung von Schülern für das Hobby Aquaristik. Mit dem Start der Online-Tierpraxis des ZZF weitete der ZZF sein Internet-Angebot aus, und gab den Tierliebhabern Hilfestellung mittels der fachkundigen Beratung durch Dr. Spangenberg.
Besonders erfreulich in 2001: Der Verlust von Mitgliedern in Folge von Geschäftsaufgaben scheint gebremst und die Neuzugänge beim ZZF sind wieder steigend. Auch ein Signal, das bei aller Konjunkturtristesse Zuversicht spendet. (gm)
Quelle: ZZA 12/2001 Seite 6 |