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TierNatur
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Tipps zum Bau

Freilandanlagen für europäische Landschildkröten

Europäische oder aus Mittelmeergebieten stammende Landschildkröten sollten wenn möglich im Freiland gehalten werden. Größere Tiere brauchen ein Gehege von mindestens fünf qm, für jedes weitere Tier kommen jeweils mindestens zwei qm hinzu. Die folgenden Tipps zum Bau einer Freilandanlage verdanken wir der Schildkröten-Interessengemeinschaft in der Schweiz (SIGS).

von Urs Jost

Eine Anlage zur Haltung von Landschildkröten wird nie ein biologisch intaktes Ökosystem sein können. Sie ist eine künstlich geschaffene, naturnahe Außenlandschaft zur möglichst optimalen Haltung von in unseren Breitengraden nicht heimischen Tieren. Die Tiere und Pflanzen benötigen deshalb eine entsprechende Pflege, und an der Anlage selbst sind während des Jahres gewisse Unterhaltsarbeiten auszuführen.

Die folgenden Schildkrötenarten aus den gemäßigten Klimazonen können ganzjährig, also einschließlich der Winterschlafzeit, in einer wie nachstehend geschildert konstruierten Anlage gehalten werden:

  • Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
  • Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera),
  • Breitbandschildkröte (Testudo marginata) und
  • Vierzehen-Landschildkröte (Testudo horsfieldi).

Es ist anzustreben, die verschiedenen Arten getrennt zu halten. Das hat verschiedene Gründe, wie Krankheitsübertragung, Artendurchmischung, verschiedene Tagesrhythmen, andere Lebensweisen etc.).

Vor dem Bau einer Außenanlage für Landschildkröten empfiehlt es sich, diese unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte zu planen und eine bestehende Anlage bei einem erfahrenen Schildkrötenpfleger zu besichtigen. Die Größe der Anlage richtet sich nach der Anzahl der zu haltenden Schildkröten und kann eigentlich nie zu groß sein. Trotzdem sollte sie aber kontrollierbar und begehbar sein. Eine Unterteilung der Anlage oder die Möglichkeit eines Ausweichgeheges sollte aus verschiedenen Gründen mit eingeplant werden (zeitweise Trennung der Geschlechter, Quarantänegehege, Absondern kranker Tiere und ähnliches).

Die Lage

Eine Schildkrötenanlage sollte den ganzen Tag besonnt sein. Morgensonne für die Aufwärmphase der Schildkröten ist am wichtigsten.

Je windgeschützter die Anlage ist, um so besser ist dies für das Wohlbefinden der wärmebedürftigen Tiere. Ideal wären nach Süden abfallende Böschungen (entspricht den hügeligen Biotopen in den natürlichen Verbreitungsgebieten). Natürlich dürfen auch schattige Plätze nicht fehlen.

Eine Anlage kann auch an die Südfassade eines Gebäudes angelehnt werden. Die Strahlungswärme der besonnten Fassade führt zu einer verbesserten Erwärmung der gesamten Anlage.

Die Einfriedung

Die Schildkrötenanlage ist ausbruchsicher zu umranden. Die Konstruktion sollte für griechische und maurische Schildkröten (Testudo hermanni und Testudo graeca) oder asiatische Vierzehenschildkröten (Testudo horsfieldi), die sich zum Teil als wahre Kletterkünstler erweisen, mindestens 40 cm hoch sein. Wenn Breitrandschildkröten (Testudo marginata) oder größere Tiere darin gehalten werden sollen, muss die Umrandung noch höher gebaut werden. Der obere Rand kann nach innen überstehen.

Den Ecken der Einfriedung ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Unermüdliche und geschickte Kletterkünstler unter den Pfleglingen können vor allem in Eckkonstruktionen ausbrechen. Die Ecken werden daher oben mit einem Dreieckbrett abgedeckt.

Die Einzäunung ist mindestens 20 cm tief im Erdreich zu versenken (Landschildkröten graben sehr gut).

Achtung bei der Gruppenzusammenstellung

Bei der Gruppenzusammenstellung europäischer Landschildkröten ist darauf zu achten, dass kein Männchenüberschuss im Gehege entsteht. Die männlichen Landschildkröten besitzen einen ausgesprochenen Geschlechtstrieb und bedrängen die Weibchen über Wochen unaufhörlich. Da das Paarungsvorspiel, wie auch die Paarung selbst, durch Verfolgung, Rammstöße und Bisse begleitet ist, werden die Weibchen einem starken Stress ausgesetzt. Mitunter kommt es sogar zu massiven Verletzungen, welche vom Tierarzt versorgt werden müssen. Eine zeitweise Trennung der Geschlechter ist sehr oft notwendig.

Die Materialien

Verschiedene Materialien stehen zur Konstruktion der Abgrenzung zur Verfügung:

  • einbetonierte Betonplatten,
  • Halbrohre aus Beton,
  • Winkelelemente aus Beton,
  • Eisenbahnschwellen,
  • Holzpalisaden,
  • Polycarbonatplatten.

Ungeeignet sind Drahtgitter: Sie bieten keinen Windschutz, dafür besteht Verletzungsgefahr zwischen den Zehen (bei dauerndem Entlangwandern am Gitter). Drahtgeflechtzäune haben zwar den Vorteil der Transparenz, schützen aber nicht vor Wind und Zugluft und sind für Schildkröten relativ leicht zu überwinden.

Die als geeignet bezeichneten Materialien haben alle ihre Vor- und Nachteile. Betonelemente sind sehr dauerhaft, dienen zusätzlich als Windschutz und speichern gleichzeitig Wärme. Bei imprägnierten Holzelementen ist darauf zu achten, dass sie nur noch wenig Imprägnierstoffe enthalten. So dürfen nur alte, gebrauchte Eisenbahnschwellen verwendet werden, welche lange der Witterung ausgesetzt waren. Gute Erfahrungen wurden auch mit durchsichtigen Polycarbonatplatten gemacht.

Die Bodenstruktur

Die Bodenstruktur eines Landschildkrötengeheges sollte möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Plätze mit Kies und Sand sollten sich mit dicht bepflanzten Stellen abwechseln und sich ergänzen. Nach Möglichkeit sind verschiedene Hügel und andere Sichthindernisse wie Wurzeln, große Steine usw. einzubauen, um es den Schildkröten zu ermöglichen, sich gegenseitig auszuweichen. Verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten sind als Verstecke und als Schutz gegen die Witterung anzubieten. Ein Schildkrötengehege sollte wie ein Abenteuerspielplatz aussehen.

Der Eiablageplatz

Auf jeden Fall sollte in der Anlage ein Eiablageplatz vorhanden sein. Dieser in südwestlicher Richtung abfallende Hügel muss möglichst ganztags besonnt sein. Das Erdmaterial soll aus normalem Aushub oder Humus bestehen. Ein Sandhügel ist ungeeignet, da die Seitenwände beim Graben immer wieder nachrutschen.

Sonnige Plätze

In unseren Breitengraden müssen wir praktisch jeden Morgen mit taunassem Gras rechnen. Da die Sonneneinstrahlung weniger intensiv und das Temperaturniveau nicht so hoch ist wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Schildkröten, bleibt dieser Tau unter Umständen den ganzen Tag erhalten. Es hat sich daher bewährt, verschiedene bekieste Sonnenplätze (vor allem im Bereich der gedeckten Unterschlupfe) anzulegen und von Pflanzenwuchs frei zu halten, um so ein möglichst schnelles Abtrocknen des Bodens zu erreichen.

Um ein schnelles Überwachsen dieser Stellen zu verhindern, kann man den Humus 10 bis 20 cm tief abtragen und mit Kies oder Schotter auffüllen. So entsteht eine nährstoffarme, magere Bodenkonstruktion.

Richtig und gesund füttern

Landschildkröten sind reine Vegetarier, die sich in der Natur so gut wie ausschließlich von Wildkräutern ernähren. Darauf ist ihr Verdauungssystem eingestellt. Das Nahrungsangebot in der Natur ändert sich im Verlauf der Jahreszeiten. Während im Frühjahr junge, saftige Triebe zur Verfügung stehen, ist im Sommer nur noch sehr faserreiches, oft dürres Gras (Heu) vorhanden. Geeignetes Grünfutter sind Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Wicken usw., Heu oder Pellets darf nicht fehlen. Früchte werden gern genommen, sollten aber als Leckerbissen maximal einmal pro Woche angeboten werden.

Das Wasser

Eine Wasserschale oder sogar ein kleines Badebassin, welches wegen der Gefahr des Ertrinkens nicht zu tief sein darf, ist zwingend erforderlich. Wasserbehälter, ob transportable Schalen oder eingelegte Becken, müssen auf einfache Weise und regelmäßig gereinigt werden können, da die Tiere gerne Kot im Wasser absetzen, was rasch zu einer starken Verunreinigung führt und damit einer großen Keimvermehrung Vorschub leistet.

Das Futter

Ein künstlich gestaltetes Gehege wird wohl kaum je so groß angelegt werden können, dass sich alle darin gehaltenen Tiere ausschließlich von der wachsenden Vegetation ernähren können. Trotzdem sollte man bemüht sein, Magerwiesenbewuchs zu fördern (siehe hierzu den Abschnitt „Die Bepflanzung“).

Der Futterplatz sollte leicht zu reinigen und witterungsgeschützt angelegt sein.

Das Schildkrötenhaus

Vor allem in der Übergangszeit, im Frühling und Herbst, sind die Schildkröten unserem nasskalten Klima ausgesetzt. Dies führt immer wieder zu Problemen mit den wärmebedürftigen Tieren. Um den Schildkröten die Möglichkeit zur Erwärmung sicherzustellen, haben sich Frühbeetkästen aus Doppelstegplatten mit Lüfter bewährt, wie sie im Handel angeboten werden. Durch den Treibhauseffekt kommen die Tiere schneller auf die für den Stoffwechsel notwendigen Temperaturen.

Wichtig ist, dass solche Kleintreibhäuser durch automatische Lüfter oder Steinspeicher vor Überhitzung geschützt sind.

Auch die Überwinterung der Schildkröten ist in einem solchen Frühbeetkasten möglich. Bedingung ist, dass der Bodengrund des Schildkrötenhauses ca. 40 cm tief aus Rindenhumus besteht, in welchem sich die Tiere im Winter eingraben können. Der Frühbeetkasten wird außerdem mit Laub gefüllt und verschlossen. Die Tiere überwintern problemlos und erwachen im Frühling bei steigenden Außentemperaturen. Dann muss selbstverständlich wieder auf die Belüftung geachtet werden.

Die Bepflanzung

Bei der Bepflanzung eines Landschildkrötengeheges sollte man sicher einerseits an der Natur orientieren (mediterrane Buschlandschaft), andererseits muss der Schildkrötenpfleger selbst ausprobieren, welche Pflanzen von den Schildkröten sofort gefressen werden oder in unseren Breitengraden zu kultivieren sind. Wichtig ist, mit der Bepflanzung im Gehege verschiedene Zonen zu schaffen. Die Pflanzen dienen als Unterschlupf während der Nacht, aber auch als Schattenspender in der Sommerzeit.

Wichtig sind die Pflanzen als Sichtschutz, denn sie ermöglichen vor allem während der Paarungszeit, dass sich die Tiere ausweichen und zurückziehen können. Verschiedene buschige Pflanzen, wie Zwergföhren, Buchs, Hagebuchen, aber auch Ziergräser und zahlreiche Küchenkräuter, zum Beispiel Ginster, Rosmarin, Salbei, Thymian, Lavendel, Malven und Wacholderarten haben sich sehr gut bewährt.

Die Pflege des Geheges

Neben der Pflege der Tiere (Fütterung, Reinigung, Überprüfung des Gesundheitszustands etc.) benötigt eine Schildkrötenanlage auch Unterhaltsarbeiten. Selbstverständlich müssen Futterreste täglich aus dem Gehege entfernt und das Wassergeschirr mit heißem Wasser gewaschen und neu gefüllt werden.

Im Frühjahr ist es notwendig, abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen und die Ziergräser zu schneiden. Ebenfalls ist es wichtig, diejenigen Plätze zu jäten, die ohne Vegetation bleiben sollen.

Der Bodengrund und das Laub oder die Einstreu im Unterschlupf oder Schildkrötenhaus sind periodisch zu wechseln.

Urs Jost ist Präsident der SIGS – Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz, St. Erhard. Die SIGS besteht seit zehn Jahren, hat rund 1.400 Mitglieder, führt jährlich zwei bis drei Info-Veranstaltrungen durch, gibt eine eigene Zeitschrift heraus und betreibt die Internet-Adresse www.sigs.ch.

Weitere Tips des ZZF:

Winterruhe im Freilandgehege?

Die Winterruhe im Freilandgehege gilt wegen den wechselnden Temperaturen in hiesigen Breitengraden als unsicher. Der ZZF empfiehlt, die Landschildkröten spätestens Ende September ins Terrarium zu holen. Nun bekommen sie nichts mehr zu fressen. Nach etwa zwei Wochen setzt man die Schildkröten für einen Tag in einen 15 Grad kühlen Raum. Hier kommen die Tiere langsam zur Ruhe und werden danach an ihren Winterruheplatz gebracht. Die meisten Schildkrötenhalter lassen ihre Tiere in einer mit Laub und feuchter Gartenerde gefüllten Kiste in kühlen, dunklen Kellerräumen oder in einem täglich gelüfteten Kühlschrank bei vier bis sechs Grad überwintern.

Im Freien können Landschildkröten in einem Frühbeetkasten ihre Winterruhe halten. Der Bodengrund des Schildkrötenhauses muß dafür ca. 40 cm tief mit Rindenhumus gefüllt sein, in welchem sich die Tiere im Winter eingraben können. Der Kasten wird mit Laub gefüllt und verschlossen. Sobald im Frühling die Außentemperaturen ansteigen, erwachen die Schildkröten wieder. Dann sollte natürlich erneut auf die Belüftung des Frühbeetkastens geachtet werden.

Zum Aufwecken aus der Winterruhe: http://www.zzf.de/presse/pma0303.html

Artenschutz beachten!

Wichtig für die Zucht: Die meisten Landschildkröten sind vom Aussterben bedroht und nach der Europäischen Artenschutzverordnung streng geschützt. Für geschützte Schildkröten benötigen Tierhalter einen Nachweis des legalen Besitzes, die Tiere müssen bei der örtlichen Artenschutzbehörde gemeldet und mit einem artenschutzrechtlichen Kennzeichen/Dokument versehen sein. Die Bestimmungen gelten auch für in Deutschland nachgezüchtete Arten.

Weitere Infos zum Tier- und Artenschutz: http://www.zzf.de/leistungen/tierschutz.html

Zur artenschutzrechtlichen Kennzeichnung: http://www.zzf.de/leistungen/kennzeichnung/

Quelle: ZZA 6/2002 Seite 70