|
Europäische Landschildkröten Das Ende der Winterruhe naht - was nun?
Zwischen drei und sechs Monaten sollte die Winterruhe erwachsener Europäischer Landschildkröten dauern. In der Regel erwachen die Tiere Anfang März, bzw. sollten um diese Jahreszeit geweckt werden. Was dabei zu beachten ist, beschreibt der nachfolgende Beitrag.
 | | Die mehrmonatige Winterruhe Europäischer Landschildkröten ist wichtig für die Gesundheit und die Fortpflanzung. Im Bild: Breitbandschildkröte (Testudo marginata) bei der Paarung. |
Die Winterruhe ist für die meisten Europäischen Landschildkröten wichtig, da sie die Gesundheit und Langlebigkeit fördert. Für eine erfolgreiche Zucht wird sie sogar als unerlässlich beschrieben. Überwintern sollten:
- Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni),
- Breitbandschildkröten (Testudo marginata)
- Maurische Landschildkröten (Testudo graeca und ihre Unterarten) sowie
- Steppenschildkröten (Testudo horsfieldii).
Bei ganz jungen Tieren sind die Meinungen bezüglich der Winterruhe geteilt; einige Experten meinen, die Tiere hätten dann noch nicht genügend körpereigene Reserven bilden können, um über längere Zeit ohne Futter auszukommen. Andere verweisen darauf, dass winterliche Witterungsverhältnisse in den Ursprungsländern auch junge Tiere in eine - wenn auch vielleicht kürzere - Ruhephase zwingt. Der einschlägigen Literatur zufolge genügt es Testudo graeca nikolskii, wenn der Jahresrhythmus durch eingeschränkte Beleuchtungsdauer und Temperatur im Terrarium nachempfunden wird. Testudo hermanni bevorzugt dagegen eine etwas längere Winterpause als die anderen Arten, in der Regel fünf bis sechs Monate.
Die Überwinterung im Freilandgehege oder im Freien befindlicher Frühbeetkästen gilt in hiesigen Breitengraden wegen der schlechten Kontrollmöglichkeit und wechselnden Temperaturen als unsicher. Vor allem Testudo horsfieldii neigt dazu, während wärmerer Wintertage zu erwachen, herumzuwandern und sich nicht wieder tief genug einzugraben. Besser geeignet sind kühle, dunkle und ruhige Räume (frostfrei, mit Temperaturen zwischen vier bis sechs, maximal acht Grad; auf ausreichend Feuchtigkeit achten) oder ein Kühlschrank (auf ausreichend Feuchtigkeit und gelegentliche Frischluftzufuhr achten).
Während die Tiere im Freiland wegen der längeren Tage und steigenden Temperaturen von selbst aus der Winterruhe erwachen, müssen sie beim Überwintern in Räumen oder Kühlschränken geweckt werden. Wie bei der Vorbereitung für den Winterschlaf, sind beim Wecken einige Pflege- und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.
Wann und wie wecken?
Das Erwachen oder Aufwecken der Schildkröten sollte genauso behutsam erfolgen wie die Vorbereitung auf die Winterruhe - nur in umgekehrter Folge. Dies gilt für die Temperierung ebenso wie für die Wasseraufnahme und Fütterung. Bis zur Umstellung auf normale Kost nach der Winterruhe kann der Aufweck-Prozess bis zu vier Wochen dauern.
Die „innere Uhr“ der Europäischen Landschildkröten funktioniert nur im Freiland im Zusammenklang mit vermehrtem Tageslicht und steigenden Temperaturen; dann erwachen die Tiere in der Regel Anfang März. Die im Keller oder Kühlschrank überwinternden Schildkröten müssen jedoch auf das Erwachen vorbereitet werden. Ein Risikofaktor - ob beim natürlichen oder kontrollierten Erwachen - ist stets der Wetterverlauf. Nach dem Aufwachen einsetzende Frostperioden können den Tieren schaden. So ist es am sichersten, geeignete beheizbare Terrarien vorzubereiten.
Zunächst werden die Kästen mit den Schildkröten für einige Tage in eine etwas wärmere als die bisherige Umgebung gebracht (ca. 12 bis 15°C), normales Tageslicht ist ausreichend. Danach wird die Temperatur auf normale Zimmertemperatur (ca. 20°C) erhöht. Auch während der Aufweckphase muss sichergestellt sein, dass die Schildkröten vor Nagern, wie zum Beispiel Ratten, geschützt sind.
Nach dem Wecken
Sowie die Temperatur über einen längeren Zeitpunkt auf mehr als 12°C angestiegen ist, beginnen die Schildkröten aufzuwachen und krabbeln ans Tageslicht. Die aufgewachten Schildkröten werden in lauwarmem Wasser gebadet, wobei sie trinken und sich der Wasserhaushalt normalisiert. Wenn die Außentemperaturen zu dieser Zeit noch tagsüber unter 15°C liegen, sollten die Tiere erst in ein geschütztes Terrarium wechseln, das entweder durch die Sonneneinstrahlung oder durch eine Wärmequelle temperiert wird. Dabei ist zu beachten, dass eine allmähliche Erwärmung den Tieren besser bekommt als eine zu schnelle. Experten berichten sowohl von dunklen Verfärbung der Panzer durch zu schnelle Erwärmung wie auch von „Sonnenbrand“ durch zu intensive Sonneneinstrahlung.
Schildkröten, die im Freiland überwintert haben und von allein aufgewacht sind, sollten ebenfalls mit nicht zu warmem Wasser gebadet werden, um den Flüssigkeitshaushalt wieder zu normalisieren. Die Tiere brauchen anfangs in der Regel einen Schutz vor erneuter Kälte, aber auch vor zu intensiver Sonneneinstrahlung. Auch hier gilt, dass eine langsamere Gewöhnung an höhere Temperaturen besser ist als eine schnelle. Bei erneuten Kälteeinbrüchen werden sich die Tiere wieder zurückziehen, was nur dann zu einem Problem wird, wenn diese Phase zu lange dauert und die Tiere nicht genügend Nahrungsreserven haben.
Sowie die Tiere aktiv geworden sind, wird die Fütterung wieder aufgenommen. Nicht alle Schildkröten fressen sofort nach dem Aufwachen. Empfehlenswert ist, noch 14 Tage nach dem Aufwachen eine ebenso leichte Kost wie vor der Winterruhe (ohne Kohl und Obst) zu reichen und dann erst auf normales Futter umzusteigen.
Je nach Witterung kann es erforderlich sein, die Schildkröten zumindest nachts wieder in ein erwärmtes Terrarium zu setzen. Insbesondere nasskaltes Wetter bekommt den Landschildkröten gar nicht. Für einige Testudo graeca-Unterarten und vor allem für Testudo horsfieldii soll man mit dem Umzug ins Freiland warten, bis die Außentemperaturen sommerlich sind.
Kontrollierte Überwinterung als Kundenservice
Der Vorteil der kontrollierten Überwinterung im frostfreien, dunklen Raum oder im Kühlschrank hat sich als sehr sichere Methode erwiesen. Sie bietet außerdem den Vorzug, dass man die Männchen ein bis zwei Wochen vor den Weibchen wecken kann. Dies fördert das Paarungsverhalten.
Es ist nicht jedermanns Sache, seine geliebten Schildkröten für Monate in den Kühlschrank zu legen. Vielfach bestehen gerade bei Neubesitzern auch Ängste, nicht alles richtig zu machen und den Tieren zu schaden. Es kann daher eine besonders interessante Form des Kundenservices für tierführende Zoofachhändler sein, bereits beim Erwerb der Tiere die kontrollierte Überwinterung einschließlich der Aufwachphase zu einem erschwinglichen Pauschalpreis anzubieten. Die effektiv anfallenden Kosten dürften sich in Grenzen halten. (vg)
Quelle: ZZA 3/2003 Seite 38 |