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Hunde und Katzen in Not Müssen wir Hunde und Katzen importieren?
Während hierzulande die Tierheime voll sind mit heimatlosen Heimtieren, scheint gleichzeitig ein Importboom an Tieren zu herrschen, die anderswo niemand haben will. Wie passt das zusammen? Und: Was geht das den Zoofachhandel an?
 | | Foto: IVH |
Wer fährt nach Italien und kann auf dem Rückweg heimatlose Hunde mitnehmen?“ - „Retten Sie die Straßenhunde in Rumänien!“ - „Bewahren Sie russische Katzen vor dem Kochtopf!“ - Solche Aufrufe appellieren unmittelbar ans Herz: Welcher Tierliebhaber könnte sich dem Mitleid mit diesen armen Geschöpfen verschließen? Das Ergebnis sehen wir dann unter anderem in den einschlägigen TV-Sendungen. „Liebevolles Zuhause für gequälten Windhund aus Irland gesucht“, anschließend werden die einäugige Katze und ihr süßer Nachwuchs vorgestellt, die kürzlich in Spanien aus lebensbedrohlichen Zuständen befreit wurden. Gerettet und befreit, so weit so gut. Man könnte sich zurücklehnen im guten Gefühl, der Tierschutz habe einen Sieg errungen. Wenn nicht in den hiesigen Tierheimen die anderen säßen, auch herrenlos, zum Teil verstoßen, nicht immer gut behandelt, manchmal krank, aber anscheinend einen Grad weniger bemitleidenswert.
Außerdem lässt sich bei näherer Beschäftigung mit dem Thema zumindest erahnen, dass das eigentliche Problem mit der Rettung einiger Tiere - und seien es auch noch so viele - keineswegs gelöst ist. Das Übel muss in den Ursprungsländern beseitigt werden, unter anderem durch strikte Geburtenkontrolle. Doch verstärken dort die - übrigens nicht immer legalen - Ausfuhren der „Plagegeister“ das Gefühl, man müsse nicht mehr als bisher unternehmen. Prinzipiell wären gezielte Spenden für gut geführte Auffanglager und Kastration im Heimatland der Tiere der bessere Weg. Um sicherzugehen, dass die Spenden nicht veruntreut werden - wie offenbar im Fall einer Spendensammelaktion zugunsten rumänischer Straßenhunde, deren Erlös Zeitungsberichten zufolge in die Taschen der Organisatoren flossen - sollte man sich grundsätzlich vorher beim genannten Spenden-TÜV, dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin, über die Seriosität von Hilfsorganisationen informieren.
Fast jeder kennt herzzerreißende Geschichten von mitgebrachten Urlaubstieren aus dem näheren Umfeld. Der herrenlose Hund am Strand bzw. die winzige Katze am Urlaubsort, halb verhungert und dabei so zutraulich - Herz in die Hand und Tier mit nach Hause genommen, mühsam aufgepäppelt, oft genug durch langwierige und kostspielige Tierarztbesuche von schweren Krankheiten geheilt oder zumindest stabilisiert. In vielen Fällen konnte das Tier auch hier nicht mehr gerettet werden, doch oft ist man ist glücklich miteinander. Lässt man die Vermutung beiseite, dass viele dieser mitgebrachten Tiere ohne Impfungen über die Grenzen geschmuggelt werden (und leider auch Krankheitserreger einschleppen), kann man solche Rettungsaktionen verstehen, mitfühlen und gutheißen.
Weiße und schwarze Schafe
Anders verhält es sich mit organisierten Tiertransporten, wo regelmäßig Gruppen von Tieren „eingesammelt“, nach Deutschland verbracht, in hiesigen Auffangstationen betreut und weiter vermittelt werden. Die öffentlichen Tierheime nehmen dazu ungern Stellung: „Jedes hierzulande vermittelte Tier aus dem Ausland nimmt einem unserer Tiere die Chance auf ein Zuhause“, sagt eine Tierheimleiterin, die lieber nicht genannt werden möchte. Der Grund liegt auf der Hand: Engagierte Tierfreunde wirken unglaubwürdig, würden sie einen Unterschied zwischen heimischen und ausländischen Tieren machen. Hinzu kommt, dass es nicht selten in Tierheimen Beschäftigte oder deren Förderer sind, die sich gleichzeitig für die Rettung von Hunden und Katzen im Ausland einsetzen. Sie gewährleisten eine möglichst optimale, auch tierärztliche Betreuung. Dass ein Teil dieser Tiere später abgegeben und dann - jetzt rechtlich einwandfrei - im öffentlichen Tierheim landet, dürfte auch keine Seltenheit sein.
Aber dann gibt es ja auch noch die schwarzen Schafe, die aus dem Mitleid mit der Kreatur ein einträgliches Geschäft machen. Für sie ist der Hundesammeltransport nach Deutschland, Österreich, Schweiz etc. kein tierschützerisches Anliegen: fast kostenlos bekommen, teuer weiterverkauft, tolle Spanne. Manche reiten auf der Mitleidstour und setzen auf die Gutgläubigkeit der Tierliebhaber. Tierärztlich untersucht und geimpft sind diese Tiere in der Regel nicht. Besonders Dreiste verkaufen die herrenlos eingefangenen Hunde sogar mit getürkten Papieren als Rassehunde mit ellenlangem Abstammungsnachweis. Da die geretteten Hunde in der Regel in einem schlechten gesundheitlichen Zustand in Deutschland ankommen (besonders hoher Mitleidseffekt!) und gerade professionelle Hundehändler es geschickt verstehen, nur einzelne Hunde vorzuführen, kann der Laie oft nicht einmal an den Haltungsbedingungen erkennen, dass er es hier mit einem gewissenlosen Geschäftemacher zu tun hat.
Was hilft den Tieren?
Das häufigste Argument - „Das ist mir alles egal, wichtig ist, dass den armen Tieren geholfen wird“ - ist einerseits richtig, kommt andererseits den unseriösen Tierhändlern optimal zugute und lindert nicht die weiter bestehende Not der Tiere im jeweiligen Heimatland. Man kann darüber streiten, ob es nicht auch in deutschen Tierheimen genug Hunde und Katzen gibt, die dringend ein gutes Zuhause brauchen und zuerst vermittelt werden sollten, bevor man den Import weiterer Tiere unterstützt. „Angesichts des Leids vieler dieser Tiere führt ein Hund oder eine Katze in einem deutschen Tierheim doch ein glückliches Leben“, so die Besitzerin eines mallorcinischen Straßenhundes, dessen zertrümmerter Vorderlauf amputiert werden musste und der zudem am Herzbandwurm leidet...
Im Prinzip kann dem Zoofachhandel egal sein, woher die Hunde und Katzen seiner Kunden stammen. Allerdings ist gerade der Umgang mit importierten Tieren nicht ohne Tücken. Vor allem unerfahrene Besitzer, die mit einem kranken Straßenhund oder einer aus elenden Lebensumständen geretteten Katze wahre Dramen erleben, können von der Heimtierhaltung schnell wieder - für immer - Abstand nehmen. Vor allem gesundheitliche Aspekte, aber auch der nicht immer einfache Umgang mit oft traumatisierten Tieren sind ein handfestes Argument gegen Importe. Wichtig ist, dass unseriösen Tierhändlern das Handwerk gelegt wird. Beobachtete oder in Erfahrung gebrachte Missstände sollten unbedingt angezeigt werden.
Wichtig ist ferner die sofortige Gesundheitskontrolle der aus dem Ausland stammenden Tiere. Tierärzte können ein Lied davon singen, mit welchen Krankheiten die meisten dieser Tiere befallen sind, einige davon sind auch unter hiesigen Bedingungen ansteckend. Häufig handelt es sich um ein ganzes Füllhorn behandlungsbedürftiger Symptome und in nicht wenigen Fällen ist Sterbehilfe die beste Hilfe.
Der Zoofachhandel kann beratend dazu beitragen, dass seine Kunden zumindest nicht uninformiert in eine Situation geraten, deren Ausmaß und Tragweite sie kaum abschätzen können. Dies betrifft nicht nur den durch Tierarztbesuche strapazierten Geldbeutel, sondern vor allem die mit dem Leid der Tiere verbundenen Emotionen, bis hin zur Trauer und Verlust. Letztlich hat dieser Einsatz das Problem der Straßenhunde und -katzen noch nicht einmal verringert. (vg)
Quelle: ZZA 7/2003 Seite 26 |