|
IVH Studie zur Heimtierhaltung in Deutschland
Der Industrieverband Heimtierbedarf e.V. (IVH) hat auf seiner Jahreshauptversammlung am 13. November 2003 in München neue Zahlen zur Heimtierhaltung in Deutschland vorgelegt.
Struktur und Zusammensetzung der Wohnbevölkerung werden sich in den kommenden Jahren ebenso verändern wie gesellschaftliche und ökonomische Rahmenbedingungen. Die Faktoren üben neben weitverbreiteten Grundeinstellungen zu einzelnen Heimtierarten einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Heimtierhaltung in Deutschland aus. Um hierzu nähere Daten und Erkenntnisse zu erhalten, hat der IVH bei Marktforschern, Sozialwissenschaftlern und Unternehmensberatern eine umfassende Studie in Auftrag gegeben.
Präzisere Ermittlung der Tierpopulation
Bei der Analyse existierender quantitativer Daten konnte somit erstmals – aktuell und für die Vergangenheit – auch auf umfassende Verbraucheruntersuchungen großer Verlagshäuser zurückgegriffen werden.
Diese Daten (siehe Kasten rechts oben) repräsentieren den derzeit höchstmöglichen Genauigkeitsgrad, da sie auf sehr großen Stichproben (z.B. Verbraucheranalyse = 30.500 Befragte) basieren und somit nur sehr geringe statistische Fehlertoleranzen gegeben sind. Abweichungen zu bisherigen Datendarstellungen – so wurden für 2002 insgesamt 0,5 Mio. mehr Heimtiere errechnet als bisher angenommen – erklären sich aus den wesentlich geringeren Stichprobengrößen, die bisher ausgewertet werden konnten.
Heimtierhaltung nach Lebensphasen
Im Rahmen der Studie beauftragte der IVH das Institut Infratest/Dimap, 2.000 Halter und Nichthalter zu den wichtigsten Motiven und Barrieren der Heimtierhaltung zu befragen. Demzufolge ist das soziodemografische Profil in starkem Maße abhängig von der Lebensphase und dem Alter der Heimtierhalter. Paare ohne Kinder und Singles ab 40 Jahren stellen insgesamt in absoluten Zahlen die meisten Heimtierhalter in Deutschland. Fast sechs von zehn Heimtieren werden von Personen aus diesen Bevölkerungsgruppen gehalten.
Paare ohne Kind und Singles ab 40 Jahre stellen
- 60 Prozent der Katzenhalter-Haushalte
- 59 Prozent der Hundehalter-Haushalte
- 58 Prozent der Ziervogelhalter-Haushalte
- 48 Prozent der Zierfischhalter-Haushalte
- 38 Prozent der Kleintierhalter-Haushalte
Betrachtet man jedoch die Quoten innerhalb der einzelnen Bevölkerungsgruppen, sieht die Gewichtung anders aus. So ist beispielsweise der Anteil der Heimtierhalter in der Gruppe der Paare mit Kindern bei allen Heimtierarten am höchsten. Singles ab 40 Jahre weisen für alle Heimtierarten die niedrigsten Besitzquoten aus. Diese Bevölkerungsgruppe hält am ehesten eine Katze oder einen Hund aber kaum Kleintiere und Zierfische. Die Abhängigkeit der Heimtierhaltung von der Lebensphase ist für Hunde und Kleintiere am stärksten und für Ziervögel am wenigsten stark ausgeprägt.
| Heimtierpopulation 2002 |
|---|
| Hundepopulation: Nach einer Wachstumsphase seit Anfang der 90er Jahre waren in den letzten 5 Jahren keine Zuwächse zu verzeichnen. Die Berechnung für 2002 ergab einen leichten absoluten Rückgang auf: | 5,0 Mio. |
| Katzenpopulation: Das Wachstum der letzten 3 Jahre verlangsamte sich bis 2002 auf: | 7,2 Mio. |
| Kleintierpopulation: Seit 1992 waren ständige durch Mehrfachhaltung bedingte Anstiege bis 2002 zu verzeichnen auf: | 5,8 Mio. |
| Ziervögelpopulation: Nach kurzem Anstieg Anfang der 90er Jahre waren bis 2000 keine weiteren Zuwächse zu verzeichnen. Die Population 2002 ist wieder gesunken auf: | 4,7 Mio. |
| Heimtiere gesamt: | 22,7 Mio. |
| Anzahl Aquarien: Seit 1992 kontinuierlich bis 2002 angestiegen auf: | 1,9 Mio. |
| Anzahl Gartenteiche: Seit 1996 ständige Zunahme bis 2002 auf: | 1,7 Mio. |
| Anzahl Terrarien: Wird für 2002 berechnet auf: | 0,4 Mio. |
|
Schlüsselfaktoren der Heimtierhaltung
Auf Grundlage der Verbraucheranalyse 1999-2002 sowie von Prognosen des Statistischen Bundesamtes, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Prognos AG erfolgte eine Eingrenzung der Haupteinflussbereiche auf die künftige Entwicklung der Heimtierhaltung:
Gesamtbevölkerung: In Deutschland ist die Gesamtbevölkerung seit 1995 um + 0,9 Prozent von 81,7 Mio. auf 82,5 Mio. im Jahre 2002 gewachsen. Die Prognose für das Jahr 2010 geht davon aus, dass sich das Bevölkerungswachstum nicht fortsetzen wird, sondern dass die Gesamtbevölkerung um 1,9 Prozent auf 80,9 Mio. zurückgehen wird.
Haushaltsstruktur: Die Entwicklung der Anzahl der Privathaushalte zeigt im gleichen Zeitraum eine deutlich stärker positiv ausgeprägte Entwicklung. Verglichen mit 1995 gibt es heute mit 38,5 Mio. Privathaushalten 4,3 Prozent mehr Privathaushalte in Deutschland. Es wird prognostiziert, dass die Anzahl der Privathaushalte bis zum Jahr 2010 um weitere + 2,6 Prozent auf 39,5 Mio. ansteigen wird.
Diese Entwicklung spiegelt den ungebrochenen Trend zu kleineren Haushaltsgrößen und zu mehr Privathaushalten ohne Kinder wider. Im Jahr 2010 werden 72 Prozent aller deutschen Haushalte aus einer oder zwei Personen bestehen. Die „klassische“ Familie wird als Haushaltsform weiter an Bedeutung verlieren.
Altersstruktur: Hier zeigt sich in den letzten Jahren ein stetiger Zuwachs der Altersgruppen über 50 Jahre, der einhergeht mit einem deutlichen Rückgang der jüngeren Bevölkerungssegmente. Es wird erwartet, dass sich diese Entwicklung bis zum Jahr 2010 verstärkt fortsetzen wird, und dass zu diesem Zeitpunkt 46 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre alt sein werden (heute sind nur etwa 36 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre alt).
Raumangebot: Die Städte verlieren Einwohner und die Landbevölkerung wird um ca. 6 Prozent zunehmen. Des Weiteren wird eine Zunahme der 1-2 Familienhäuser und Gärten sowie des verfügbaren Wohnraumes pro Kopf prognostiziert.
Konsumkraft: Die Realeinkommen werden sich insgesamt eher verringern und in der Ausgabenstruktur umverteilt. Der Lebensmittelbereich wird in seiner Bedeutung sinken.
Künftige Entwicklung
Unter Berücksichtigung der statistischen Zusammenhänge dieser Schlüsselfaktoren und Trendeinschätzungen zum Wertegefühl unserer Gesellschaft kommt die Studie zu dem Schluss, dass Katzen die einzige Tierart sind, die künftig noch häufiger gehalten wird. Die Population von Hunden, Kleintieren und Ziervögeln wird als eher stagnierend wenn nicht sogar rückläufig eingeschätzt. Bei Aquarien, Gartenteichen und Terrarien sind hingegen weiterhin positive Entwicklungen zu erwarten. (IVH/as)
Quelle: ZZA 12/2003 Seite 26 |