|
Interessante Rennmausarten Gerbillus cheesmani ist sehr anpassungsfähig
Unter den vielen Rennmaus-Arten eignen sich etliche für die Heimtierhaltung. Auch wenn die Mongolische und die Persische Rennmaus zweifellos zu den bekanntesten gehören, ist zum Beispiel die bisher eher selten gehaltene Cheesmans Rennmaus (Gerbillus cheesmani) nicht weniger interessant.
 | | Gerbillus cheesmani ist in freier Wildbahn zwar nachtaktiv, lässt sich im Terrarium jedoch auch tagsüber gut beobachten. |
Offensichtlich ist die Cheesmans Rennmaus zumindest im deutschsprachigen Raum noch sehr selten als Heimtier anzutreffen; selbst im Internet finden sich wenige Informationen und noch seltener Nachzucht-Angebote. Da jedoch das Interesse an Rennmäusen immer noch zunimmt, könnte auch die zierliche, selbst tagsüber gut zu beobachtende Gerbillus cheesmani davon profitieren.
Rennmaus-Züchter Andreas Mehringer, der für zza dankenswerterweise Artbeschreibungen und Haltungsempfehlungen für die Serie „Interessante Rennmausarten“ zusammenstellt, verfügt auch über einschlägige Erfahrungen mit der Cheesmans-Rennmaus. Sie kann übrigens leicht mit der Blassen Rennmaus (Gerbillus perpallidus, siehe zza 4/2003, Seite 54/55) verwechselt werden, da sie etwa die gleiche Größe, Gestalt und Farbe hat. Hauptunterscheidungsmerkmal ist, dass bei dieser Art die Farbe das Oberfell vom Weiß des Bauchfells scharf voneinander abgegrenzt sind (bei Gerbillus perpallidus geht dagegen die Färbung der Körperoberseite allmählich ins Weiß des Bauchs über). Ihre Pflegeansprüche sind mit denen der Blassen Rennmaus weitgehend identisch. Der Autor Christian Ehrlich schreibt in dem Buch „Kleinsäuger im Terrarium“ (Natur und Tier-Verlag, Münster - Buchbesprechung siehe zza 1/2004, Seite 42) über diese Art, sie sei „insgesamt ruhiger als die meisten anderen Gerbillus-Arten“.
Steckbrief
Cheesmans Rennmaus
Ordnung: Rodentia (Nagetiere)
Unterordnung: Myomorpha (Mäuseartige)
Familie: Cricetidae (Wühler)
Unterfamilie: Gerbillinae (Gerbils)
Gattung: Gerbillus
Art: Gerbillus cheesmani
Verbreitungsgebiet
Die Cheesmans Rennmaus ist von Arabien bis zum südwestlichen Iran verbreitet. Hier ist sie in den Wüstengebieten und Halbwüsten anzutreffen. Sie ist in Arabien sogar in Höhen von über 1.500 Metern zu finden. Bedingt durch die dort herrschenden extremen Temperaturen (zwischen 5°C und über 30°C) ist diese Rennmausart sehr widerstands- und anpassungsfähig.
Beschreibung
Gerbillus cheesmani ist ein typischer Vertreter ihrer Gattung. Etwas kleiner als die Blasse Rennmaus, erreichen ausgewachsene Tiere eine Kopf - Rumpf - Länge von circa 10,5 cm, der in einer lichten Quaste endende Schwanz ist etwa 12,5 cm lang. Das Fell dieser äußerst grazilen Rennmaus ist sandfarben, nur wenige Individuen weisen einen schwachen Rotschimmer auf. Es gibt eine starke Abgrenzung zur weißen Bauchseite, auch das Fell um die Augen und Ohren ist weiß.
Die Cheesmans Rennmaus lässt sich durch ihre großen Augen zwar als nachtaktives Tier ausweisen, jedoch ist sie im Terrarium auch tagsüber zu beobachten. Da es bisher nur sehr wenige Ausarbeitungen über diese Rennmausart gibt und auch Andreas Mehringer leider auch noch keine Nachzuchterfolge verzeichnen konnte, geht er bei den Fortpflanzungsdaten von denen der Blassen Wüstenrennmaus aus. Dies würde bedeuten, dass die Cheesmans Rennmaus mit circa fünf Monaten die Geschlechtsreife erreicht, auf eine Tragezeit von circa 21 Tagen kommt und die Wurfgröße bei eins bis sechs Jungen liegt, welche ungefähr 28 Tage gesäugt werden.
Bei seinen beiden Pärchen beobachtete Mehringer einige Besonderheiten, die er noch bei keiner anderen Rennmaus beobachtete: die Tiere paaren sich jeden Tag, außerdem vergraben sie alles, was man ins Terrarium legt, zunächst einmal, um es kurze Zeit später wieder auszugraben und näher zu untersuchen.
Lebensweise
Die Cheesmans Rennmaus hält sich tagsüber in kleinen Gruppen in selbst gegrabenen Gangsystemen auf. Hier legt sie sich auch Vorratskammern an, welche allerdings bei weitem nicht zu vergleichen sind mit den Vorratskammern eines Hamsters. Die Cheesmans Rennmaus verfügt ebenso wie alle Angehörigen ihrer Gattung über ein extrem gutes Gehör. Das Innenohr umgebende Knochenhöcker ermöglichen es ihr, besonders im Niederfrequenzbereich ausgezeichnet zu hören - ein entscheidender Vorteil bei der überwiegend Nachts stattfindenden Futtersuche.
Ernährung
Als Bewohner extrem lebensfeindlicher Habitate kommt die Cheesmans Rennmaus nahezu ohne Wasser aus. Trotzdem sollte man ihr immer die Möglichkeit zur Aufnahme frischen Wassers bieten. Für den Mineralhaushalt der Tiere ist die Aufnahme von Salz sehr wichtig, deshalb gehört ein Salzleckstein ins Terrarium. Da die Tiere in ihrer natürlichen Heimat bis auf wenige Insekten keine Gelegenheit haben, fetthaltige Kost aufzunehmen, sollte man auch in der Heimtierhaltung auf eine möglichst fettarme Ernährung achten. Zur Deckung des Eiweißbedarfs füttert Andreas Mehringer Wachsmaden, Mehlwürmern und Katzentrockenfutter. Das Körnerfutter mischt er selbst aus 30 Prozent Hirse, 30 Prozent Waldvogelfutter, 30 Prozent Wellensittichfutter und 10 Prozent Meerschweinchenfutter. Auch Heu sollte nicht fehlen. Als Grünfutter wird nur Vogelmiere und Löwenzahn sowie Karotten gereicht. Da Wüstenbewohner zu Diabetes neigen, ist von Zitrusfrüchten und Obst mit hohem Fruchtzuckergehalt abzuraten.
Haltungsempfehlungen
Mehringer hält jeweils ein Pärchen in einem 80 cm langen, 45 cm breiten und 45 cm hohen Terrarium. Eine Einzelhaltung der geselligen Tieren ist nicht artgerecht. Der Rennmaus-Züchter ist sich sicher, dass man die Tiere - entsprechend große Terrarien vorausgesetzt - auch problemlos in Gruppen halten kann. Da die Cheesman Rennmaus nur wenig Urin abgibt, kann man die Terrarien mit einem Gemisch von feinem Vogelsand und Chinchillasand einrichten. Bei anderem Einstreu, wie zum Hobelspänen, muss den Tieren ein separates Sandbadeschälchen zur Verfügung gestellt werden, dies ist für die Fellpflege sehr wichtig. Eine zusätzliche Wärmequelle ist zwar nicht notwendig, wird jedoch begeistert angenommen. Als Unterschlupf kann ein Wellensittichnistkasten dienen. Wichtig für die Tiere ist die ständige Gabe von Heu, das sowohl Nahrung darstellt als auch zur Beschäftigung genutzt wird. Außerdem darf ein Obstbaumzweig zum Knabbern nicht fehlen. (Mehringer/vg)
Quelle: ZZA 2/2004 Seite 34 |