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Heimtierhaltung gegen Gewalt

ZZF ehrt beispielhaftes Schulprojekt

Während der Heim - Tier & Pflanze 2004 in Berlin hatte ZZF-Präsident Klaus Oechsner einen ganz besonderen Termin wahrzunehmen: Er besuchte die Grundschule „Am Sandsteinweg“ im Süden Berlins. Dort ist die Haltung von Tieren Teil des Schulprogramms. „Tierhaltung gegen Gewalt“ lautet das Konzept der Rektorin Balzer.

Die Rektorin der Berliner Grundschule am Sandsteinweg stellte ZZF-Präsident Klaus Oechsner ihr Konzept „Tierhaltung gegen Gewalt“ vor.

Erschüttert und ratlos zugleich reagiert die Gesellschaft auf gewalttätige Kinder und Jugendliche. Warum schubsen und hauen sich schon Knirpse im Kindergarten, warum quälen Jugendliche einfach so wochenlang Altersgenossen? Nicht erst seit den schockierend grausamen Ereignissen an Schulen in Niedersachsen und Bayern ist Gewalt an Schulen ein Thema - es ist für viele bitterer Alltag. Natürlich sind nicht die Bildungseinrichtungen an sich Auslöser für dieses Phänomen - dies liegt im sozialen Umfeld und einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung begründet - aber sie gehören zu den Austragungsorten. Grundsätzlich sollen Schulen in erster Linie Wissen vermitteln und das Lernen lehren. Für die angemessene Sozialisierung des Nachwuchses ist im Prinzip das heimische Umfeld verantwortlich. Dass trotzdem auch eine Schule für das Zusammenleben so wertvolle Eigenschaften wie Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein vermitteln kann, davon ist die Direktorin der Berliner Grundschule „Am Sandsteinweg“ überzeugt. Deshalb entwickelte sie das Konzept der Tierhaltung gegen Gewalt.

Zahlreiche Studien belegen, dass der Umgang mit Tieren großen wie kleinen Menschen gut tut. Bekanntlich streicheln Heimtiere die Seele, fördern geistige und körperliche Fitness sowie die Kommunikation mit den Mitmenschen. Tiere vermitteln Sicherheit und Geborgenheit, weil sie ihren Pfleger so akzeptieren wie er ist. Sie üben keinen sozialen Druck aus, der sich in Aggressivität entladen könnte. Insbesondere Kinder, die mit Heimtieren aufwachsen, profitieren davon in vielfältiger Weise. In der Fürsorge für ein Tier lernen sie, wie schön es ist, für andere da zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Umgang mit Tieren Eigenschaften wie soziale Kompetenz, Zuverlässigkeit und Verantwortungsgefühl fördert. Dieses Wissen macht sich die Rektorin zu Nutze. Da sie keinen Einfluss auf die Heimtierhaltung in der elterlichen Umgebung ihrer Schüler hat, begeisterte sie die Kinder für die Tierhaltung in der Schule. In der Folge zogen Kaninchen, Ziegen und Pferde auf das Schulgelände. Hier leben sie in artgerechten Unterkünften und werden von den Kindern umsorgt und gepflegt. Das nötige Wissen über den richtigen Umgang ihrer Pfleglinge wird ihnen im Unterricht vermittelt und ist so - dank der unmittelbar erlebten praktischen Umsetzung - viel spannender und eindringlicher als nur in der Theorie.


Glückliche Schulkinder mit ihren bestens gepflegten Kaninchen: Das Schulprojekt setzt aufdie positiven Auswirkungen des Umgangs mit Tieren.

Neben Kaninchen und Ziegen gehören auch Ponys zum Tierbestand der Schule am Sandsteinweg.

„Mein Kaninchen ist mein bester Freund“

Unterrichtspausen werden heute von den Kindern der Grundschule am Sandsteinweg dazu genutzt, um die Tiere zu versorgen. Für Rangeleien auf dem Pausenhof bleibt so weder Zeit noch bieten sich Anlässe. Die üblichen Auslöser für Gewalt wie Langeweile, Neid, Ängste und Ausgrenzung haben hier wenig Chancen. Auch nach Schulschluss kommen viele Kinder, um sich mit den Tieren zu beschäftigen. Wer will, kann in den schön gestalteten Schulgehegen sein eigenes Kaninchen halten. Von dieser Möglichkeit machen die meisten Kinder Gebrauch, die Jungen wie die Mädchen. Immer wieder ist zu erleben, dass das Vorbild der tierhaltenden Mitschüler anderen die Lust vermittelt, sich ebenfalls mit Tieren zu beschäftigen. „In der Fürsorge für ein Tier entwickelt sich das Einfühlungsvermögen eines Menschen in die Bedürfnisse anderer Lebewesen“, weiß Rektorin Balzer. Den Kindern ist der pädagogische Ansatz vermutlich egal. Das Geben und Nehmen an Zuwendung erleben sie jedoch hautnah, denn: „Mein Kaninchen ist mein bester Freund“. Der tröstet auch schon mal über eine verhauene Klassenarbeit und andere Probleme hinweg.

ZZF-Präsident Klaus Oechsner, der sich bei seinem Besuch von der Begeisterung der Schulkinder für die Tiere überzeugen konnte, ist von dem Konzept der Tierhaltung gegen Gewalt restlos begeistert. „Wenn das in Schulen generell üblich wäre, hätten wir deutlich weniger Probleme mit Gewalt an Schulen“, so sein Fazit. Übrigens hatte sein Besuch an der Schule nicht nur informativen Charakter. Oechsner überbrachte Rektorin Balzer einen Scheck über 500 Euro als Spende des ZZF für das vorbildliche Schulprojekt. (aj)

Quelle: ZZA 3/2004 Seite 42