Besuchen Sie auch den ZZF!
SITEMAP | KONTAKT | IMPRESSUM
Branchenbericht
Diese Seite drucken


Friko-Zoo in Pforzheim

Zwei Standorte, zwei Strukturen

Friko Zoo auf der Wilferdinger Höhe und Friko Samen + Zoo – wie das Geschäft in der Pforzheimer City firmiert – sind zwei typische, wenngleich völlig unterschiedliche Zoofachgeschäfte. Klassischer Vollsortimenter, Innenstadtlage auf der einen Seite, Großfläche am Stadtrand auf der anderen. Doch Reiner und Michael Herfs, Vater und Sohn, die die Geschäfte leiten, wissen: jedes hat seine Vor- und Nachteile.

Auch im Stadtgeschäft präsentieren die Herfs ein umfangreiches Futtermittelangebot.

Reiner Herfs und Michael Herfs sind beide bereits früh mit dem „Zoo-Virus“ infiziert worden. „Wie das eben so war“, erinnert sich Rainer Herfs, „ich kam von der Schule nach Hause, schmiss den Ranzen in die Ecke und musste im Geschäft mit anpacken. Es gab immer etwas zu tun.“ So hat Herfs senior schon von Kindesbeinen an das nötige Wissen vermittelt bekommen, das er später durch eine Ausbildung zum Samengroßhändler ergänzte. 1970 mit dem Tod seines Vaters übernahm er dann auch die verantwortliche Leitung des Geschäfts. „Die Samenhandlung stand damals im Mittelpunkt. Dann kamen die Vögel und die Fische hinzu“, erklärt Herfs. Heute ist die Sortimentsverteilung genau umgekehrt. Der Zoobereich dominiert, doch im Laden in der stark frequentierten Pforzheimer Fußgängerzone gibt es immer noch eine gut sortierte Samenabteilung und weiteres gärtnerisches Zubehör sowie eine Floristikabteilung. „Das ist und bleibt mein Steckenpferd“, betont Rainer Herfs.

Deko- und Bastelartikel sind Teil der Floristikabteilung.

Eigentlich hätte sich der fast 70jährige schon längst zur Ruhe setzten können, doch das will er nicht. „Mein Sohn hat beide Geschäfte sehr gut organisiert, aber er schätzt auch meinen Rat und meine Erfahrung. Und was soll ich mich auf mein Altenteil zurückziehen, wenn es mir hier Spaß macht und ich gesundheitlich keine Probleme habe? Es ist sicherlich kein Fehler, wenn in jedem Geschäft der Inhaber präsent ist“, fasst Herfs sen. zusammen.

Stetig gewachsen

Gerade das klassische Fachgeschäft in der Innenstadt ist recht personalintensiv: 12 Mitarbeiter, die Chefs mit eingerechnet, gehören zur Belegschaft des Hauses. Im Laufe der Unternehmensgeschichte ist die Verkaufsfläche von 120 qm auf heute ca. 350 qm angewachsen. Da die Immobilie den Herfs gehört, konnten sie trotz steigender Mietpreise ihre Verkaufsfläche kontinuierlich erweitern. Inzwischen erstreckt sich das Fachgeschäft über vier Ebenen: Aquaristik und Terraristik im Keller; Futtermittel, Zubehör, Vögel und Nager sowie Samen im Erdgeschoss und großvolumiges Zubehör (Kletterbäume und Vogelheime) sowie die Floristik im ersten Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss sind das Lager und Büro untergebracht. „Vor acht Jahren haben wir das erste Obergeschoss zum Verkaufsraum ausgebaut. Dabei wurde gleichzeitig ein Lastenaufzug installiert, so dass das Lager im zweiten OG kein logistisches Problem darstellt“, erklärt Herfs sen., der diesen Komfort auch für sich zu schätzen weiß. Außerdem bietet Friko Samen + Zoo seinen Kunden einen umfangreichen Lieferservice an, da ist ein gut sortiertes Lager Pflicht. Denn wie viele Innenstadtgeschäfte kennt auch das Pforzheimer Citygeschäft die Parkplatzmisere - ein Lieferservice ist folglich unumgänglich. „Dennoch können wir die Kunden damit nur schwer locken“, bedauert Michael Herfs. Das Einkaufsverhalten habe sich komplett verändert, etwas zu bestellen und darauf zu warten ist anscheinend nicht mehr zeitgemäß. Die Kunden wollten ihre Produkte jetzt und sofort und möglichst bequem einladen können.


Rainer und Michael Herfs sind beide überzeugte Zoofachhändler.

Direkt in der Pforzheimer Fußgängerzone befindet sich seit über 75 Jahren Friko Samen + Zoo.

Vor allem die ältere Kundschaft weiß die gut sortierte Samenabteilung im Innenstadtgeschäft zu schätzen.

Historie

Die Tradition von Friko Samen Zoo reicht sehr weit zurück. Als reine Samenhandlung ist das Geschäft1892 in Leipzig von H. Koch gegründet worden. 1928 siedelte das Unternehmen in der zweiten Generation nach Pforzheim über. Hier suchte sich der Sohn des Firmengründers einen Partner, den er in Peter Schumacher fand. Dieser Partner eröffnete in Karlsruhe eine Filiale unter dem Namen „Friko Samen“. Doch am 23. Februar 1945 beim Bombenangriff auf Pforzheim wurde das gesamte Geschäft zerstört, wobei die Inhaberfamilie Friedrich Koch und die gesamte Belegschaft ums Leben kam.

Als Rainer Herfs, der Vater des im Bericht erwähnten Reiner Herfs, 1949 aus russischer Gefangenschaft kam, wurde ihm das Geschäft zum Kauf und zur Wiedereröffnung angeboten. Der ehemalige Postbedienstete zögerte nicht lange und stieg in die für ihn neue Branche ein.


Die Aquaristik-Abteilung im Keller.

Mehr Platz, mehr Übersicht

Das zeigt sich besonders deutlich in dem reinen Zoogeschäft auf der Wilferdinger Höhe. Dort werden viel mehr und viel voluminösere Waren gekauft als im Innstadtgeschäft, berichtet Michael Herfs. Auch der Umsatz pro Kunde ist nicht vergleichbar. Während im Geschäft in der Leopoldstraße viele Kleinartikel gehen, auch viel über Laufkundschaft, die schnell mal einen Snackartikel oder ein Katzenfutter mitnimmt, gleicht der Einkauf am Rande der Stadt eher dem typischen Wochenendeinkauf, bei dem Lebensmittel-, Getränke und Futtermittelmarkt der Reihe nach angesteuert werden. „Doch auch die Großfläche ist nicht die allein seelig machende Alternative“, betont Herfs jun., der neben seiner Zoolaufbahn, auch einen „richtigen“ Beruf gelernt hat („Bankkaufmann, was ich aber nie lebenslänglich ausüben wollte – der Zoobranche gehört nämlich mein Herz“). Die 500 qm große Fläche von Friko Zoo – mehr zusammenhängende Verkaufsfläche wird pro Markt von der Stadt nicht genehmigt – ist mit vergleichsweise „nur“ 5 festen Mitarbeitern gut zu bewältigen. Die Wegführung ist klar und übersichtlich strukturiert, die Abteilungen von weitem erkennbar, der Kassenbereich großzügig und der Eingangsbereich gut zu überblicken, so findet sich der Kunde leicht zurecht.

Friko Zoo auf der Wilferdinger Höhe ist ein moderner, 500 qm großer Markt.

Auf der anderen Seite ist der Wettbewerbsdruck in diesem Einkaufs-El Dorado - mit fast amerikanischem Format - enorm hoch. Dicht an dicht sitzen hier alle großen Namen des Einzelhandels, Autohäuser und Schnellimbiss-Ketten. Allein auf der Wilferdinger Höhe gibt es zur Zeit noch weitere fünf Anbieter von Futtermittel und Zubehör, Tendenz steigend. „Das ist einfach zuviel, so ein großes Einzugsgebiet und so eine große Kaufkraft liegen auch in Pforzheim nicht vor. Das ist knallharter Verdrängungswettbewerb“, unterstreicht Herfs jun.

Sortiment im Wandel

Hier ist das Stadtgeschäft in einer eindeutig günstigeren Lage: von den ehemals fünf Zoofachgeschäften in der Pforzheimer Innenstadt ist neben den Herfs nur noch ein einziger Wettbewerber übrig geblieben. Kein Einzelfall in der Zoofach-Handelslandschaft.

Ausgebildet wird bei Friko auch immer noch. „Leider können wir nicht alle unsere Auszubildenden übernehmen, und so ist es nicht selten, dass anschießend zur Konkurrenz gewechselt wird“, berichtet Herfs. Ein bekanntes Problem, mit dem er nicht allein da steht, mit dem er sich aber arrangiert hat.

Und noch eine Veränderung sieht

Michael Herfs nicht ganz ohne Sorge. Galt vor einigen Jahren noch die Devise: entweder exklusiv oder ganz billig, so scheinen diese beiden Bereiche im Moment am stärksten unter Druck zu stehen. „Unsere Kunden sparen. Seit der Euro-Einführung spüren wir das merklich. Viele, die einst bei uns billig kauften, gehen jetzt lieber zu Aldi und kaufen dort ein noch billigeres Produkt. Andere, die ehemals ausschließlich auf Premiummarken setzten, wechseln jetzt zum Mittelpreis-Segement.“ Aus Jahre langer Erfahrung weiß Herfs aber auch: „Der Markt ist immer in Bewegung und das Sortiment auch. Vogel wird immer weniger, Nager scheint wohl zu stagnieren, dafür legt Katze immer mehr zu.“

Von speziellen Werbeaktionen halten die Herfs beide eher wenig. „Wir machen mit der Hunderettungsstaffel eine Aktion für Hundehalter, die auch immer viel Anklang findet. Doch das ist im Prinzip die einzige. Der Aufwand steht sonst nicht in Relation zum Nutzen. Denn selbst wenn viele Interessierte kommen, macht sich das nicht unbedingt in der Kasse bemerkbar.“ Da setzen Herfs lieber auf ihre Eigenmarken, die sie sukzessive erfolgreich ausgebaut haben. (sg)


Michael Herfs (2.v.l) und sein junges Team betreuen das Geschäft auf der Wilferdinger Höhe.

Blick in den übersichtlich gegliederten Verkaufsraum.

Quelle: ZZA 4/2004 Seite 38