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Nicht unbedingt für Anfänger Gouldsamadinen - wie aus dem Malkasten der Natur
Mit ihren leuchtend bunten, klar abgesetzten Farben ist die Gouldsamadine eine der schönsten Prachtfinkenarten und dementsprechend beliebt. Ihr Verhalten ist stark abhängig von den Haltungsbedingungen und der Ernährung. Deshalb bereitet dieser schöne Vogel vor allem einfühlsamen Liebhabern viel Freude.
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In ihrer australischen Heimat zählt die Gouldsamadine zu den bedrohten Tierarten, da ihr Freilandbestand aus nicht vollständig geklärten Ursachen über Jahrzehnte stark rückläufig war. Ihre Verbreitung beschränkt sich auf die tropischen Gebiete Nord- und Nordwestaustraliens. Sie liebt hohe Temperaturen, braucht die Nähe von Wasserstellen und bevorzugt offene Uferflächen mit lichtem Baumbestand. Im Freiland wird sie als auffallend scheu und menschliche Siedlungen meidend beschrieben. Chloebia gouldiae hat keine Unterarten; die unterschiedliche Färbung der Kopfmaske (schwarz, rot oder orange/gelb) kommt in der gleichen Population vor, so dass es sich um Varianten und nicht um verschiedene Arten handelt. Die Variationsbreite der Gefiederfärbung ist bereits von Natur aus sehr groß.
1887 gelangte die Gouldsamadine erstmals nach England und kurze Zeit später nach Mitteleuropa. Zucht und Haltung bereiteten anfangs erhebliche Probleme, zumal die Wildfänge hohe Temperaturen (zwischen 30 und 45° C) benötigten. Heutige Nachzuchten sind robuster, so dass sie ab 20° C bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 55 Prozent problemlos gehalten werden können. In der Mauser- und Brutphase sind höhere Temperaturen (22° C und mehr), eine höhere Luftfeuchtigkeit (60 bis 70 Prozent) und eine besondere Ernährung erforderlich. Bei unterschiedlichen Tag- und Nachttemperaturen sind die Vögel in der Regel aktiver als bei konstanten Temperaturen. Besonders lebhaft sind auch hiesige Gouldsamadinen ab einer Tagestemperatur von 25° C und mehr. Haltung und Zucht sind dann am erfolgreichsten, wenn Unterbringung und Ernährung sich möglichst nah an der Lebensweise in freier Natur orientieren.
In der einschlägigen Literatur wird die Gouldsamadine als „für Anfänger bedingt geeignet“ bezeichnet. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Vögel in der Eingewöhnung heikel sind: Sie reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihrer Haltungsbedingungen.
Obwohl sie im Freiland offenbar den Menschen scheuen, können Gouldsamadinen dem Halter gegenüber recht zutraulich werden.
Haltung: paarweise oder im Schwarm
Gouldamadinen sind sehr soziale Vögel, die im Freiland große Schwärme bilden und ihr Sozialleben auch während der Brutzeit pflegen. Für die Haltung empfiehlt sich daher ein kleiner Schwarm in einer geräumigen, mit Ästen und Zweigen ausgestatteten Voliere, die unbedingt vor Zugluft geschützt sein muss. Eine Bademöglichkeit sollte nicht fehlen. In zu kleinen Käfigen, bei niedrigen Temperaturen und/oder ohne Gesellschaft gehaltene Tiere sind träge; die Vielfalt ihres Verhaltensrepertoires kommt nur unter optimalen Haltungsbedingungen zum Ausdruck. Für die paarweise Haltung gilt als Faustregel 100 cm x 50 cm x 50 cm. Da die Gouldsamadine bei mangelnder Bewegung zu Stoffwechselstörungen neigt, ist es wichtig, bei der Einrichtung der Voliere größere Flugdistanzen zu ermöglichen.
Bis auf einzelne Individuen, die während der Brutzeit aggressiv reagieren können und dann umgesetzt werden sollten, sind Gouldsamadinen außerordentlich friedlich und verträglich auch mit anderen Arten. Während der Brutzeit kommt es zwar zu gewissen Rivalitäten, die sich im Verjagen anderer Vögel ausdrückt, doch beeinträchtigt dies den Bruterfolg in der Regel nicht.
Ernährung: je nach Aktivitätsphase
In ihrer Heimat fressen Gouldsamadinen vorwiegend Grassamen. Dazu suchen sie nur selten den Bodengrund auf, sie fliegen die Halme lieber an. Für die Volierenhaltung bedeutet dieses Verhalten, Futterschale und Wassernapf in halber Höhe anzubringen.
Das Futter außerhalb der Brutzeit besteht vorwiegend aus Hirsemischungen. Kolbenhirse sollte nie fehlen. Um den Bedarf an Mineralstoffen zu decken, wird ganzjährig Vogelgrit, Sepiaschalen oder andere Kalkprodukte (zum Beispiel Eierschalen) angeboten. Als Grünfutter eignen sich unter anderem Vogelmiere, Löwenzahn, Rispengräser, Kresse und Salat. Zwar ernähren sich Gouldsamadinen überwiegend vegetarisch, sie fressen im Freiland jedoch auch gelegentlich Insekten und andere Kleintiere. Behelfen kann man sich mit dem Untermischen von kleinen Mengen an Spezialfutter für Insektenfresser. Während der Brut- und Aufzuchtphase können geringe Mengen Mehlwürmer oder auch Ameisenpuppen unter die Körner gemischt werden. Wenn die Tiere das tierische Eiweiß nicht annehmen, schadet es nicht.
Vitaminreiches Keimfutter (aus Hirsesamen) regt den Bruttrieb an und wird dann überwiegend gereicht. Eifutter kann gegeben werden. Die zusätzliche Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist empfehlenswert.
Zucht: nicht zu früh
Gouldsamadinen sind sehr früh, mit circa vier Monaten, geschlechtsreif. Um nur mit wirklich kräftigen, gesunden Tieren zu züchten, ist ein späterer Brutbeginn im Alter von etwa neun Monaten sinnvoll. Dies lässt sich über Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ernährung und zur Verfügung gestellten Nistmöglichkeiten auch in der Schwarmhaltung gut steuern. So wie die Eltern die Jungvögel nicht mehr füttern, beginnt mit der Nahrungsumstellung und der Entfernung der Brutkästen die „Ruhephase“. Dies gibt auch den Altvögeln die Gelegenheit zur Regeneration bis zur nächsten Brutphase. Erfahrene Züchter konzentrieren sich auf ein bis drei Gelege pro Paar und Jahr.
Die Gouldsamadine ist ein Höhlenbrüter, dementsprechend nimmt sie Wellensittichkästen als Nisthilfe an, aber auch halboffene Nistkästen; sogar von Bastkörbchen wird berichtet. Die Nisthilfen sollten möglichst hoch unter dem Volierendach angebracht werden. Bei der Schwarmhaltung muss die Zahl der Nistkästen größer sein als die Anzahl der Paare, außerdem dürfen die Kästen nicht zu dicht nebeneinander stehen - es kommt sonst zu Streitigkeiten. Als Nistmaterial können Kokos- oder Sisalfasern dienen. Manche Paare bauen selbst aber auch gar kein Nest. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Kästen mit etwas Nistmaterial auszupolstern.
Hat sich bei der Balz ein Paar gefunden, beginnen sie recht schnell mit dem Nestbau. Gouldsamadinen sind in der Partnerwahl wählerisch; Zwangsverpaarungen sind deshalb oft vom Misserfolg gekrönt. Chloebia gouldiae, die zum Beispiel von Mövchen aufgezogen wurden, verpaaren sich bzw. brüten nicht. Die eigentliche Brut beginnt erst nach Ablage des vierten Eies, wobei das Gelege aus bis zu acht Eiern bestehen kann. Die Jungen schlüpfen nach 13 bis 14 Tagen, die Nestlingszeit dauert etwa drei Wochen. In dieser Zeit darf die Umgebungstemperatur auch nachts nicht unter 20° C sinken. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch etwa zwei Wochen von den Eltern gefüttert. Mit sechs bis acht Wochen beginnt die Jugendmauser, die mit etwa vier Monaten abgeschlossen sein, sich unter schwierigen Lebensbedingungen jedoch länger hinziehen kann. Das Umsetzen von Jungvögeln in eine andere Voliere führt ebenso wie zu niedrige Temperaturen und Luftfeuchtigkeit oft dazu, dass sich die Ausfärbung des Gefieders beträchtlich verzögert, da die Tiere auf veränderte Lebensverhältnisse und Stress empfindlich reagieren. Auch eine bereits beginnende Brutreife verzögert die Jugendmauser. (vg)
Quelle: ZZA 5/2004 Seite 110 |