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Elaphe guttata bzw. Pantherophis guttatus Kornnatter, die schöne Anfängerschlange
Ihr deutscher Name beruht auf einem Übersetzungsfehler: Das englische „Corn“ steht auf Deutsch für „Mais“. Ob sie nun im Amerikanischen „Maisschlange“ heißt, weil sie oft in der Nähe von Getreidesilos Mäuse jagt oder weil ihre schachbrettartig gemusterte Unterseite einem Maiskolben ähnelt – auf jeden Fall zählt die Kornnatter zu den am häufigsten in Terrarien gehaltenen Schlangenarten und gilt als „Anfängerschlange“.
 | | Die Kornnatter gehört zu den am häufigsten in Terrarien gehaltenen Schlangen. Neben ihrer schönen Zeichnung und den leuchtenden Farben wird ihre robuste Art geschätzt. |
Die in Farbe und Zeichnung von Natur aus bereits sehr variantenreiche Schlange ist relativ pflegeleicht, wird schnell zahm, nicht zu groß und kann mit ein bisschen Fingerspitzengefühl leicht gezüchtet werden. Dementsprechend groß ist das Angebot heimischer Nachzuchten im Handel. Durch Kreuzungen der natürlichen Farbvarianten sind unzählige Farbformen entstanden, so daß das Aussehen der Kornnatter stark differiert. Züchter, die sich auf Mutationen spezialisiert haben, setzten zur Blutauffrischung auch immer wieder Wildfänge ein. Spektakuläre Farbvarianten sollen weltweit zum Teil teuer gehandelt werden.
Bisher wurde die Kornnatter taxonomisch als Elaphe guttata, untergliedert in die drei Unterarten E. guttata guttata, E. guttata rosacea und E. guttata emoryi, geführt. Nach der Neuordnung der Familie Elaphe heißt sie Pantherobis guttatus. Zur Unterfamilie der Land- und Baumschlangen gehörend, ist die Kornnatter in weiten Teilen der USA (bis auf den Westen) sowie im Nordosten Mexikos heimisch. Die Unterart emoryi (Präriekornnatter) lebt westlich des Mississippi, die Unterart rosacea in Florida. Aufgrund der Größe ihres Verbreitungsgebietes ist die Kornnatter unterschiedlichen Lebensbedingungen angepaßt: Temperaturen zwischen 20° und mehr als 30° C bei einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 80 Prozent. Die Überwinterung dauert entsprechend den jeweiligen klimatischen Verhältnissen zwischen zwei und sechs Monate; in Südflorida ist sie bei guter Witterung das ganze Jahr über anzutreffen. Im Frühjahr weitgehend tagaktiv, ist die Kornnatter während des Sommers eher abends und nachts am Boden und auf Bäumen aktiv; ihre Nahrung besteht aus Kleinsäugern, Vögeln, Fledermäusen, Echsen und Fröschen.
Kornnattern werden bis zu 1,20/1,40 m lang (in der Literatur finden sich auch Angaben bis 1,80 m) und haben eine elegante, schlanke Form mit einem leicht abgesetzten, länglich-runden Kopf und großen runden Augen/Pupillen. Bei der Nominatform reicht die Färbung der Körperoberseite von rostbraun über orange- bis ziegelrot. Die mehr oder weniger gleichmäßigen Flecken auf Rücken und an den Körperseiten sind etwas dunkler gefärbt und schwarz umrandet. Auf dem Kopf laufen die Muster zu einer V-Form zusammen, außerdem reicht eine dunklere Binde von einem Auge zum anderen. Die helle Bauchseite hat dunkle Flecken, deren regelmäßige Anordnung an einen Maiskolben erinnern. E. guttata rosacea hat weniger Schwarz-Pigment als die Nominatform, während E. guttata emoryi in der Zeichnung der Nominatform ähnelt, jedoch eine graue oder braune Grundtönung hat.
Haltung, Ernährung und Fortpflanzung
Für ein Pärchen erwachsener Kornnattern sollte das Terrarium die Mindestmaße 120 x 60 x 120 cm haben (Länge x Breite x Höhe). Die Höhe ist ebenso wichtig wie Klettermöglichkeiten. Kornnattern sind als „Ausbrecher“ bekannt, die jeden Spalt nutzen. Daher muss das Terrarium unbedingt ausbruchsicher sein und verschlossen werden können. Neben Kletterästen, Steinen oder Kork/Rinde als Unterschlupf, einem Wassernapf und Beleuchtung sollte auch eine Bodenheizung installiert werden. Im Terrarium sollte die Temperatur tagsüber zwischen 24 und 28° C liegen, nachts etwa 5 ° darunter. Da Kornnattern ganz gern graben, ist ein Bodengrund von mindestens fünf oder mehr cm angeraten, bestehend aus Sand/Torf, Sand/Humus, Korkschrot oder ähnlichem. Wichtig ist, daß der Bodengrund nicht aus scharfkantigem Material besteht.
Zu den täglichen Pflegeaufgaben zählt das Sprühen mit handwarmem Wasser. Insbesondere wenn sich das Häuten der Schlangen abzeichnet, sollte das Terrarium ausreichend feucht gehalten werden. Dann häuten sich die Nattern in einem Stück. Kot wird im Idealfall sofort entfernt und auch das Wasser sollte stets sauber sein. Eine gründliche Reinigung des Terrariums und aller Einrichtungsteile und der komplette Austausch des Bodenmaterials empfehlen sich zweimal jährlich.
Erwachsene Tiere werden alle zwei Wochen mit einer Maus gefüttert, Jungtiere einmal die Woche (Babymaus). Werden zwei oder mehr Kornnattern im Terrarium gehalten, müssen die Tiere separat gefüttert werden, da sie sich sonst ineinander verbeißen können. Praktisch ist dafür eine Klarsicht-Transportbox, weil das Jagd- und Fressverhalten dann gut beobachtet werden kann. Mit der Beute sollten die Schlangen keinen Bodengrund aufnehmen – auch deshalb ist die Futterbox ideal. Die Fütterungszeiten werden am besten notiert, damit man den Überblick behält. Der Fütterungsrhythmus erwachsener Tiere hängt auch von der Größe der zuletzt gefressenen Beute ab. Beobachtet man die Schlangen regelmäßig gut, läßt sich schnell erkennen, wann sie wieder Hunger bekommen: Sie werden dann auch tagsüber aktiver und reagieren neugierig auf Bewegungen außerhalb und innerhalb des Terrariums.
Die Kornnatter kann, muß aber keine Winterruhe einlegen. In Südflorida beheimatete Tiere pflanzen sich auch ohne Winterpause fort. Manche Züchter empfehlen zur Verpaarung eine Reduzierung der Beleuchtungsdauer und damit der Durchschnittstemperatur im Terrarium. Kornnattern sind mit circa zwei Jahren geschlechtsreif. Zwischen Befruchtung und Eiablage vergehen etwa 60 Tage. Rund zwei Wochen vor der Eiablage wird das Weibchen nicht mehr fressen und sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für die Eier begeben. Bevorzugt wird eine dunkle, feuchtwarme Stelle (unter Wurzeln, Steinen, dem Wassernapf oder in bereitgestellten und mit Vermiculit gefüllten Schlupfkisten. Jetzt sollte die Schlange möglichst nicht mehr gestört werden.
Zu beachten ist, daß die Schlange bei unzureichenden Bedingungen für die Eiablage in Legenot kommen kann, was eine umgehende tierärztliche Behandlung erforderlich macht.
Die Jungen schlüpfen bei einer Temperatur zwischen 22 und 28° C etwa ab dem 60. Tag – je niedriger die Inkubationstemperatur, umso später der Schlupf. Die etwa 20 cm langen Jungtiere verlassen das Ei nicht sofort, sondern ernähren sich zunächst vom Eidotter. Bis zur ersten Häutung nehmen sie keine weitere Nahrung an. Nach der Häutung kommt der spannende Moment, ob die Schlangenbabys eine nackte Babymaus annehmen oder nicht. Erfahrene Züchter empfehlen, den nicht selbstständig fressenden Jungschlangen eine Babymaus anzubieten, die zuvor mit einem Küken gelagert wurde, um deren Geruch anzunehmen. Andere Züchter setzen auf Zwangsfütterung – eine Prozedur, die dem unerfahrenen Halter sicherlich nicht anzuraten ist. Unerfahrene Halter sollten eine junge, futterfeste Kornnatter erst ab einer Länge von rund 40 cm erwerben. (vg)
(Quellennachweis: Ludwig Trutnau: Ungiftige Schlangen / Schlangen im Terrarium, Ulmer-Verlag Stuttgart; eigene Erfahrungen)
Quelle: ZZA 10/2004 Seite 36 |