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TierNatur
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Leopardgecko (Eublepharis macularius)

Attraktiv, zutraulich und sehr beliebt

Zu den in Terrarien besonders häufig gehaltenen Echsen gehört der Leopardgecko. Seine Haltung ist relativ unproblematisch, so daß er Anfängern empfohlen werden kann. Dank seiner attraktiven Zeichnung, den vielen Farb- und Zeichnungsvarianten und seiner Zutraulichkeit erfreut sich diese Art auch bei erfahrenen Terrarianern großer Popularität.

Junge Leopardgeckos, Züchter: Klaus Oechsner, Idstein.

Der Leopardgecko Eublepharis macularius gehört zur Echsenfamilie der Lidgeckos (Eublepharinae) und ist nachtaktiv. Lidgeckos unterscheiden sich von den übrigen Gecko-Arten vor allem durch zwei wesentliche Merkmale: bewegliche Augenlider, die ein Schließen der Augen ermöglichen, sowie Krallen statt Haftlamellen an den Zehen. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen können sie sich also nicht an glatte Flächen heften, dafür sind die spitzen, gebogenen, nicht einziehbaren Krallen ideal zum Graben und zur Fortbewegung auf steinigem Untergrund. Die Gattung der Leopardgeckoartigen (Eublepharis) umfaßt die vier Arten E. angramainyu, E. hardwickii, E. macularius und E. turcmenicus. Diese Gattung ist im Mittleren Osten (Syrien, Irak, Iran) und Zentral-/Südasien (Afghanistan, Pakistan und Indien) beheimat. Der Leopardgecko E. macularius (6 Unterarten) kommt nur in Pakistan, Afghanistan und Indien vor. Aufgrund der bereits in der Natur gegebenen großen Variabilität in Farben und Zeichnungen lassen sich die Unterarten E. m. macularius, E. m. afghanicus, E. m. fasciolatus, E. m. fuscus, E. m. montanus und E. m. smithi nur schwer abgrenzen.

Für den Laien ist die Bestimmung der einzelnen im Handel angeboten Art/Unterart wegen der Vielzahl von Farbzüchtungen, Kreuzungen der Arten untereinander und Mutationen schier unmöglich. Da sich Leopardgeckos in Terrarien problemlos nachzüchten lassen, spielen Wildfänge im Handel so gut wie keine Rolle; angeboten werden nahezu ausschließlich einheimische bzw. aus ausländischen Terrarien stammende Nachzuchten.

Ausgewachsen erreicht E. macularius eine Länge von 25 cm, wovon 10 cm auf den rundlich-kräftigen Schwanz entfallen. Größe und Gewicht können – je nach Ernährungszustand – ebenfalls variieren. Der Kopf wirkt kräftig, ist dreieckig und deutlich vom Rumpf abgesetzt. Die Nominatform weist dunkle Leopardflecken auf der sandfarbenen Grundfärbung auf, der Bauch ist hellgrau bis weiß, der Schwanz vorwiegend rundum gezeichnet. Die Unterarten sind in der Regel schlanker gebaut und kleiner; sie unterscheiden sich in der Zeichnung und zum Teil in der Beschuppung. Bei den Jungtieren sind die Zeichnungsstrukturen sehr viel klarer abgegrenzt als bei erwachsenen Tieren – dies gilt ebenso für gezüchtete Varianten.

Lebensraum Wüste

In ihren ursprünglichen Habitaten bewohnen Leopardgeckos trockene bis halbtrockene, steppenartige Landstriche, tropische bis subtropische Wüsten und Halbwüsten mit lehmigen oder steinigen Böden. In reinen Sandwüsten sind die Tiere nicht anzutreffen. Die klimatischen Bedingungen sind in den jeweiligen Verbreitungsgebieten recht unterschiedlich und reichen von Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt während der Wintermonate bis zu Tagestemperaturen von 40 bis 50° C im Sommer. Ähnlich differieren die Niederschlagsmengen. In der Regel sind die Winter kühl und trocken, die Sommer dagegen heiß und feucht.

Der Leopardgecko ist ein Bodenbewohner, der gerne auf Steine und Felsen klettert und sich tagsüber in Hohlräumen unter Steinen oder in Erdhöhlen aufhält. Mit seinen starken Krallen gräbt er selbst Löcher oder paßt verlassene Nagerhöhlen seinen Bedürfnissen an. Diese Erdbehausungen bieten den Bewohnern eine gewisse Substrat- und Luftfeuchtigkeit – ein Umstand, der auch bei der Terrarienhaltung zu berücksichtigen ist.

Der Leopardgecko ist ein guter Jäger, der sich in freier Wildbahn hauptsächlich von Insekten ernährt, aber auch Echsen und kleine Säugetiere nicht verschmäht. Im Prinzip frißt E. macularius alles, was er überwältigen und verschlingen kann – selbst die eigenen Jungtiere. Kurz vorm Zupacken schließt das Tier seine Augen, um sie so vor Verletzungen zu schützen. Geckos orientieren sich vorwiegend optisch, das Auge ist ihr wichtigstes Sinnesorgan.

Im Terrarium wird der Leopardgecko schnell so futterzahm, daß er bereits an der Scheibe wartet, sobald sich jemand nähert. Die Insekten nimmt er gern von der Hand. Wegen dieser Zutraulichkeit neigen manche Halter dazu, die Tiere zu überfüttern. Drei bis vier große Grillen genügen als Tagesration für einen ausgewachsenen Leopardgecko. Erfolgreiche Züchter empfehlen, die Futtertiere mit Vitaminzusätzen zu bestreuen und das täglich frisch gereichte Trinkwasser mit Vitaminen anzureichern.

Lebensraum Terrarium

Laut der Mindestanforderung, die das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Haltung eines ausgewachsenen Leopardgecko-Paares formuliert hat, soll die Kopf-Rumpflänge der Tiere mit der Formel 4 x 3 x 2 für die Länge, Breite und Höhe des Terrariums multipliziert werden. Größere Terrarien sind jedoch in jedem Fall zu empfehlen. Da männliche Leopardgeckos ein ausgesprochenes Revierverhalten haben und Kämpfe zwischen den Männchen (auch anderer Geckoarten) unerbittlich bis zur Flucht oder Tod des Unterlegenen geführt werden, empfiehlt sich die Haltung eines Männchens und eines oder mehrer Weibchen. Allerdings kann es auch unter den Weibchen zu Streitigkeiten kommen.

Zur Einrichtung des Terrariums gehört zum einen der etwa 10 cm hohe Bodengrund, bestehend aus einem grabfesten Substrat, hinzu kommen verschieden große Steine (auch standfest geschichtet) zum Klettern, als Sonnenplatz und als Versteckmöglichkeit. Außerdem sollte pro Tier mindestens eine Höhle angeboten werden. Klettermöglichkeiten werden durch dicke Äste und Wurzeln sowie durch Rückwände aus Kork oder anderen rauhen Materialien geschaffen. Da Leopardgeckos gern graben, ist eine Bodenheizung nicht zu empfehlen. Als Wärmequellen dienen ausschließlich spezielle Terraristik-Spot-Strahler. Die Temperatur im Terrarium sollte tagsüber zwischen 28 und 32°C betragen, nachts bis zu 10°C niedriger. Auf erhöhten Steinen und dem Strahler sollte die Tagestemperatur bei 35° C und höher liegen. Für die Luftfeuchtigkeit im Terrarium werden Tageswerte zwischen 40 und 60 Prozent empfohlen; dies erreicht man durch tägliches Besprühen der Einrichtung, im Idealfall am Abend. Ist die Terrarieneinrichtung gut angefeuchtet, können die Geckos die Flüssigkeit dort aufnehmen. Das regelmäßige Besprühen ist auch wichtig für ein problemloses Häuten der Tiere.

Mit der täglichen Beleuchtungszeit wird ein Sommer-/Winterrhythmus simuliert: Im Sommer 12 bis 14 Stunden Licht, im Winter 6 Stunden. Dementsprechend niedriger liegen die Tages- und Nachttemperaturen im Winter, so daß die Tiere von November bis Februar eine Winterruhe halten können. Dies dient nicht nur der Fortpflanzung, sondern auch der Gesundheit der Geckos. Allerdings sollten nur wirklich gesunde Tiere eine Winterruhe halten. Während der Wintermonate kann die Luftfeuchtigkeit im Terrarium niedriger als während der Sommermonate liegen.

Wenige Wochen vor der Winterruhe werden die Tiere ausgiebig gefüttert, dann wird die Fütterung eingestellt und die Temperatur im Terrarium allmählich gesenkt. Bevor die Beleuchtung auf 6 Stunden täglich reduziert ist, müssen sich die Geckos vollständig entleert haben. Zur Beendigung der Winterruhe wird die Temperatur über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen langsam wieder erhöht.

Zucht und Aufzucht

Mit gut einem Jahr werden Leopardgeckos in der Regel geschlechtsreif, der Zeitpunkt hängt auch von den Aufzucht- und Haltungsbedingungen ab. Voraussetzung für die Fortpflanzung ist die Winterruhe; mit wieder ansteigender Temperatur und Beleuchtungsdauer kommt der Stoffwechsel in Schwung und wird die Paarungsbereitschaft stimuliert. Bis zur Eiablage vergehen etwa drei bis vier Wochen, in dieser Zeit frißt das Weibchen zunächst mehr, stellt dann die Futteraufnahme ein und beginnt, nach einem geeigneten Platz für die Eiablage zu suchen. Gut eignen sich mit etwa fünf cm Vermiculite gefüllte Brutbehälter. Sie werden an einen warmen Platz im Terrarium, jedoch nicht direkt unter die Strahler gestellt, damit das Substrat nicht austrocknet. Manche Weibchen bevorzugen Legehöhlen. Drei bis vier Wochen nach der erfolgreichen Paarung beginnt das Weibchen mit der Eiablage, indem es ein kleines Loch in das Substrat scharrt. Die Eier werden anschließend wieder bedeckt. Bis zum Schlupf der Jungtiere vergehen etwa 50 Tage – abhängig von der Inkubationstemperaur. Da die erwachsenen Leopardgeckos auch Jungtiere der eigenen Art fressen, ist das Ausbrüten in einem Brutgerät am erfolgversprechendsten. Die Eier sollten nicht gewendet werden, da dies zum Absterben der Embryos führt. Das Substrat muß mäßig feucht sein, wenn die Schale mit Deckel in das Brutgerät gestellt wird. Bei einer Temperatur zwischen 25 und 33 °C (oder konstant 29° C) dauert es circa 50 Tage bis zum Schlupf. Je höher die Temperatur, desto schneller schlüpfen die Jungen, bei niedrigen Temperaturen dauert es entsprechend länger. Die gewählte Temperatur hat Einfluß auf das Geschlecht der Jungtiere: je wärmer, desto mehr Männchen; je kühler, desto mehr Weibchen.

Die Jungen ritzen mit Hilfe des Eizahns die Hülle auf und schieben zunächst ihre Schnauze ins Freie. Unmittelbar nach dem vollständigen Schlupf bewegen sich die Jungtiere bereits sehr flink und beginnen mit der ersten Häutung. Die frisch geschlüpften Leopardgeckos werden in einem eigens für sie eingerichtetes Terrarium aufgezogen, das ähnlich gestaltet und temperiert ist wie das für die erwachsenen Tiere. Als Erstfutter, das man bereits am ersten Tag – am bestens abends - reichen kann, eignen sich kleine Heimchen, die mit einem Vitaminpräparat bestäubt werden. Manche Jungtiere fressen sofort, andere erst nach ein, zwei Tagen. Bis zur Geschlechtsreife können die Jungtiere zusammen aufgezogen werden, sofern das Terrarium groß genug ist. (vg)

(Quelle: Friedrich Wilhelm Henkel, Michael Knöthig, Wolfgang Schmidt: „Leopardgeckos“, Natur und Tier-Verlag, Münster; eigene Recherchen)

Quelle: ZZA 11/2004 Seite 34