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7. Internationales Meerwasser-Symposium

Für mehr Nachzuchten von Meerestieren

Unter dem Motto „Optimierung der Pflegebedingungen“ beschäftigten sich zahlreiche Referenten auf dem Internationalen Meerwassersymposium in Lünen damit, wie die Nachzucht von Meerestieren optimiert und damit Naturentnahmen reduziert werden können. Ferner bot dieses Treffen den Liebhabern der Meeres-aquaristik ausreichend Gelegenheit, technische Möglichkeiten und neue Erkenntnisse zu diskutieren, die eine verbesserte Simulation der Korallenriff-Biotope in Aquarien-Systemen ermöglichen.

Helmut Schmidt holte das Meerwasser-Symposium in seine Heimatstadt Lünen.

Es gehört inzwischen zur guten Tradition, daß der Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) gemeinsam dieses Meerwasser-Symposium unter tatkräftiger Mitwirkung von Helmut Schmidt, Lünen, veranstalten. Der Erfolg gibt ihnen recht. „Beide Verbände“, so ZZF-Präsident Klaus Oechsner in seinem Grußwort, „haben ein besonderes Interesse daran, über eine artgerechte Zierfischhaltung aufzuklären und auch in den eigenen Reihen die Pflegebedingungen zu verbessern.“ VDA-Präsident Joachim D. Matthies betonte, das Symposium sei unverzichtbar, weil „wir daran arbeiten müssen, das erreichte Niveau zu verbessern.“

Moderiert von Privatdozent Dr. Dieter Brockmann und dem Fachredakteur Werner Schmettkamp, boten die einzelnen Referate auch Dank ihrer thematischen Vielfalt reichlich Diskussionsstoff. Ohnehin hatten die Veranstalter auf Anregung der Teilnehmer viel Zeit für den Meinungsaustausch eingeplant. Den Erfahrungsaustausch der Meeresaquaristik-Liebhaber zu fördern, ist ein weiteres Anliegen des Symposiums.

Werner Schmettkamp, Redakteur der Fachzeitschrift „Das Aquarium“, moderierte das Symposium souverän.

Seriöses Handeln

Dipl.-Biologe Heiko Blessin, Leiter der JBL-Forschungsexpeditionen, berichtete über die Ergebnisse der Expeditionen im Pazifik, im Indischen Ozean und der Karibik. JBL hat einen großen Etat für Feldforschung zur Verfügung gestellt, um aus erster Hand Informationen über die Lebensräume, Gewohnheiten und Ansprüche der Aquarien- und Terrarienbewohner zu erhalten und die JBL-Produkte darauf abstimmen zu können. „Das große Ziel“, so Blessin“, „bleibt immer eine ausreichende Nachzucht der Tiere, damit die Entnahme aus der Natur reduziert oder sogar komplett eingestellt werden können.“

Hobby nachhaltig sichern

„Können Nachzuchten die Riffaquaristik retten?“ lautete die Frage, die Privatdozent Dr. Dieter Brockmann in seinem Vortrag zu beantworten suchte. Die Meerwasseraquaristik unterliege einem großen umweltpolitischen und ökologischen Druck, da das weltweite Sterben der Korallenriffe unter anderen auch den Meerwasseraquarianern angelastet werde. Brockmann stellte gesammeltes Datenmaterial vor, aus dem hervorgeht, daß die Entnahmen vor allem bei Korallen für die Meeresaquaristik durch den Abbau von Korallenmaterial als Baumaterial weit in den Schatten gestellt werden. Wesentlich ernster als beides zusammen sei aber die globale Bedrohung der Korallenriffe durch Umweltverschmutzung, Dornenkronenseesterne- Plagen, globale Erwärmung oder die Korallenbleiche. Dennoch könne, so Brockmann, nur ein Anstieg der Nachzuchten, die „uns von Wildfängen größtenteils unabhängig machen, das schlechte Image des Meerwasseraquarianers als Verbraucher ändern und unser Hobby in seiner ganzen Vielfalt dauerhaft und nachhaltig sichern.“

Die Pausen boten reichlich Gelegenheit für den Meinungsaustausch unter den Meerwasseraquarianern.

Interessante Organismen

Über „Seeigel im Aquarium - mehr als nur Algenfresser“ referierte Dipl.-Biologe Johannes Dürbaum von der Firma Sera. Der Vortrag zeigte in Bildern und Filmsequenzen, daß Seeigel Meerwasseraquaristik nicht nur interessanter machen, sondern auch die Bedingungen im Aquarium verbessern können. So dringen Seeigel, die Aufwuchs auf lebenden Steinen abnagen, mit ihren Zähnen weit tiefer vor als Doktor- und Schleimfische. Außerdem entfernen sie den tierischen Bewuchs vollständig und auch an der vom Licht abgewandten Seite der Steine. Die Vorteile der Seeigel im Meerwasseraquarium sind jedoch vielfältiger. Je nach Art tragen sie auf unterschiedliche Weise zur Verbesserung der Bedingungen im Aquarium bei, indem sie zum Beispiel für Sauerstoffversorgung und Wassertransport sorgen. „Seeigel stellen in ihrer Vielfalt und Form ungewöhnlich interessante Organismen dar, die in keinem Riffaquarium fehlen sollten“, so das Fazit des Referenten.

Jedes Aquarium ein Individuum

Jörg Kokott von Tropical Live Import, Thomas Lage GmbH, setzte sich in seinem Vortrag über die „Organik im Riffaquarium“ mit der Art, der biologischen Funktion und mit der Relevanz der Dosierung von organischen Nährstoffen im Korallenriffaquarium auseinander. Die Wirkung von organischen Nährstoffen hängt maßgeblich von dem Gehalt an anorganischen Nährstoffen wie Nitrat und Phosphat ab. Die Wirkung ist um so besser, je niedriger die genannten anorganischen Pflanzennährstoffe im Aquarium konzentriert sind. Die besten Ergebnisse lassen sich demnach in sehr nährstoffarmen Aquarien erzielen, was vielfache Beobachtungen aus der riffaquaristischen Praxis bestätigen. Nichts desto trotz können vergleichbar gute Ergebnisse auch unter erhöhten anorganischen Nährstoffgehalten erzielt werden, was einmal mehr die Individualität eines jeden Aquariums hervorhebt. Es ist also an jedem Aquarianer, zu testen und zu beobachten, inwiefern eine Versorgung von Korallen mit organischen Nährstoffen individuell günstig ist oder nicht.

Folgen der Korallenbleiche

Dr. Wolfgang Loch berichtete über die Folgen der Korallenbleiche in einem Maledivenriff 1998.

„Über die Entwicklung der Falterfischpopulation und der herbivoren Fische in einem Maledivenriff nach der Korallenbleiche 1998“ berichteten Karen und Dr. Wolfgang Loch. Aufgrund der verheerenden Korallenbleiche mit der Folge eines Korallen-Massensterbens kam es zu erheblichen Störungen des riffökologischen Gleichgewichts. Vor allem kam es zu einem erheblichen Rückgang in der Besiedlungsdichte von Korallenfischen. Im Rahmen einer Langzeituntersuchung über die Regeneration und Wiederbesiedelung mit Steinkorallen konnten auch genauere Daten über den Zustand der Fischpopulation nach dem Korallensterben gewonnen werden. Im Ergebnis ließ sich aufgrund der weitgehenden Zerstörung des Riffs keine schnelle Wiederherstellung des riffökologischen Gleichgewichts feststellen.

Seepferdchen-Nachzuchten unerläßlich

Wolfgangs Mais Vortrag über „Haltung und Aufzucht tropischer Seepferdchen“ stieß aufgrund der seit Mai 2004 bestehenden Importbeschränkungen auf großes Interesse bei den Teilnehmern, ist die Nachfrage nach Nachzuchten doch beträchtlich gestiegen. Seepferdchen sind sehr produktiv, ihre Aufzucht verlangt allerdings viel Erfahrung und Zeit, deshalb beschäftigen sich bisher nur wenige Züchter mit der Nachzucht von Seepferdchen. Mai betonte, daß weitere Artenschutzverordnungen mit daraus folgenden Importbeschränkungen die Naturentnahmen weiter einschränken werden. Natürlich sei die Hauptursache des Artenrückgangs die Umweltverschmutzung, aber „wir haben unbestreitbar eine Mitverantwortung“, so Mai. Dem sollte durch Nachzuchten entgegengewirkt werden.

Korallen bald nur noch als Ableger und Nachzuchten

„Vermehrung von Korallen im Meerwasser“ war das Thema von Michael Mrutzek. Er gab eine umfassende Darstellung der möglichen Fragmentationen von Leder- und Weichkorallen sowie LPS und SPS, die sich bei guten Wasserbedingungen innerhalb eines Jahres in ihren Umfängen verdoppeln können und ohne Eingriff für das Aquarium zu groß werden. Das Beschneiden der Korallen und die Fragmente anwachsen zu lassen, sei ein guter Weg, das Ökosystem nicht zu einer Monokultur werden zu lassen und gleichzeitig Ableger zu gewinnen.

Dirk Petersen vom Zoo Rotterdam berichtete über „Korallensex im Aquarium - Überraschungen, Chancen und Risiken“. Dieser Beitrag gab Hobby-Aquarianern einen ersten Einblick in die aktuelle Forschung zur sexuellen Vermehrung von Steinkorallen in Schauaquarien. Will man Korallen gezielt vermehren, müssen die drei wesentlichen Fortpflanzungsschritte - Befruchtung (bei Freilaichern), Ansiedlung und die frühe Entwicklung - vom Züchter unterstützt werden. Seine eigenen „Babykorallen“ heranwachsen zu sehen, sei sicherlich für jeden Aquarianer ein einmaliges Erlebnis. Petersen geht davon aus, daß die Entnahme von Korallen aus dem Riff in naher Zukunft nur noch für rifferhaltende Forschung erlaubt sein wird. Die Aquaristik sei spätestens dann auf eine nachhaltige Versorgung mit Zuchttieren, beispielsweise aus Korallenfarmen, angewiesen.

Farben und ihre Bedeutung

Mit „Fisch-Farben und Farbwechsel“ und ihrer Bedeutung setzte sich Professor Dr. Ellen Thaler auseinander. Die Fähigkeit der Fische, ihre Farbe je nach Stimmung zu ändern, können sich Aquarianer zu nutze machen, wenn man diese Farbwechsel richtig interpretiere. Zunächst müßten alle möglichen Varianten des Farbwechsels (wie alters- oder geschlechterbedingter Farbwechsel, Farbwechsel bei Streß, im Tagesverlauf oder milieuabhängige Farbänderungen) geklärt sein. „Wenn wir imstande sind, die jeweils vorherrschende Stimmung unserer Fische bzw. deren Ursachen zu erkennen, so sind wir auch in der Lage, sie besser zu pflegen und kritische Situationen rechtzeitig, also ohne Verluste zu vermeiden.“ (vg)

Quelle: ZZA 4/2005 Seite 46