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TierNatur
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200 Jahre Melopsittacus undulatus

Namens-Jubiläum des beliebtesten Stubenvogels

Rund drei Millionen Wellensittiche leben heute in deutschen Haushalten. Lebhaft, neugierig und verspielt, erfreuen die geselligen Vögel Jung und Alt. Die heute noch gültige wissenschaftliche Beschreibung und Namensgebung des „Wellis“ jährt sich 2005 zum 200. Mal - Grund genug für den Zoofachhandel, die fröhlichen Gesellen mit einer Jubiläums-Aktion zu ehren.

Vor genau 200 Jahren hat George Shaw den Wellensittich wissenschaftlich beschrieben und ihm den taxonomischen Namen Melopsittacus undulatus gegeben.

Sir Joseph Banks, Teilnehmer einer wissenschaftlichen Expedition nach Australien, berichtete 1770 erstmals über die kleinen grünen Schwarmvögel, die zu Tausenden durch die unwirtlich trockenen Steppen des fünften Kontinents vagabundieren. Seinen wissenschaftlichen Namen verdankt der Wellensittich dem englischen Naturkundler George Shaw, der in seinem berühmten Werk „Zoology of New Holland“ (so wurde Australien damals bezeichnet) 1794 den Wellensittich als Psittacus undulatus erstmals beschrieb. Später - nämlich 1805 - korrigierte Shaw sich, seither lautet der taxonomische Name des Wellensittichs Melopsittacus undulatus. Daß der Wellensittich zu einem der populärsten Stubenvogel avancieren würde, konnte Shaw nicht einmal ahnen, denn die ersten lebenden Wellensittiche wurden erst 1840, also fast drei Jahrzehnte nach Shaw’s Tod, von dem Museumsforscher und Vogelkundler John Gould nach England gebracht. Die Ankunft der grünen Vögel mit der schwarzen Wellenzeichnung an Kopf, Rücken und Flügeln wurde zur Sensation. Aufgrund der starken Nachfrage wurden in der Folge große Kontingente an Wildfängen aus Australien importiert - in ganz Europa.

Erste Nachzuchten der kleinen Papageien gelangen um 1850 dem Zoologischen Garten Antwerpen, woraufhin europaweit die Zucht von Wellensittichen einsetzte. Erste Zuchterfolge in Deutschland werden in der Literatur der Gräfin von Schwerin 1855 zugeordnet. Bis die ersten Farbschläge auftauchten, dauerte es noch gut 20 Jahre: 1872 wurden aus Belgien die ersten gelben Mutationen bekannt; sie bildeten den Beginn einer intensiven Zucht auf Farbschläge, Gefiederformen und Gestaltmerkmale. Trotz der Nachzuchterfolge wurden in den ersten Jahrzehnten noch so viele Wellensittiche aus ihrer Heimat nach Europa importiert, daß die Australische Regierung 1894 zum Bestandsschutz ein Ausfuhrverbot erließ.

Tierführender Zoofachhandel und Wellensittiche verbindet eine lange gemeinsame Geschichte; der kleine Papagei gehört auch heute noch zu den beliebtesten Stubenvögeln.

Die Popularität des Wellensittichs ist bis heute nahezu ungebrochen, keine Vogelanlage eines Zoofachgeschäftes kommt ohne den kleinen Papagei aus. Dies hängt nicht nur mit seiner vergleichsweise einfachen Pflege zusammen, mehr noch mit seinem neugierigen, verspielten, zutraulichen und anhänglichen Wesen. Ob normale „Hansi-Bubis“ - so bezeichnet nach den von ihren Haltern am häufigsten vergebenen Namen - oder als Zuchtform „Standard“ der Schauwellensittiche: Melopsittacus undulatus hat unter Züchtern und Vogelfreunden eine große Fan-Gemeinde. Auch wenn selbst „Hansi-Bubi“ heute deutlich größer und schwerer ist als seine wildlebenden Verwandten, so hat er seine in der australischen Wildnis erworbene Robustheit weitgehend behalten, ein Alter von 15 oder gar mehr Jahren ist für einen „Welli“ keine Seltenheit.

Monotypische Papageiengattung

Die zoologische Einordnung des Wellensittichs bereitete den Wissenschaftlern Anfangs Probleme - dies wird auch an den zwei Namensgebungen durch Shaw deutlich, der den Wellensittich zunächst als Papageienart einstufte, in ihm später jedoch eine eigene Gattung innerhalb der großen Familie der Papageien erkannte. Melopsittacus undulatus gehört zur Ordnung der Papageien (Unterfamlie: Echte Papageien) und bildet in der Gattungsgruppe der Plattschweifsittiche eine eigene Untergruppe. Die Gattung der Wellensittiche ist monotypisch, das heißt, sie besteht nur aus einer Art.

Nicht-Vogelkundler halten Sittiche oft für eine eigenständige Vogelgruppe neben den Papageien auch. Tatsächlich aber sind Sittiche Papageien. Selbst Laien können sie Dank ihrer typischen Merkmale wie dem „Krummschnabel“ (Oberschnabel greift über den Unterschnabel) und der „Kletterfüße“ (zwei Zehen greifen nach vorn, zwei nach hinten) leicht von anderen Vögeln unterscheiden können. Der Begriff „Sittich“ wird in der Regel für Papageienarten verwandt, die besonders schlank sind und sich durch längere Schwung- und Schwanzfedern sowie als gute Flieger auszeichnen. Alle diese Kennzeichen treffen auch auf Melopsittacus undulatus zu, der deshalb zu Recht in Deutschland unter dem Populärnamen „Wellensittich“ bekannt ist. (vg)

Quelle: ZZA 5/2005 Seite 70