Besuchen Sie auch den ZZF!
SITEMAP | KONTAKT | IMPRESSUM
Netzwerk
Diese Seite drucken


ZZF-Website www.zzf.de

Beratung zur Heimtierhaltung

Die Website des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) www.zzf.de ist zu einem der wichtigsten Aushängeschilder des Verbandes geworden. Mit deutlich über 5.000 Internetseiten gehört sie inzwischen zu den umfangreichsten deutschen Portalen zum Thema Heimtierhaltung und Zoofachhandel: In 2004 haben die Besucher rund 1,3 Millionen Seiten abgerufen. Durchschnittlich sind das 3.520 Seitenanfragen pro Tag. Besonders beliebt sind die Rubriken „Beratung&Tips“ mit Fachartikeln zur Heimtierhaltung, die Online-Tierpraxis, der zza und die Mitgliederdatenbank, in der User nach den Adressen der ZZF-Mitglieder recherchieren können. zza fragte den tierärztlichen Berater der Online-Tierpraxis Dr. Rolf Spangenberg nach seinen Erfahrungen bei der Beratung von Heimtierhaltern.

Dr. Rolf Spangenberg hat seit Bestehen der Online-Tierpraxis über 10.000 Anfragen beantwortet.

zza: Wie viele Anfragen erhält die ZZF-Online-Tierpraxis? Wer sind die Fragenden und woher kommen sie?

Dr. Rolf Spangenberg: Im Jahr 2000 wurde die Online-Praxis auf Veranlassung des ZZF installiert, sie startete mit bescheidenen 92 Anfragen. Die Anzahl steigerte sich aber ständig: 2001 waren es 1.264, 2002 schon 2.062, 2003 dann 2.709 und 2004 stolze 2.969! Die Fragenden sind Tierhalter und Tierliebhaber, die Probleme mit ihren Lieblingen haben. Es geht um Haltung, Pflege, Krankheiten und Verhaltensprobleme. Über 80 Prozent der Mails kommen von Frauen.

Die meisten Fragen kommen aus Deutschland, zahlreiche aus Österreich und der Schweiz. Interessant sind die Mails aus entfernten Teilen der Welt - den USA, Südamerika, Afrika, einzelne aus Kasachstan, dem Jemen, Ägypten und Hawaii. Es handelt sich meistens um Deutsche, mit deren Haustieren die dortigen Kollegen nicht viel anzufangen wissen. So hatte beispielsweise der Tierarzt im Jemen noch nie ein Meerschweinchen gesehen, in Kasachstan werden keine Katzen behandelt und in Kairo löste eine Schildkröte in der Praxis nur Verwunderung aus.

zza: Weshalb wird dieser Service Ihrer Einschätzung nach so ausgiebig genutzt?

Dr. Rolf Spangenberg: Die Tierhalter wissen es offensichtlich zu schätzen, schnell einmal eine unabhängige Meinung kostenlos (!) einholen zu können.

zza: Welches sind die Hauptanliegen der Heimtierhalter? Gibt es Themen, die sich oft wiederholen?

Dr. Rolf Spangenberg: Bei Hunden wird immer wieder das Verhalten beanstandet: Beispielsweise bellt er und will nicht allein bleiben. Bei Katzen ist es die psychisch bedingte Unsauberkeit. Unter den vielen Krankheiten taucht die – letztlich unheilbare – Arthrose häufig auf.

zza: Über welche Fragen freuen Sie sich, gibt es auch welche, die Sie originell finden?

Dr. Rolf Spangenberg: Es macht immer Freude, wenn ich Fragen beruhigend beantworten kann. „Mein Hund ist pervers, er frißt Kot. Was soll ich tun?“ – „Das ist ein ungefährliches Verhalten meist junger Hunde“. Oder: „Meine Schlange hat plötzlich eine weißlich-stumpfe Haut! Ist das normal?“ –„ Das Tier wird sich häuten!“ - usw, usw! Originell fand ich die besorgte Anfrage einer Katzenhalterin, wie sie ihrem Liebling die schwere Zeit der Rolligkeit erleichtern könne. Ich wies auf einen strammen Kater hin, der das für sie besorgen würde... Eine Ratte hatte ganz dicke Kügelchen am Hinterteil – etwa Tumore? Nein, das waren nur die Hoden! Große Fische verputzen immer die kleinen, wie kann man ihnen das abgewöhnen? Kaum, Erziehungsmaßnahmen bei Fischen fruchten wenig!

zza: Was bereitet Ihnen Ärger?

Dr. Rolf Spangenberg: Ärgerlich ist, wenn ein Tier im Vorübergehen gekauft wurde und man keine Ahnung von dessen Lebensansprüchen hat! So hatte ein Großvater seinem Enkel einen Blauzungenskink geschenkt und bat mich: „Bitte alles über Haltung und Pflege!“ Unbefriedigend auch, wenn ich etwa aus der spärlichen Angabe „Mein Leguan ist nicht gut drauf!“ eine Diagnose basteln und Behandlungsvorschläge machen soll.

zza: Gibt es auch Beschwerden über Ihre Antworten?

Dr. Rolf Spangenberg: Sicherlich sind nicht alle Tierfreunde immer mit meinen Antworten zufrieden. Regelrechten Ärger, mit einigem Hin und Her, bekam ich bei mehr als 10.000 Beratungen aber nur viermal. Eine Tierfreundin wünschte Hinweise, wie man ihrer Katze etwas abgewöhnen könne. Die Antwort leitete ich mit dem scherzhaft gemeinten Satz ein „Warum haben Sie sich keinen Hund angeschafft!“ Das fand sie empörend! Ganz aufgeregt reagierte ein Mann, der gelesen hatte, daß ich bei einer Fischkrankheit den Zoofachhändler ins Spiel brachte. Diese Leute hätten keinerlei Ausbildung, ich solle nur Fachtierärzte empfehlen! Eine Tierfreundin war entsetzt, weil ich bei ihrer todkranken Katze die Einschläferung angeraten hatte: „Sie haben dieses Tier zum Tode verurteilt!“

zza: Was sagen Ihre Kollegen zu diesem Beratungsservice?

Dr. Rolf Spangenberg: Bisher bekam ich auf Fachtagungen nur positive Rückmeldungen, Tenor: „Sie gehen ja selbst mit unfähigen Kollegen sehr fair um!“ Nicht jeder wird mit mir zufrieden sein, doch damit kann ich ganz gut leben.

zza: Herr Dr. Spangenberg, vielen Dank für das Gespräch. (as)

Quelle: ZZA 5/2005 Seite 94