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Branchenbericht
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Ideenwettbewerb „Modernes Gehegedesign“

Mit „Freiflug“ auf das Siegertreppchen

Die Teilnehmer des an der Fachhochschule Hannover vom ZZF und der WZF GmbH ausgeschriebenen Ideenwettbewerbes „Modernes Gehegedesign“ haben ihre Entwürfe anlässlich der 3. DeZooFa in Wiesbaden dem interessierten Fachpublikum präsentiert. Alle Konzepte zeigen interessante Besonderheiten und bringen neue Impulse für die Entwicklung neuer Gehege.

Vogelheim „Freiflug“ – aus dem Käfig wird ein Freisitz

Ilka Cramer erreichte mit ihrem Entwurf „Freiflug“ einen ehrenvollen zweiten Platz bei der Prämierung der unterschiedlichen Konzepte. Sie studiert im 5. Semester Industriedesign an der Fachhochschule Hannover und konnte die Jury besonders in den Bereichen „Innovation“ und „Reinigung“ überzeugen.

Für Ilka Cramer war die Auseinandersetzung mit Kleintiergehegen ein ganz neues Gebiet. „Das Projekt hat sich nicht nur auf das Design konzentriert, sondern vor allem auch auf die Nutzer. Ich konnte lernen, daß nur durch die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Betroffenen effektives Design entsteht. Mir war es sehr wichtig, die Gefangenschaft der Tiere irgendwie aufzulösen und ein Gehege zu schaffen, das sowohl für das Tier als auch für den Tierhalter Verbesserungen und Innovationen bringt.“

Ilka Cramer

Nach eingehender Recherche legte sich Ilka Cramer auf die Thematik Wellensittichheim fest, da diese Vögel seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Heimtieren gehören. „Kinder und Erwachsene lieben sie. Jedoch sind 70 Prozent der Käufer ältere Menschen“, berichtet Ilka Cramer aus ihren Nachforschungen. „Bei einigen Alltagsanwendungen werden ältere Menschen nicht berücksichtigt. Viele Dinge sind schlecht zu sehen, zu greifen oder zu verstehen. Genau bei diesem Problem möchte ich anknüpfen. Ich wollte nicht nur ein Vogelgehege entwerfen das tiergerecht ist, sondern auch ein „altenfreundliches“. Denn für viele ältere Menschen ist gerade das Handling ein Hindernisgrund sich einen Wellensittich anzuschaffen – und was für diese Zielgruppe Barrierefreiheit bedeutet, ist für jüngere Menschen Komfort.

Auf den ersten Blick erkennt man in der Form von „Freiflug“ keinen wesentlichen Unterschied zu den herkömmlichen Wellensittichgehegen. Doch der Name kommt nicht von irgendwoher: Die eine Seite des Geheges läßt sich ganz einfach nach oben aufklappen, sodaß aus einem geschlossenen Raum ein prismaförmiger Freisitz entsteht. „Mit Hilfe meiner Idee möchte ich viel mehr Menschen dazu animieren, ihren Wellensittich öfters mal fliegen zu lassen“, sagt Ilka Cramer. „Der Vogel soll mehr Freiheit bekommen und dieses Gehege lädt förmlich dazu ein.“

Eine weitere Besonderheit von „Freiflug“ ist das Verschwinden aller Klippfunktionen. Die Käfigtür läßt sich durch Verschieben öffnen. Mit einem starken Magnetstreifen bleibt sie verschlossen. Dasselbe Prinzip hält auch die hochklappbare Ecke an ihrem Platz.


Gitterstäbe und das Grundgestell bestehen aus einem rostfreien Material.

Die Form des Vogelheims wandelt sich durch einfaches Aufklappen.

Quadratische Fenster lösen die Gitterstruktur auf.

Die Unterschale des neuartigen Geheges ist über eine Führungsschiene leicht einzuschieben, integrierte Griffe helfen beim Herausziehen. Die Seiten sind leicht angeschrägt, damit man das Gehege besser anheben kann. Überdies wird die horizontal verlaufende Gitterstruktur durch ein quadratisches Glasfenster aufgelöst. Es gewährt dem Betrachter einen unverstellten Blick auf seinen Liebling und ist zur besseren Reinigung über ein Schiebesystem leicht zu entnehmen. Zudem kann der Vogelhalter die Scheiben individuell gestalten oder durch andere farbige Platten aus Holz, Gitter, Stein und Kunststoff austauschen.

Ilka Cramer hat sich vorgenommen, das vielleicht typische Bild von einer geschlossenen Käfigzelle zu verändern, und sowohl den Bewohnern als auch den Nutzern dieses Geheges größtmöglichen Komfort zur verschaffen. Dies hat sie bei „Freiflug“ nicht nur durch die ungewöhnliche Gehegeform erfolgreich umgesetzt. (ah)

Quelle: ZZA 8/2005 Seite 34