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Es müssen nicht immer Fische sein

Die Faszination der Wirbellosen

Garnelen und Krebse sind interessant zu pflegende Tiere, die in der Aquaristik zwar eine vergleichsweise kleine, aber stetig wachsende Fangemeinde haben. Manche Arten lassen sich auch in Gesellschaft mit Fischen halten. Für eine kompetente Aquaristikabteilung stellen die Wirbellosen eine besondere Attraktion dar, die den Kundenkreis erweitert.

Fächergarnele Atya gabonensis (Foto: Chris Lukhaup)

Caridina sp. „Crystal Red“, die Kristallrote Zwerggarnele, ist eine Mutation, die in einer japanischen Garnelenzucht 1996 erstmals auftauchte und sich heute großer Beliebtheit und Verbreitung erfreut. Ihr Aussehen - bestimmt durch kräftige rote Steifen - kann bis zur vollständigen Rotfärbung reichen. Durch carotinoides Farbfutter läßt sich die Farbe verstärken. Bei entsprechenden Wasser- und Temperaturverhältnissen vermehrt sich Crystal Red relativ problemlos. Die Weibchen legen alle zwei bis drei Monate bis zu 30 Eier, die sie bis zum Schlupf der gut einen Millimeter kleinen Jungtiere zwischen den Schwimmbeinen tragen.

Wie alle Garnelen, so reagiert auch Crystal Red sehr empfindlich auf giftige Inhaltstoffe im Wasser, vor allem auf Kupfer. Selbst geringe, für Fische noch zuträgliche Mengen sind abträglich. Das verwendete Leitungswasser sollte nicht aus Kupfer- oder Bleirohren stammen. Wegen möglicherweise anhaftenden Spuren von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln ist es empfehlenswert, auch die Pflanzen vor dem Einsetzen einige Tage in Wasser zu neutralisieren.

Procambarus clarkii, der Rote amerikanische Sumpfkrebs (Foto: Chris Lukhaup)

Für Crystal Red werden Wassertemperaturen zwischen 22 und 25°C als zuträglich beschrieben; wärmer sollte das Wasser keinesfalls sein, eher kälter. Ein zeitweiliges Absenken der Temperaturen wird für alle Garnelenarten aus gemäßigten Klimazonen empfohlen.

Gern gefressen werden trockene Herbstblätter von Eichen und Buchen; sie helfen gegen Häutungsprobleme und sollten in keinem Garnelen-Aquarium fehlen.

Garnelen leben in Gruppen und zeigen sich dann am häufigsten, wenn sie im Aquarium weitgehend ungestört sind. Die Vergesellschaftung mit friedlichen Fischen und Flußkrebsen ist möglich. Das gilt auch für Atya gabonensis, die beeindruckende Gabun-Riesenfächergarnele, die aus Westafrika und dem nordöstlichen Südamerika stammt. Die Weibchen werden rund 14 cm groß.

In Gesellschaft mit Flußkrebsen

Zwerggarnelen und viele Flußkrebsarten lassen sich problemlos zusammen halten. Wie die Garnelen, so brauchen auch Cambarus rusticiformis, Cherax sp. Irian Jaya Hoa Creek, Procambarus clarkii und andere der kleinen Flußkrebse Eichen- und Buchenlaub für die Ernährung und Häutung. Auch die Ansprüche an die Wasserqualität und -temperatur sind vergleichbar. Alle Arten sind in der Regel friedlich gegenüber Zwerggarnelen. Im 100-Liter-Becken fühlen sich zwei Krebse und eine Gruppe Zwerggarnelen wohl.

Caridina sp. „Crystal Red“, die Kristallrote Zwerggarnele (Foto: Chris Lukhaup)

Gambarus rusticiformis stammt aus den USA, sein Hauptmerkmal sind die blauen Beine. Der attraktiv gefärbte Flußkrebs wird bis zu 10 cm groß und braucht zur Vermehrung eine Kältephase bis unter 17°C. Der in Deutschland als Blau-Rosa Krebs bekannte Cherax sp. Irian Jaya Hoa Creek wird bis zu 12 cm groß (Männchen: 10 cm), ernährt sich von Eichen- und Buchenblättern, gilt als friedlich gegenüber Fischen und lebt eher versteckt. Für die Aquariumsgestaltung sind deshalb viele Versteckmöglichkeiten einzuplanen.

Tigergarnele (Foto: Chris Lukhaup)

In der blauen (reinerbigen) Farbform ist der Florida-Krebs Procambarus alleni ein besonderes Prachtstück, auch wenn er mit 7 bis 8 cm (Männchen) und 9 bis 10 cm (Weibchen) recht klein ist. Neben Trocken- und Frostfutter fressen diese Krebse gern Pflanzen - unter Umständen vernichten sie den gesamten Pflanzenbestand. Männchen untereinander sind unverträglich, die Jungtiere Kannibalen. Fischen und Garnelen stellen sie jedoch nicht aktiv nach. Procambarus clarkii, der Rote amerikanische Sumpfkrebs, stammt ursprünglich aus dem US-Bundesstaat Louisiana, ist aber seit 1973 auch in Spanien und Frankreich heimisch. Rund 12 cm groß, ist dieser farbenfrohe Krebs an Temperaturen zwischen 3 und 30°C angepaßt. Er ist ein wahrer Überlebenskünstler, der selbst Trockenheit durch Eingraben übersteht. Für die Haltung im Aquarium (das ausbruchsicher gestaltet sein muß) ist er auch wegen seines neugierigen und nach Eingewöhnung zutraulichen, tagaktiven Verhaltens interessant. Er vermehrt sich rasch, allerdings sind die Jungtiere wie beim Florida-Krebs Kannibalen. Zu berücksichtigen ist, daß der Sumpfkrebs (wie viele andere Krebsarten) Überträger der Krebspest ist. (vg/Chris Lukhaup)


Cambarus rusticiformis (Foto: Chris Lukhaup)

Cherax sp. Irian Jaya Hoa Creek, der Blau-Rosa Krebs (Foto: Chris Lukhaup)

Quelle: ZZA 10/2005 Seite 16