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Illegale Hundeimporte Wenn Mitleid, Unwissenheit, Schnäppchenjagd und Geschäftstüchtigkeit zusammen treffen
Wie Hundeelend durch falsch verstandene Tierliebe geradezu produziert wird, zeigen zwei aktuelle Fälle von illegalen Hundeimporten, die derzeit die Staatsanwaltschaften in Bayern und Hessen beschäftigen. In einen Fall sind ausgerechnet deutsche Tierheime verwickelt. Dabei sind die entdeckten Transporte vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.
 | | Nicht ausgeschlossen, daß sich hinter einer solchen Anzeige ein Hundehändler verbirgt, der Welpen illegal importiert. |
Auf dem Gelände der Tierhilfe Seeheim beschlagnahmten Mitarbeiter des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz Darmstadt-Dieburg im Mai dieses Jahres 35 Hunde mit in Ungarn ausgestellten Impfpässen. Wie sich nach Blutuntersuchungen an den Tieren herausstellte, waren die meisten der Impfpässe gefälscht; eine Tollwutimpfung ließ sich nur bei sieben der Tiere feststellen. Einige Hunde waren mit dem Staupe-Virus infiziert; mehrere starben oder mußten eingeschläfert werden. Offenbar kein Einzelfall. Einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ zufolge geht das Amt davon aus, daß „Tierschutzorganisationen und private Tierschützer in großem Umfang insbesondere Hunde aus südländischen und osteuropäischen Ländern illegal nach Deutschland bringen“. Hier würden sie den Tierheimen angeboten, die sie nach ärztlicher Behandlung und Impfung für 250 bis 350 Euro an Tierliebhaber vermittelten.
Verstöße gegen Impfvorschriften - mit allen Folgen für die Tiere und all jene, die sie even-tuell anstecken können - sind der strafrechtlich relevante Aspekt, ein anderer ist die Umkehrung der eigentlichen Aufgabe der Tierheime. Ob staatlich oder von privaten Trägern unterstützt, sollen sie eine Auffangstation für heimatlose oder enteignete Tiere ihres Einzugsgebiets sein. Es ist Betrug an ihren Förderern, wenn die Zwingerbelegung durch importierte Hunde hoch gehalten wird. Das hessische Umweltministerium will bei der Bund-Länder-Konferenz über dieses Thema informieren und eine konsequente Überprüfung der Tierheime initiieren.
Nachfrage schafft Angebot
Ungarn scheint ein Hauptumschlagsplatz für Hunde zu sein, die aus allen möglichen Ländern stammen. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Straßenhunde. Im fränkischen Kitzingen fiel der mobilen Zollkontrolle kürzlich ein ungarischer Kleintransporter auf, der als Schmuggelgut nicht etwa - wie ursprünglich vermutet - Zigaretten, sondern 89 Welpen der verschiedensten Rassen im Alter zwischen fünf und acht Wochen mit sich führte. Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin macht eine rapide ansteigende Zahl von Welpen unter den illegalen Transporten aus, die häufig über Kleinanzeigen als „aus Hobbyzucht“ auf den Markt gebracht würden. Viele dieser Tiere werden vermutlich gezielt für die westeuropäischen Märkte „produziert“. Aus Rumänien etwa sind Massenzuchtstätten bekannt, wo trächtige und säugende Hündinnen und Welpen unter oft katastrophalen Umständen ihr Dasein fristen.
Für Madeleine Martin ist es das Mitleid deutscher Tierfreunde, das dieses Angebot und damit das Hundeelend - wenn auch ungewollt - erst schafft. Dies trifft sowohl für die „produzierten“ Welpen zu wie für die bedauernswerten Straßenhunde: So lange Tierschützer in den westeuropäischen Ländern alle Hebel in Bewegung setzen, diese Tiere außer Landes schaffen zu lassen, anstatt auf die Hilfe vor Ort zu setzen, so lange wird es ein Angebot geben. Martin setzt daher auf Information, damit Tierfreunde erkennen, welche inakzeptablen Auswirkungen ihr Mitleid hat.
Beim Verkauf von ausländischen Welpen spielen aber auch andere Faktoren als Mitleid eine gewichtige Rolle: Unwissenheit darüber, wie man einen seriösen Züchter von einem Hundehändler unterscheiden kann, und: Geiz. Wer sich nur ein bißchen informiert muß stutzig werden, wenn Rassehundwelpen „mit Papieren“ weit unter Marktwert angeboten werden. Hier scheint die Befriedigung darüber, beim Hundekauf ein „Schnäppchen“ machen zu können, den gesunden Menschenverstand außer Kraft zu setzen. Das vorgebliche „Schnäppchen“ entpuppt sich meist als Kostenfalle: Die Tiere sind häufig entweder bereits schwer krank oder sie werden es mangels angemessener Aufzuchtbedingungen und ausreichender Immunisierung. Nicht selten landen solche „preiswerten“ Hunde dann …im Tierheim. (vg)
Quelle: ZZA 10/2005 Seite 66 |