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TierNatur
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Meerschweinchen richtig ernähren

Viele kleine ballaststoff- und vitaminreiche Portionen

Verdauungsstörungen aufgrund von Fehlernährung gehören zu den häufigsten Krankheiten, mit denen Meerschweinchen bei Tierärzten vorstellig werden. Aufklärung der Halter tut also Not. Informationen über die richtige Ernährung, aber ebenso ein auf die artgerechten Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot sind Aufgaben des kompetenten Zoofachhandels.

Hauptbestandteil der Nahrung von Wildmeerschweinchen, den Verwandten unserer Hausmeerschweinchen, ist das Andengras. Es ist reich an Ballaststoffen und Vitaminen. Blätter, Kräuter, Zweige, Samen, Früchte und Blüten ergänzen den insgesamt nährstoffarmen Speiseplan der wildlebenden Meerschweinchen. Während ihrer Aktivphasen sind sie praktisch ununterbrochen auf Nahrungssuche, verzehren dabei große Mengen, verteilt auf viele Portionen. Die Zahl von 60 und mehr Mahlzeiten, die ein Wildmeerschweinchen pro Tag zu sich nimmt, verweist auf Bedürfnisse, die auch ein Hausmeerschweinchen gesund und fit halten: Viel Bewegung in Verbindung mit ebenso viel frischem, ballaststoff- und vitaminreichen Futter.

Vor allem die folgenden Besonderheiten sind bei der Ernährung von Meerschweinchen zu beachten: der Bedarf an Vitamin C, die Notwendigkeit des Zahnabriebs, die Erfordernisse des Stopfdarms sowie eine generelle Empfindlichkeit gegenüber Futterumstellungen. Um diese komplexen Bedürfnisse zu erfüllen, darf auch bei einer Ernährung mit Fertigfuttermischungen frisches Heu niemals fehlen.

Contra Fertigfutter

An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass viele Meerschweinchen-Experten die Ernährung mit handelsüblichen Fertigfuttermischungen nicht nur als Alleinfutter, sondern auch in Ergänzung zum Hauptfutter Heu ablehnen. In der Kritik stehen vor allem Zusatzstoffe wie Getreide, Nüsse und fetthaltige Samen, Honig, Melasse, Zucker, Milch, Eier, tierisches Eiweiß und tierische Nebenerzeugnisse. Sie gehören unzweifelhaft nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum der Tiere. Zu den mittel- bis langfristig schädlichen Nebenwirkungen solcher Futterbestandteile gehören Fehlgärungen, Blähungen, Veränderung der Darmflora, Durchfall, mangelnder Zahnabrieb, Überversorgung mit Stärke, Übergewicht und Fettleber.

Tatsächlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass Futtersorten auf dem Markt sind, deren Zusammensetzung wenig artgerecht ist. Hier sind zum einen die Hersteller gefordert, wirklich nur artgerechte Inhaltsstoffe in ausgewogenen Anteilen zu verwenden. Zum anderen ist es Aufgabe des Zoofachhandels, bei der Zusammenstellung seines Sortiments auf Unbedenklichkeit zu achten.

Pro Fertigfutter

Gleichwohl gibt es gute Gründe für ausgewogen zusammengesetzte Fertignahrungen. Letztlich stellt es nämliche viele Halter vor erhebliche Probleme, ihre Meerschweinchen ausschließlich mit Heu und Frischfutter wirklich artgerecht zu ernähren. Der Aufwand ist relativ hoch, Kenntnisse über die Mineralstoff- und Vitamin-gehalte erforderlich und auch das Wissen um schädliche Nebenwirkungen vieler Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter. Hinzu kommt das Problem der selektiven Futterwahl, das sich bei allen domestizierten Tieren zeigt: Im ungünstigsten Fall picken sie sich das für sie Ungesündeste heraus.

Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten Kleinsäugern, über deren artgerechte Ernährung ist jedoch zu wenig bekannt. (Fotos: HTP)

Qualitativ hochwertiges Fertigfutter, das sich an den physiologischen Bedürfnissen der Meerschweinchen orientiert (siehe unten) und gleichzeitig das Problem der selektiven Futterwahl löst, ist deshalb nicht nur aus Convenience-Gründen für viele Halter eine sicherere Wahl.

Vitamin C ist lebenswichtig

Wie der Mensch, so können Meerschweinchen kein körpereigenes Vitamin C bilden. Sie müssen es also über die Nahrung aufnehmen. Heu enthält auch getrocknet noch viele Mineralien und Vitamine (darunter Vitamin C). Es wird ergänzt durch frische oder getrocknete Kräuter, Blätter und Blüten, die täglich in kleinen Mengen gereicht werden. Das gleiche gilt für Obst (wegen des Zuckergehalts in kleinen Mengen) und ausgewählte Gemüsesorten (kein Kohl).

Zahnabrieb muss sein

Meerschweinchenzähne wachsen zeitlebens und müssen ständig abgerieben werden. Mangelnder Zahnabrieb führt zu Fehlstellungen und Zahnerkrankungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren bis unmöglich machen können. Das Zermahlen von frischem Gras oder Heu sorgt für gleichmäßigen Abrieb der Backenzähne. Ebenso wichtig sind frische Zweige, zum Beispiel von Obst- und Nussbäumen. Das Nagen an ihnen fördert den Abrieb der Schneidezähne.

Den Stopfdarm permanent „bedienen“

Meerschweinchen können nur verdauen, wenn sie fressen. Fastenzeiten sind für sie lebensbedrohlich. Ihr Magen ist dünnwandig mit entsprechend wenig Muskulatur, der lange Darm weist keine Peristaltik auf. Um zu verdauen, müssen die Tiere über ihre Aktivphase verteilt immer wieder fressen und dabei viel Rohfaser aufnehmen. Wird zu wenig Heu (bzw. entsprechende Rohfaserpellets oder -stangen) aufgenommen, verlangsamt sich die Verdauung und es kommt zu ernsthaften Verdauungsstörungen. In zu reichlichen Mengen gegebenes Obst und Gemüse quillt stark auf, belastet die Magenwände und führt zu Blähungen.

Futterumstellungen nur schrittweise

Meerschweinchen neigen bei Futterumstellungen zu Verdauungsproblemen. Ihr Verdauungssystem kann sich nicht flexibel umstellen. Fehlgärungen, Blähungen und Durchfall können die Folge sein. Futterumstellungen dürfen deshalb immer nur langsam vorgenommen werden: kleine Mengen des neuen Futters unter die gewohnte Kost mischen und den Anteil täglich langsam steigern. Dies gilt sowohl bei der Umstellung von einem Fertigfutter auf ein anderes mit veränderter Zusammensetzung, bei Umstellungen von Fertigfutter auf Frischkost und umgekehrt.

Vorsicht bei Snacks

Was für das Hauptfutter gilt, trifft erst recht auf Snacks zu: Gesünder ist besser. Die vielfach empfohlene Karotten- und Obststücke können im Übermaß ebenso schädlich sein wie fertige Mischungen beispielsweise aus Getreide und Honig. Die bei den Haltern - vor allem Kindern - so beliebten Leckerlies sollten artgerecht sein und wohldosiert gereicht werden, um Verdauungsstörungen zu vermeiden und den Appetit auf das gesunde Futter nicht zu verderben. Letztlich ist es das Wissen, die Einsicht und die Konsequenz des Halters, die über das Wohl der Tiere entscheiden, doch Industrie und Handel können und sollten ihren Beitrag leisten, das Verhalten der Halter positiv zu beeinflussen. (vg)

Quelle: ZZA 2/2006 Seite 34