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Für die Medien sind nur positiv getestete Fälle interessant

Vogelgrippe – die mediale Panikmache

Die Vogelgrippe ist ohne jeden Zweifel ein ernst zu nehmendes Thema. Panikmache in der Öffentlichkeit und die offensichtlich bewusste Erzeugung eines völlig unzutreffenden Bildes von der Gesamtlage sind aber ganz sicher nicht hilfreich, wenn es darum geht, die nach wie vor existierenden Rätsel um dieses Phänomen zu lösen und dann hoffentlich nachhaltige Konzepte zum Schutz von Mensch und Tier zu erarbeiten und umzusetzen.

Das Vogelgrippevirus H5N1 hat die Bundesrepublik Deutschland erreicht. Das ist in diesem Zusammenhang die einzige feststehende Tatsache. Es ist nicht bekannt, wie das Virus nach Rügen und in andere Regionen der Bundesrepublik gelangt ist. Es ist nicht einmal sicher, ob die positiv getesteten Vögel aufgrund der H5N1-Infektion verendet sind. Selbst auf Rügen gab es im Vergleich zu den Vorjahren kein überdurchschnittliches Vogelsterben. Vor allem: Das Virus ist nur bei einem relativ kleinen Teil der tot aufgefundenen Vögel nachgewiesen worden. Den von den Medien erweckten Eindruck, alle toten Vögel seien aufgrund einer Infektion mit H5N1 verendet, haben die Untersuchungen nicht bestätigt.

Schon vor den Nachweisen auf Rügen ist bundesweit ein Monitoring der Wildvögel, insbesondere der freilebenden Entenvögel angelaufen. Viele tausend Kotproben und eine größere Zahl von erlegten Enten sind untersucht worden. H5N1 konnte nie gefunden werden. Das Monitoring wird auch weiterhin fortgesetzt. Bislang ausnahmslos mit negativen Ergebnissen. Seit den Nachweisen auf Rügen werden die Untersuchungslabors in den einzelnen Bundesländern mit tot aufgefundenen Vögeln aller Art und mit toten Katzen, Steinmardern und Füchsen geradezu „zugeschüttet“. Von Januar bis Ende März 2006 sind laut Auskunft des zuständigen Landesministeriums allein in Hessen ca. 2.400 Tierkadaver (davon allein im März bis einschließlich 23.03. mehr als 1.700) untersucht worden. H5N1 ist kein einziges Mal gefunden worden. Ähnlich sieht es in den übrigen Bundesländern aus. In den betroffenen Bundesländern machen die H5N1-Fälle lediglich einen verschwindend geringen Anteil der insgesamt untersuchten Tierkadaver aus.

Es gibt also trotz des nachgewiesenen Vorkommens der hochpathogenen Form von H5N1 ganz offensichtlich kein dadurch verursachtes Massensterben bei freilebenden Vögeln. Das spricht für ein äußerst geringes Infektionsrisiko aufgrund noch nicht bekannter Umstände. Leider berichten die Medien immer nur über die positiv getesteten Befunde. Dadurch entsteht zum einen der unzutreffende Eindruck, das Virus verbreite sich zwar langsam aber unaufhörlich immer weiter. Die Behörden arbeiten mit Hochdruck und haben nach eigenen Angaben die Medien immer auch über die negativ getesteten Befunde informiert. Jedes negative Ergebnis einer H5N1-Untersuchung ist ja letztlich eine gute Nachricht. Nur daran scheinen die Medien nicht interessiert zu sein, selbst dann nicht, wenn diese guten Nachrichten über negative Untersuchungsergebnisse im Verhältnis von 1 : 1000 überwiegen. (Jörg Turk)

Quelle: ZZA 4/2006 Seite 6