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TierNatur
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Goldhamster (Mesocricetus ausratus)

Einzelgänger mit großem Laufbedürfnis

Er gehört zu den beliebtesten, aber auch zu den am meisten missverstandenen Heimtieren. Als dämmerungs- und nachtaktiver Einzelgänger ist er sich selbst genug, vom Streicheln hält er nicht viel. Seine geringe Größe und das niedliche Aussehen lassen ihn als idealen Spielgefährten für Kinder erscheinen - doch gerade das ist er nicht. Der Goldhamster eignet sich am besten für Menschen, die sich an seiner Beobachtung erfreuen und ihm gerne immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Wenn er nicht gerade schläft, ist er pausenlos beschäftigt: putzen, rennen, graben, hamstern, klettern, nagen, schnüffeln - der Goldhamster ist ein quirliges Tier mit großem Bewegungsdrang. In seinem natürlichen Lebensraum, der Hochebene von Aleppo in Nord-Syrien, legen die Tiere auf der Futtersuche nächtlich mehrere Kilometer zurück. Daraus erklärt sich die hohe Aktivität auch des als Heimtier gezüchteten und gehaltenen Goldhamsters. Er braucht also ein Gehege mit ausreichend Platz und vielen, möglichst abwechselnden Beschäftigungsmöglichkeiten. Ein weit verbreitetes Missverständnis betrifft seine Ernährung: Der kleine Nager ist kein reiner Vegetarier. Tierisches Eiweiß sollte deshalb unbedingt auf seinem Speiseplan stehen.

Der Goldhamster ist ein absoluter Einzelgänger mit einer ausgeprägten, eigenwilligen Persönlichkeit. Trotz ihrer Domestikation zum Heimtier sind sie in ihrem Wesen Wildtiere geblieben. Zwischen den einzelnen Tieren gibt es große individuelle Unterschiede, so werden einige dem Menschen gegenüber zahmer als andere. Als Streicheltiere sind sie absolut ungeeignet und ein sich gestört fühlender oder in die Enge getriebener Goldhamster kann schmerzhaft beißen. Als Heimtier für kleine Kinder ist ein Goldhamster nicht zu empfehlen, da er tagsüber kaum zu sehen ist, die Störung seines Schlafs Stress für ihn bedeutet und er sich weder gerne ausgiebig kraulen noch viel herumtragen lässt. Zudem fehlt kleinen Kindern in der Regel die motorische Feinfühligkeit, die im Umgang mit den Tieren angebracht ist. Umso mehr Freude bereitet die Beobachtung des munteren Nagers.

Kurze, steile Karriere

Die Geschichte des Goldhamsters als Heimtier ist noch recht jung. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Mesocricetus auratus 1839 von dem britischen Zoologen George Robert Waterhouse. Doch erst 1930 grub der Zoologe Israel Aharoni bei einer Expedition ein Hamsternest mit Muttertier und Jungen aus, die er an die Universität von Jerusalem brachte. Mit den überlebenden Tieren begann die Zucht: Im Wesentlichen stammen alle heute gehaltenen Goldhamster von diesen Tieren ab. In den 30er Jahren gelangten Nachkommen nach England und in die USA; nach dem zweiten Weltkrieg auch nach Deutschland. Schnell eroberte der niedliche Nager mit den großen Knopfaugen und dem putzigen Verhalten die heimischen Wohn- und Kinderzimmer.

Goldhamster gehören zur Gattung der Mittelhamster. Sie werden ca. 15 bis 18 cm groß und wiegen bis zu ca. 130 Gramm. Die Wildfarbe gab ihnen den Namen: Die Oberseite des Fells ist goldbraun mit zwei dunkleren Flecken im Brustbereich, der Bauch ist grauweiß. Zuchtformen gibt es in vielen verschiedenen Farben und Haarlängen.

Systematik:
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
Gattung: Mittelhamster (Mesocricetus)
Art: Goldhamster (Mesocricetus auratus)

Bedrohter Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Goldhamsters beschränkt sich auf die Hochebene von Aleppo in Nord-Syrien. Freilandbeobachtungen zufolge legt der Goldhamster inmitten der bewirtschafteten Felder unterirdische Gänge an und lebt von den Ackerfrüchten, aber auch von Blüten, Kräutern, Sämereien sowie Insekten, Würmern und anderen Kleintieren. Da er von den Einheimischen als Schädling verfolgt und sein Lebensraum durch Besiedelung immer kleiner wird, gilt der wilde Goldhamster heute als bedrohte Art.

Das Nahrungsangebot ist außerhalb der Erntezeit nicht besonders üppig, deshalb legen die Tiere bei der Nahrungssuche große Entfernungen zurück und beanspruchen verhältnismäßig große Reviere, die sie gegen eindringende Artgenossen wehrhaft verteidigen. Wildlebende Goldhamster kommen nur während der Paarungszeit zusammen. Der Nachwuchs wird bei Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von ca. drei Wochen von der Mutter vertrieben.

Das Klima ist von heißen Sommertagen, kühlen Nächten und sehr kalten Wintern geprägt. Diesen Bedingungen hat sich der Goldhamster angepasst. Im Sommer verschläft er den heißen Tag in seinem unterirdischen Bau in einer Tiefe bis zu einem Meter, wo es auch an heißen Tagen angenehm kühl bleibt. Hamsterbauten bestehen aus mehreren Kammern: eine oder mehrere Vorratskammern, Schlaf- und Nistkammer, Toilettenkammer. Während der wärmeren Jahreszeit ist der Hamster Nacht für Nacht unterwegs, um neben seiner Nahrung Vorräte für den Winter zu sammeln.

Sobald es kalt wird, ziehen sich Goldhamster in ihren Bau zurück. Während des Winters werden Körpertemperatur und -funktionen auf ein Minimum abgesenkt. Die Tiere schlafen nicht den ganzen Winter über, sondern wachen immer wieder auf und fressen von ihren Vorräten.

Unterbringung als Heimtier

Goldhamster sind pflegeleicht und auch für Anfänger geeignet. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit es nicht zu stereotypen Verhaltensweisen wie ständiges Rennen im Laufrad, sinnloses Scharren oder Gitternagen kommt. In zu kleinen Gehegen leiden die Tiere an Langeweile, ihr großes Bedürfnis nach Aktivität muss gestillt werden.

Ein Goldhamsterheim (Käfig oder Terrarium) muss so groß bemessen sein, dass sich neben einem Schlafhäuschen ein Vorratshäuschen, ein Futternapf, eine Trinkmöglichkeit, Klettergeräte und ein verletzungssicheres Laufrad hineinpassen. Die Mindestmaße betragen L60 x B50 x H 40 cm, größer ist allemal besser. Bewährt haben sich Hamsterheime mit mehreren Etagen oder auch Verbundsysteme aus mehreren Gehegen, die unterschiedlich eingerichtet sein können. Bei Gitterkäfigen sollen die Gitter quer verlaufen und der Abstand zwischen den Gittern darf nicht mehr als 10 mm betragen. Bei Terrarien muss ein ausreichender Luftaustausch gewährleistet sein, ohne dass es zu Zugluft kommt.

Nach Angaben der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) soll die Einstreu (Späne, Heu und Stroh) mindestens 15 cm hoch sein. Auf möglichst staubfreie Materialien ist zu achten. Vollverdauliche Hamsterwatte oder Heu als Nistbaumaterial gehört zur Grundausstattung. Eine möglichst weit von den Schlaf- und Vorratshäuschen entfernt aufgestellte Hamstertoilette erleichtert die Reinigung und kommt dem Hygienebedürfnis des Hamsters entgegen. Eine Schale mit Chinchillasand erleichtert den Tieren die Fellpflege. Hamsterheime sollen an einem ruhigen Ort, möglichst an einer Wand, aufgestellt werden. Bodenkälte, Zugluft, starke Sonneneinstrahlung, Hitze durch Heizkörper, sehr hohe Luftfeuchtigkeit (auch Kochdämpfe), laute Musik oder Zigarettenrauch sind zu vermeiden. Ein erhöht stehender Käfig sorgt dafür, dass sich der Goldhamster nicht ständig durch „Gefahr von oben“ erschreckt. Die Temperatur sollte nicht unter 18 liegen.

Artgerechte und abwechslungsreiche Beschäftigung

Wie eingangs erwähnt, sind Goldhamster sehr aktiv. Tiere, denen viele artgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden, sind gesünder, leben länger und verfallen nicht in die sogenannten stereotypen Verhaltensweisen. Aus natürlichen Materialien lässt sich ein „Parcours“ anlegen, der zum Klettern, Laufen, Verstecken etc. einlädt. Ein Laufrad gilt als „Muss“, soll aber unbedingt verletzungssicher sein. Hamsterkugeln sind ebenso ungeeignet wie Laufräder aus Speichen. Gegenstände aus Plastik sind generell wegen des Nagebedürfnisses der Tiere gefährlich.

Von Röhrensystemen ist dann abzuraten, wenn darin keine ausreichende Belüftung gewährleistet ist oder sie zu eng sind, als dass der Hamster mit vollgestopften Backentaschen durchlaufen könnte. Lange durchsichtige Röhren bieten den Tieren keine Rückzugsmöglichkeiten. Besser ist es daher, kurze Röhren zu verwenden und durchsichtige mit undurchsichtigen abzuwechseln.

Gesunde Ernährung

Ihrem natürlichen Ernährungsspektrum entsprechend brauchen Goldhamster abwechslungsreiches Futter. Die Grundlage bilden spezielle (nicht zu fetthaltige) Futtermischungen für Hamster, die ergänzt werden durch Obst, Gemüse und Kräuter. Zur artgerechten Ernährung gehört ebenso tierisches Eiweiß in Form von Hundetrockenfutter (gleichzeitig gut zum Abrieb der Zähne), Mehlwürmern oder Grillen, aber auch hartgekochten Eiern und ungesüßten Milchprodukten.

Als Nagetiere brauchen Goldhamster zur Abnutzung ihrer Zähne außerdem Heu, Zweige von ungespritzten Bäumen bzw. Nagerhölzer. Gute Dienste leisten auch ungeschälte Nüsse. Frisches Trinkwasser muss ständig angeboten werden.

Stress, verdorbenes Futter oder ein zu rascher Futterwechsel können Durchfall bis hin zu Darmentzündungen auslösen. Die Vorratskammern sollten deshalb täglich auf verdorbenes Futter kontrolliert werden. Zu den Stressauslösern zählt die Störung des Schlafs ebenso wie ein zu häufiges Herausnehmen der Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung. Auch Lärm, zu wenig Rückzugsmöglichkeiten und vermeintliche Angriffe insbesondere durch die Hand von oben sind Stressfaktoren.

Fortpflanzung

Hamster gehören zu den Säugetieren mit der höchsten Fortpflanzungsrate. Weibchen können ab der 6. Lebenswoche trächtig werden. Zur Zucht sollen sie allerdings erst eingesetzt werden, wenn sie mit drei Monaten ausgewachsen sind. Nach 16 Tagen wirft das Weibchen zwischen zwei und 15 Junge, die vier Wochen bei der Mutter bleiben können. Bis zu diesem Alter vertragen sich die Jungtiere untereinander recht gut und spielen miteinander. Ab Beginn der Geschlechtsreife ist es mit diesem guten Einvernehmen vorbei, dann brauchen sowohl die Mutter wie die Jungtiere ihr eigenes Revier. (vg)

Quelle: ZZA 4/2006 Seite 46