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Tierärzte geben Tipps Katzenhaltung in Zeiten der Vogelgrippe
Allem Anschein nach verbreitet sich das H5N1-Virus weniger durch Zugvögel als vielmehr durch den Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten. Auch das Futter für Nutzgeflügel steht in Verdacht. Das Thema wird uns deshalb noch länger - und möglicherweise auch in bisher nicht betroffenen Regionen - beschäftigen. Hausarrest bedeutet für Freigänger-Katzen Stress und kann zu Verhaltensproblemen führen. Die Bundestierärztekammer hat Tipps veröffentlicht, wie Halter ihren Tieren den Wohnungsaufenthalt angenehmer gestalten können.
Zwar ist die Ansteckungsgefahr für Katzen und Hunde gering und eine Übertragung des Virus auf den Menschen ausgeschlossen, doch sind zum Schutz der Tiere Vorsichtsmaßnahmen in betroffenen Regionen angebracht. Die Wildvogel-Geflügelpest-Verordnung schreibt vor, dass Halter von Hunden und Katzen in Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten ihre Tiere nicht frei herumlaufen lassen dürfen. Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet werden von den Behörden mit einem Radius von mindestens 3 bzw. 10 km rund um den Ort einer nachgewiesenen H5N1-Infektion festgelegt. Ein Verstoß gegen die Verordnung ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit hoher Geldstrafe geahndet werden kann. Wie lange der Hausarrest gilt und ob weitere Maßnahmen zu beachten sind, teilt das jeweils für die Region zuständige Veterinäramt mit.
 | | Die Bundestierärztekammer hat Tipps für Halter von Freigänger-Katzen zusammengestellt, die in Vogelgrippe Sperr- und Beobachtungszonen im Haus bleiben müssen. |
Während Hunde in Sperr- und Beobachtungsgebieten immerhin noch an der Leine spazieren gehen können, trifft die Hauspflicht Freigänger-Katzen besonders hart. Katzen sind Gewohnheitstiere, für die jede Veränderung Stress bedeutet und zu Verhaltensproblemen wie mangelnder Appetit, Unsauberkeit, Rückzug oder Aggressivität führen kann. Hausarrest ist für Freigänger-Katzen eine Extremsituation.
Wohnung katzengerechter gestalten
- Katzen sind dämmerungsaktiv. Den größten Teil des Tages verbringen sie schlafend und dösend. Für die Zeit des Hausarrests sollte der Halter zusätzliche Schlaf- und Rückzugsplätze anbieten (Faustregel: drei bis vier Plätze pro Katze).
- Gemütlich eingerichtete Aussichtsplätze auf der Fensterbank bieten Abwechslung und „Katzen-TV“.
- Katzenschutzgitter sind eine gute Möglichkeit, der Katze den Balkon als ausbruchsicheren Freiluftsitz zu erschließen.
- Ein Katzenbaum oder Zugang zu Schränken und Regalen erschließt den Tieren die „dritte Dimension“ und schafft auch in kleinen Wohnungen zusätzlich katzengerechten Platz.
- Kratzbäume, Kratzbretter, Kratztrommeln, Kratzmatten etc. bieten den Katzen die Möglichkeit, ihr Territorium zu markieren, die Krallen zu wetzen und schonen Tapeten und Polstermöbel.
- Um Unsauberkeit vorzubeugen, müssen ausreichend viele Katzentoiletten aufgestellt werden. Faustregel: Anzahl der Katzen plus 1. Die Katzenklos sollen in verschiedenen Räumen aufgestellt werden, möglichst nicht an Durchgangsstellen. Die regelmäßige Reinigung ist sehr wichtig für die Akzeptanz. Freigänger-Katzen, die es nicht gewöhnt sind, ihr Geschäft in Katzentoiletten zu verrichten, bevorzugen Toiletten ohne Deckel.
- Katzengras ist wichtig für den Verdauungsapparat. Wird es nicht angeboten, vergreifen sich Stubentiger gern an Zimmerpflanzen. Unverträgliche und giftige Pflanzen sollten aus der Reichweite der Katzen gebracht werden.
Futter und Spiele gegen Langeweile
- Die Futterration im Napf sollte etwas verringert werden, damit mehr Futter als „Extra“ gereicht werden kann. Extra-Futter ist ein willkommenes Spielzeug, mit dem sich die Katze auch alleine beschäftigen kann. Beispielsweise kann Futter in entsprechendes Spielzeug gefüllt werden. So kann die Katze „auf die Jagd nach Futter gehen“.
- Fast alles, was sich bewegt, vielleicht auch ein bisschen raschelt und quietscht, ist als Spielzeug und „Jagdersatz“ geeignet. Je mehr die Katze spielen kann, desto geringer ist das Risiko, dass sie sich aggressiv verhält oder die Waden bzw. Hände ihres Menschen „erbeutet“.
- Alle Katzen lieben Pappkartons. Sie bieten genauso gut Platz für Rückzug wie auch für Spiele. Holzwolle oder Nagerheu bieten zusätzlich Geruchs- und Spielanreize.
- Je nach Temperament der Katze ist von Katzenminze, die auch in vielen käuflichen Spielzeugen enthalten ist, eher abzuraten, weil sie das Tier eventuell noch aufgeregter macht.
Hilfe aus der tierärztlichen Apotheke
- Pheromone (Geruchshormone) können den Stress mindern. Hilfreich können eventuell auch Bachblüten sein.
- Starke Beruhigungsmittel sind nicht zu empfehlen, weil sie die Geräuschempfindlichkeit erhöhen und dadurch zusätzlicher Stress entstehen kann. Auch von Baldrian ist abzuraten, weil es paradoxe Reaktionen geben kann, d.h. die Katze wird unruhiger statt ruhiger.
Vorsicht: Ausbruchgefahr!
- Zum Lüften gekippte Fenster sollten beaufsichtigt oder zum Beispiel mit einem Gitter gesichert werden. Die Katze könnte sonst versuchen, durch den Spalt ins Freie zu gelangen. Dabei kann sie nach unten rutschen und sich in Panik immer weiter verkeilen. Dabei kann es zu Lähmungen und Schock kommen; bleibende Schäden oder sogar der Tod des Tieres sind möglich.
- Ist einer Katze der Ausbruch gelungen und sie kommt anschließend nach Hause zurück, sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich (wie gesagt: die Ansteckungsgefahr ist gering). Wenn sie allerdings in unmittelbarer Nähe eines Fundortes von toten Wildvögeln oder gar einem betroffenen Nutzgeflügelbetrieb gewesen sein könnte und sie Krankheitszeichen zeigt, sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden. Krankheitszeichen können sein: Fieber, verminderte Aktivität, Vorfall des dritten Augenlids (Nickhaut), Bindehautentzündung und Atemnot. Diese Symptome sind aber nicht spezifische und können auch bei anderen Krankheiten auftreten. (BTK/vg)
Quelle: ZZA 5/2006 Seite 104 |