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TierNatur
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Rosella, Pennant & Co.

Bunt, beliebt und robust: die Platycercus-Arten

Rosella-, Pennant- und Stanleysittich sind die bekanntesten Vertreter der Gruppe der eigentlichen Plattschweifsittiche Platycercus spp. Insgesamt umfasst die Gattung acht Arten bzw. 15 Unterarten. Diese langschwänzigen Papageien mit den gelb, weiß oder blau gefärbten Wangenflecken zeichnen sich durch ihre große Farbenpracht aus und sind beliebte Volierenvögel.

Prachtrosella (hier: rot/opalin) eigenen sich für die Haltung in geräumigen Freiflugvolieren.

Zu den gemeinsamen Erkennungsmerkmalen der Gattung Platycercus gehört die schuppenartig anmutende Säumung des Rückengefieders: schwarze oder schwarzbraune Federn mit gelben, grünen oder roten Säumen bzw. umgekehrt. Auch der Wangenfleck - weiß, gelb oder blau - ist typisch für die eigentlichen Plattschweifsittiche. Der lange Schwanz ist stufig und weist vier Federn in fast der gleichen Länge auf, wodurch er bis in die Spitze breit (platt) erscheint. Mit 26 bis 37 cm Körperlänge zählen Platycercus-Arten zu den Großsittichen. Die Gattung besiedelt den gesamten australischen Kontinent sowie der vorgelagerten Inseln einschließlich Tasmanien. Neuseeländische Vorkommen sind eingebürgert. Ihr Lebensraum umfasst sehr unterschiedliche Zonen von der offenen trockenen Savanne bis zu den niederschlagsreichen Küstenwäldern im Osten und den Mangrovenwäldern im Norden. Einige Plattschweifsittich-Arten sind auch als Kulturfolger bekannt und besiedeln Kulturland, Gärten und Parks.

Die Gattung der eigentlichen Plattschweifsittiche

Systematik
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Plattschweifsittiche (Platycercidae)
Unterfamilie: eigentliche Plattschweifsittiche (Platycercinae)
Gattung: Platycercus
Arten:
Adelaidesittich (P. adelaide) - 2 Unterarten
Blauwangensittich (P. adscitus) - 2 Unterarten
Gelbbauchsittich (P. caledonicus)
Pennantsittich (P. elegans) - 3 Unterarten
Rosellasittich (P. eximinus) - 3 Unterarten
Strohsittich (P. flaveolus)
Stanleysittich (P icterotis) - 2 Unterarten
Brownssittich (P. venustus)

Der Stanleysittich gehört zu den kleineren Plattschweifsittich-Arten und gilt als friedlich gegenüber Artgenossen.

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Platycercus-Arten nach Europa, wo sie zunächst in Zoologischen Gärten (London) und später auch in privater Haltung erfolgreich nachgezüchtet wurden. Ihr prächtiges, farbenfrohes Gefieder in Verbindung mit einer angenehmen Stimme verschuf ihnen schnell eine große Liebhabergemeinde. Sie gelten als leicht in der Voliere zu halten und können ganzjährig im Freien bleiben, wenn ihnen ein frostsicherer Schutzraum zur Verfügung steht. Während der Brutzeit ist die Paarhaltung zu empfehlen, da die Tiere dann auch Artgenossen gegenüber aggressiv werden können. Sie leben auch im Freiland nur außerhalb der Brutzeit in Schwärmen. Als verträglicher ist der Stanleysittich bekannt.

Für die Ernährung empfohlen werden Großsittichfutter, gequollene oder gekeimte Sämereien und Kolbenhirse, das durch verschiedene Obst-, Gemüse- und Kräutersorten ergänzt wird. Auch Knospen von Obstbäumen, Birken, Buchen und Weiden sind sehr begehrt. Im Freiland nehmen die Vögel häufig Insektenlarven auf. Je nach Jahreszeit kann der Anteil tierischer Kost an der Futtermenge 50 Prozent betragen. Dies sollte bei der Ernährung in der Freiflugvoliere berücksichtigt werden.

Da alle Plattschweifsittiche ihre Nahrung am Boden suchen, sind Wurmkuren zwei- bis dreimal jährlich empfehlenswert.

Die Arten und Unterarten sind eng miteinander verwandt, so dass es auch im Freiland häufiger zu Kreuzungen untereinander kommt. Auch in der Zucht werden die Unterarten häufig miteinander verpaart. Zu den bekanntesten Platycercus-Vertretern in der Vogelhaltung gehören Pennant-, Rosella- und Stanleysittich.

Der Pennantsittich

P. elegans (auch Südlicher Pennantsittich genannt) gilt als dominierende Platycercus-Arten auf dem australischen Festland und wird von Ornithologen als „Superspezies“ der blauwangigen Gruppe bezeichnet. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Angaben über die Zahl der Unterarten. So werden neben dem Nördlichen Pennantsittich (Platycercus e. nigrescens) und dem North-Pennantsittich (Platycercus e. melanoptera) gelegentlich auch der Adelaidesittich (P. adelaide) aus dem Südaustralien sowie der im südöstlichen Australien vorkommende Strohstittich (P. flaveolus) als Unterarten genannt.

Wegen seines auffallenden, überwiegend karminroten Gefieders mit blauen Wangenflecken, blauen Handschwingen und blauem Schwanz ist der Pennantsittich bei Großsittichhaltern besonders beliebt. Die Federn auf dem Rücken sind schwarz gesäumt. Hahn und Henne sind gleich gefärbt; bei der Henne ist die schwarze Säumung des Rückengefieders breiter. Es gibt zahlreiche Mutationen: Blau, Gelb und Weiß. Mit einer Größe von 36 cm gehört der Pennantsittich zu den größeren Plattschweifsitticharten.

Die Heimat des Pannentsittichs ist Ost- und Südostaustralien. Hier lebt er in feuchten Wäldern bis in Höhen von 2.000 m. Deshalb passt er sich leicht mitteleuropäischen Klimaverhältnissen an (Schutzraum erforderlich). Zugleich ist er als Kulturfolger auch in Nähe von Siedlungen sowie in Parks zu finden. An Futterplätzen lassen die Wildvögel Menschen sehr dicht an sich herankommen. Auch in der Volierenhaltung werden Pennantsittiche mit ihrem Pfleger vertraut und zahm. Aufgrund seiner Größe braucht er viel Freiraum für seine Flüge. Die Tiere halten sich auch gern am Boden auf, wo sie nach Nahrung suchen, im Sand scharren und baden (deshalb ist eine Wurmkur zweimal jährlich zu empfehlen). Sie sind nicht nur gute Flieger, sondern klettern und nagen auch sehr gern. Frische Zweige und Klettermöglichkeiten sowie eine Schale Wasser zum Baden gehören deshalb zur Grundausstattung einer Voliere.

Die Paare sind in der Regel sehr brutfreudig und schreiten ein- bis zweimal jährlich zur Brut, wobei zwischen vier bis sechs Eier gelegt werden. Die Brutdauer beträgt 19 bis 21 Tage.

Der Rosellasittich

Mit etwa 32 cm ist der Rosellasittich etwas kleiner als der Pennantsittich. Er gehört zu den weißwangigen Arten. Auch er ist ein guter Flieger, der in seiner ursprünglichen Heimat Südost-Australien und Tasmanien sowohl in feuchten Wäldern als auch im offenen Gelände mit einzelnen Bäumen vorkommt. Im Gegensatz zum Pennantsittich lebt er in nicht ganz so großen Höhen, sondern vielmehr im Flachland. Er gilt als der erfolgreichste Kulturfolger unter den Plattschweifsittichen. Man unterscheidet drei Unterarten: Platycercus eximus eximus (Prachtrosella), P. e. cecilae (Gelbmantelrosella) und P. e. diemensis (Tasmanischer Rosella). Auch der Blauwangensittich P. adsicus und der Blasskopfsittich P. palliceps werden gelegentlich den Rosellas zugeordnet.

Männchen und Weibchen des Rosellasittichs sind unterschiedlich intensiv gefärbt, die Henne ist deutlich blasser. Beim Männchen sind Kopf, Nacken, Kehle, Brust und Oberbauch rot, Unterbauch gelb-grün mit feiner schwarzer Säumung, Wangen weiß, Rücken und Flügeldecken schwarz mit gelben Säumen, Flügel- und Handdecken sind hellblau, die Schwingen schwarz mit gelbem Saum. Die olivgrünen Oberschwanzfedern mit dunkler Säumung laufen zur Spitze dunkelblau aus. Es gibt verschiedenen Mutationen: Lutino, Rot, Weißflügel, Pastell, Isabell, Schecke.

Rosellas sind zutrauliche Vögel, die mit den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas gut klar kommen. Im Winter sollte ihnen ein frostsicherer Schutzraum zur Verfügung stehen. Die Paarhaltung ist zu empfehlen, da Rosellas untereinander aggressiv werden. Obwohl gute Flieger, halten sich Rosellas viel auf dem Boden auf, wo sie gerne laufen, scharren und nach Nahrung suchen. Sie baden auch gerne in flachem Wasser. Ihrem Nagebedürfnis kommt man mit frischen Zweigen entgegen, besondern gern angenommen werden frisch knospende Zweige.

Rosellasittiche sind sehr brutfreudig und schreiten ein- bis zweimal jährlich zur Brut, wobei zwischen vier bis acht Eier gelegt werden. Die Brutdauer beträgt ca. 19 bis 21 Tage. Sie nehmen auch untergeschobene Eier an und ziehen die fremden Jungtiere mit ihren eigenen Nachkommen groß.

Der Stanleysittich

Auch als Gelbwangenrosella bekannt, gehört Platycercus icterotis und die Unterart Rotrücken-Stanleysittich (P. i. xanthogenys) mit etwa 26 cm zu den kleineren Plattschweifsittich-Arten. Seine Heimat ist das Südwestliche Australien. Relativ häufig kommt er in lichten Eukalyptuswäldern, trockenen Baum- und Strauchsavannen sowie landwirtschaftlichen Nutzflächen vor. Wenig geschätzt wird er, wenn er in die Getreidefelder einfällt. Außerhalb der Brutzeit fliegen kleine Gruppen gemeinsam auf Nahrungssuche. Im Freiland ist seine Fluchtdistanz Menschen gegenüber gering, so dass er gut aus nächster Nähe beobachtet werden kann. Farbenpracht, Friedfertigkeit gegenüber Artgenossen und Zutraulichkeit gegenüber dem Pfleger machen ihn zu einem beliebten Volierenvogel. In seiner Art ist er dem Singsittich (Psephotus spp.) ähnlich. Viele Wissenschaftler betrachten ihn als Bindeglied zwischen Sing- und Plattschweifsittichen.

Das Weibchen ist deutlich matter gefärbt als der Hahn, sie haben außerdem grünliches Kopfgefieder und auch die Unterseite ist mit grünen Federn durchsetzt. Das Männchen dagegen ist rot an Kopf, Brust, Bauch und Unterschwanzdecke, die Wangen sind gelb, die Schwingen blau und die Oberseite überwiegend grün oder schwarz mit heller, zum Teil auch roter Säumung. Es wurden bereits Vögel mit rotem Bürzel sowie weitre Mutationen gezüchtet.

Wie die anderen Platycercus-Arten ist der Stanleysittich ein ausdauernder Flieger, der jedoch seine Nahrung vorwiegend vom Boden aufnimmt.

Bei frostfreier Überwinterung kann der Stanleysittich das ganze Jahr über in einer geräumigen Voliere gehalten werden. Die Vögel gelten als brutfreudig und legen ein- bis zweimal jährlich vier bis sechs Eier. Bei Temperaturschwankungen soll es beim Weibchen allerdings häufiger zu Legenot kommen. (vg)

Quelle: ZZA 5/2006 Seite 106