|
ZZF-Präsidium und WZF-Beirat informieren sich vor Ort Erfolgreiche biologisch orientierte Naturschutz-Aktion
Längst ist das ZZF-eigene BONA-Gelände kein mit Bauschutt gefülltes „Schlammloch“ mehr. Das renaturierte Gebiet der Gronenborner Teiche bietet Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna. BONA steht für „Biologisch Orientierte Naturschutz Aktion“, und genau das wurde erreicht. Davon überzeugten sich Mitte Juli einmal mehr die Mitglieder des ZZF-Präsidiums und des WZF-Beirats.
 | | Die Mitglieder der ZZF-Präsidiums ließen sich über die Entwicklung des BONA-Geländes informieren. |
Helmut Kinkler von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nordrhein-Westfalen (LNU) e.V., Ortsgruppe Leverkusen ist seit 1986 BONA-Beauftragter. Er führte die Besucher durch das 1,2 Hektar umfassende, 12 unterschiedlich große und tiefe Teiche umfassende Biotop und beeindruckte die Teilnehmer mit seinen von großem Fachwissen untermauerten Ausführungen zu den Wechselwirkungen in diesem geschützten Lebensraum. Das seit 1987 unter Naturschutz stehende biologisch wertvolle Biotop mit seinem Forschungs- und Beobachtungszentrum wird als Freilandlabor für wissenschaftliche Beobachtungen genutzt. Biologiestudenten und Fachleute sammeln für ihre Studien systematisch Daten über die entstandene Tier- und Pflanzenwelt. Die Ergebnisse dienen sowohl der Grundlagenforschung für die Renaturierung von Feuchtgebieten als auch der Pflege von naturnahen Gartenteichen. Mit dem Erhalt dieses Biotops leistet der ZZF in Zusammenarbeit mit der LNU, die vom ZZF mit der Pflege des BONA-Geländes beauftragt ist, einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz.
 |  | | Helmut Kinkler (rechts) mit Herbert Bollhöfer, Jörg Turk und Bernd Silbermann (v.l.n.r.). |
Neues Leben am und im Wasser
Seit dem Jahr 2000 erfasst eine Mikroskopiergruppe der LNU unter Leitung von Dr. Franz Malcharek die Kleinstlebewesen der Teiche: Wasserflöhe, Kugelalgen, Wimperntierchen, Rädertierchen, Geißeltierchen, Amöben - schätzungsweise 100 verschiedene Arten von Mikroorganismen. Vor einigen Jahren begann Joachim Böhme, Seniorchef von JBL und Käfer-Experte, die auf dem BONA-Gelände vorkommenden Käfer zu katalogisieren. Sein Ergebnis - knapp 200 verschiedene Käferarten aus 26 Käferfamilien - verdeutlicht stellvertretend für viele andere Tier- und Pflanzenarten den Wert des BONA-Biotops. 2004 half Böhme, weitere etwa 100 Käferarten zu determinieren, die Helmut Kinkler inzwischen gefangen hatte. Intensives Forschen förderte in den letzten beiden Jahren nochmals 200 neue Arten zu Tage, die von dem Käferexperten Frank Köhler, Bornheim, determiniert wurden.
 |  |
Angeregt durch den „Tag der Artenvielfalt“, propagiert in der Zeitschrift Geo, versuchen Kinkler und die Mitglieder der LNU-Ortsgruppe Leverkusen inzwischen alles, was im Gebiet an Pflanzen und Tieren vorkommt, zu erfassen. Ob Asseln, Spinnen, Pseudoskorpione, Flöhe, Köcherfliegen, Springschwänze, Ohrwürmer, Heuschrecken, Ameisen, Wespen, Wanzen, Libellen, Krebstiere, Tausendfüßer, Schmetterlinge, Käfer, Schnecken usw. So sind mittlerweile rund 300 Blütenpflanzen, Pilze, Flechten, Moose und Farne sowie über 1.500 Tierarten auf dem relativ kleinen Gelände nachgewiesen worden.
 |  |
Rund 20 Jahre nach Beginn der Renaturierung haben Helmut Kinkler und seine Helfer eine wissenschaftliche Artenliste erstellt, deren beeindruckender Umfang die ZZF-Zielsetzung des Natur- und Artenschutzes eindrücklich unterstreicht. Molche, Kröten, Gras- und Wasserfrösche, Blindschleichen, Ringelnattern sowie 19 Libellenarten und 29 verschiedene Tagfalterarten haben hier einen geschützten Lebensraum gefunden. Teichrallen und Stockenten brüten auf ihren Nestern, Eisvögel und Graureiher werden von dem Fischangebot in den Teichen angezogen. Auch Rehe, Füchse, Dachse und Hasen sind hier heimisch.
Die Erkenntnisse aus diesem „Freiland-Labor“ tragen zum Verstehen bei, wie sich die unterschiedlichen Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum zurückerobern. Nicht zuletzt können sie das ökologische Wissen der Zoofachhändler im ZZF bereichern und sie zu qualifizierten Beratern in Sachen Feuchtbiotop machen.
Während ihres Besuchs hatten die Mitglieder des ZZF-Präsidiums und des WZF-Beirats Gelegenheit, sich von Helmut Kinkler, der das BONA-Gelände vorbildlich betreut, die jüngste Entwicklung zeigen und erklären zu lassen. Bis vor einigen Jahren lag der zweitgrößte Teich des Geländes im Schatten eines Waldes und war mangels Sonnenlicht relativ artenarm. Nachdem der Naturschutzbund Deutschland (NABU), dessen Gelände an das BONA-Biotop grenzt, den Wald gerodet und neu aufgeforstet hat, kann die Sonne ungehindert auf den Teich strahlen. Dadurch hat sich inzwischen die Artenvielfalt am und im Wasser deutlich erhöht. Amphibien haben sich angesiedelt, Libellen und Köcherfliegen schwirren über dem Wasserspiegel und legen ihre Eier ab.
Eine ZZF-Initiative
WZF-Geschäftsführer Herbert Bollhöfer, der neben den ZZF-Mitgliedern Heinz Potempa und Helmut Imhäuser zu den BONA-Initiatoren gehört, erläuterte den Kollegen und Kolleginnen die Entstehungsgeschichte dieses Natur- und Artenschutz-Projekts. Das von den Abwässern einer Kläranlage verseuchte Gelände wurde bis in die 80er Jahre hinein von der Stadt Leverkusen als Ablageplatz für Bauschutt genutzt. ZZF-Mitglieder des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen taten sich zusammen und gründeten innerhalb des Verbandes den Förderkreis Biologisch Orientierte Naturschutz Aktion (BONA) e.V., um in der verödeten Landschaft Lebensraum für bedrohte Tierarten zu schaffen. Unter der Prämisse, aus den Gronenborner Teichen ein natürliches Biotop entstehen zu lassen, erwarb 1984 der ZZF das Gelände. Man sah darin eine gute Gelegenheit, den damaligen Angriffen gegen die Heimtierbranche als „Naturausbeuter“ mit einer konkreten Leistung zu begegnen. Gleichzeitig wollte man gezielt Teich-Forschung betreiben. Zur Erinnerung: Mitte der 80er Jahre begann sich die Anlage und Pflege von Gartenteichen zu einem interessanten Geschäftsfeld zu entwickeln. Auf Helmut Imhäuser, damals Vorsitzender des ZZF-Landesverbandes NRW und Naturschutzbeauftragter des ZZF, ist die Idee der natürlichen Regeneration des Geländes zurückzuführen, die heute noch zu spannenden Ergebnissen bei der Entwicklung der botanischen und faunistischen Artenvielfalt führt. (vg)
Quelle: ZZA 9/2006 Seite 14 |