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zza-Serie: Die „neuen“ Nager - Teil 5 Kleinsäuger auf dem Weg zum Heimtier - Persische Rennmäuse
Kleintier-Expertin Anne Weber, Mitarbeiterin des monatlich im Natur und Tier-Verlag erscheinenden Spezialmagazins „Rodentia“, stellt in dieser Folge der zza-Serie „Neue“ Nager die Persische Rennmaus vor.
 | | Fotos: Cynomys/A. Weber |
Was ist das denn – eine Ratte?“ – mit dieser Bemerkung sehen sich die Halter Persischer Rennmäuse (Meriones persicus) häufig konfrontiert, wenn Rennmaus-unerfahrener Besuch die Heimtiere begutachtet. Es sei ihm verziehen, denn auf den ersten Blick wirken die flinken Nager aufgrund ihrer Körpergröße und der spitz zulaufenden Schnauze wirklich ein wenig wie Ratten.
Dass dem nicht so ist, wird jedoch bereits beim zweiten, genaueren Hinsehen deutlich: Das augenscheinlichste Indiz ist wohl der dicht behaarte Schwanz, der im Gegensatz zum nackten bzw. äußerst spärlich behaarten Schwanz von Ratten am Ende sogar eine Quaste trägt. Trotz ihrer ähnlichen Größe – es handelt sich um eine der größten Rennmausarten – ist auch der Körperbau Persischer Rennmäuse deutlich eleganter und schlanker als der einer Ratte – doch dazu später mehr.
Eine Gemeinsamkeit der beiden Arten lässt sich dennoch finden: bei Persischen Rennmäusen handelt es sich ebenfalls um sehr neugierige, intelligente Nager, die die Herzen „ihrer“ Menschen zu erobern wissen.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich ihr Bestand in Privathand in den letzten Jahren gefestigt hat. Die Nachzucht der hübschen Nager gelingt regelmäßig und so gelangen vereinzelt auch immer wieder Tiere in den Zoofachhandel.
Biologie
Die Persische Rennmaus unterscheidet sich - bei genauerem Hinsehen – nicht nur deutlich von Ratten, sondern auch von allen anderen Vertretern der Gattung Meriones (Sand- und Wüstenmäuse). Ihr Körperbau ist beispielsweise deutlich schlanker und graziler als der ihres bekannteren Verwandten, der Mongolischen Rennmaus (Meriones unguiculatus).
Adulte (geschlechtsreife) Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 13 bis 17 cm, der Schwanz misst zusätzlich noch einmal 14,5 bis 19 cm. Mit einem Gewicht von maximal 180 g (im Verbreitungsgebiet teilweise nur 95 bis 105 g) haben die Nager dabei eine auffallend zierliche Gestalt. Der lange Schwanz ist ein äußerst wichtiger Bestandteil ihrer Anatomie, denn er übernimmt einige lebensnotwendige Funktionen: In erster Linie dient er der Balance beim Springen, Klettern und aufrechten Stehen. Zum Schutz vor Fressfeinden kann zudem die Schwanzhaut abgestoßen werden, was dem Tier unter Umständen das Leben rettet. Ebenso wie der Rest des Körpers ist auch der Schwanz bis auf das letzte Drittel (hier finden sich die bereits erwähnten schwarzen Haare, die eine Quaste bilden) von agouti-farbenem Fell (sand- bis rotbraun mit schwarzen Grannen) bedeckt. Die Bauchseite ist dagegen rein weiß gefärbt. Über den Augen tragen die Tiere ein weißes Abzeichen.
Mit ihren großen schwarzen Augen und den großen, äußerst beweglichen Ohren ist die Persische Rennmaus perfekt an ihre dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise angepasst. Die verlängerten Hinterextremitäten und die nackten Sohlen der Hinterfüße stellen eine weitere Anpassung dar, sie ermöglichen den flinken Tieren eine kletternde und springende Fortbewegung auf dem felsigen Untergrund ihres Verbreitungsgebiets. Dieses beschränkt sich auf einen kleinen Teil Asiens, es reicht vom Osten der Türkei bis nach Pakistan. Die Kletterkünstler bewohnen dort felsige Steppenlandschaften und karge Halbwüsten bis in Höhen von 3.250 m ü. NN! Häufig ist Meriones persicus auch in Steinmauern zu finden, die hoch gelegene, landwirtschaftlich genutzte Flächen begrenzen.
Persische Rennmäuse sind dämmerungs- und nachtaktiv, erst am Abend verlassen die Tiere ihren schützenden Bau, um sich auf die Suche nach Nahrung zu begeben. Flink und geschickt bewegen sie sich dabei auch auf steilem Terrain und springen mühelos über Geröll und Steine, um an ausreichend pflanzliche Kost zu gelangen. Gefressen werden sämtliche grüne Pflanzen, die der karge Lebensraum bietet, so beispielsweise Blätter, Gräser und Kräuter. Ferner stehen auch Wurzeln, Zwiebeln und Knollen sowie Früchte, wilde Beeren, Samen und Getreide auf dem Speiseplan der Tiere. Ergänzt wird diese Kost durch kleinere Insekten.
Trotz fehlender Backentaschen besitzen die hübschen Nager eine für Rennmäuse recht untypische Eigenschaft: Sie „hamstern“ stets so viel Fressbares wie nur möglich und legen regelrechte Vorratslager an. Diese sind entweder Teil eines selbst gegrabenen Baus oder befinden sich – ebenso wie die Nester – in schattigen Felsspalten oder unter Steinen. Ein Meriones-Bau ist recht einfach gestaltet und kann bis in eine Tiefe von 1 m reichen. Mehrere Eingänge und untereinander verbundene Röhren führen zur Nestkammer der Nager, die sich zumeist an einer der tiefsten Stellen befindet.
Persische Rennmäuse sind sehr soziale Tiere, das Nest wird stets von allen Mitgliedern einer Familiengruppe geteilt und gegen fremde Artgenossen aggressiv verteidigt.
Meriones persicus kann ein recht hohes Alter erreichen: In Menschenhand werden die hübschen Tiere bis zu sieben Jahre alt.
Haltung und Ernährung
Persische Rennmäuse sind gewandte Akrobaten, sie benötigen folglich auch in menschlicher Obhut viel Platz zum Laufen, Springen und Klettern. Die Maße des Geheges für ein Pärchen oder zwei bis drei gleichgeschlechtliche Tiere dürfen daher 120 x 50 x 60 cm (L x B x H) keinesfalls unterschreiten. Wie bei allen Kleinsäugern gilt natürlich auch hier: Je größer, desto besser! Bei der Haltung einer Gruppe der agilen Rennmäuse ist natürlich zwingend ein geräumigeres Gehege vonnöten. Um ihrem Grabebedürfnis nachkommen zu können, benötigen die Nager einen Bodengrund von mindestens 10 bis 15 cm Höhe. Daher sind zwei Gehegeformen für die Haltung der großen Rennmäuse besonders gut geeignet: zum einen das Nagerterrarium (mit Scharrschutz vor den Führungsprofilen, im Fachhandel erhältlich bzw. bestellbar) und zum anderen ein Aquarium mit Gitteraufsatz (dieser sorgt für mehr Höhe und somit Raum zum Klettern, muss jedoch gut am Aquarium befestigt werden!). Auch Edelstahl-Volieren (z. B. für Sittiche/Papageien erhältlich) sind bedingt geeignet, hier müssen jedoch fast immer noch Umbauten (Schutz gegen das Herausscharren der Einstreu bzw. Zugluft) vorgenommen werden.
| Die „neuen“ Nager |
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| Kleinsäuger liegen im Trend, vor allem bei Singles und Stadtmenschen. Doch Goldhamster, Rennmaus & Co. sind längst nicht mehr die einzigen Nager in deutschen Wohnzimmern. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe „exotischer“ Kleintiere, die auf dem Weg zum domestizierten Heimtier sind – wie einst der Goldhamster, der im Juni 1948 erstmals in Deutschland gehalten wurde. Unter den „neuen“ Nagern gibt es Arten aus allen Preissegmenten für Tierfreunde mit den unterschiedlichsten Interessen – einige davon sind vielleicht die Heimtiere der Zukunft… |
An die Umgebungstemperaturen stellen Persische Rennmäuse keine besonderen Ansprüche, sie können problemlos bei Zimmertemperatur gepflegt werden, dabei sollte die Temperatur aber nie dauerhaft unter 15 °C fallen. Einige Individuen genießen zeitweise gern die Wärme eines 40-W-Strahlers, der so außerhalb des Geheges angebracht wird, so dass er nur eine exponierte Stelle (beispielsweise einen großen Stein) erwärmt. Prinzipiell ist die Installation technischer Geräte (wie Heizplatten o. A.) im Rennmausheim jedoch nicht unbedingt notwendig.
Besonders wichtig ist dagegen die Einrichtung des Geheges. Sie muss den Tieren neben ausreichend Beschäftigungsanreizen auch Versteckmöglichkeiten bieten. Als Bodengrund empfiehlt sich handelsübliche, saugfähige Kleintierstreu, die in einer mindestens 10 cm dicken Schicht den kompletten Gehegeboden bedecken sollte. Nun werden verschieden große Wurzeln, Steine, Äste, Rindenstücke und Korkröhren (z. B. aus dem Terraristik-Bedarf) einsturzsicher!) in das Gehege eingebracht. Auch Tongefäße oder -röhren können zur weiteren Strukturierung beitragen.
 Das Gehege sollte abwechslungsreich eingerichtet sein. |  Persische Rennmäuse werden nackt und blind geboren. |  Pro Wurf werden zwei bis zehn Junge geboren. |
 Gräser und Kräuter werden gern gefressen. |  Verschiedene Einstreu-Komponenten machen den Bodengrund interessanter. |  Die großen Augen und Ohren sind eine Anpassung an die dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise. |
Da Persische Rennmäuse äußerst eifrige Vertreter der Nager sind, dürfen Plastikhäuschen oder ähnliches Zubehör aus Kunststoff jedoch keinesfalls verwendet werden, da die Tiere auch dieses Material zernagen und so kleine Plastikteilchen mit der Nahrung aufnehmen könnten!
Um die Lauf- und Kletterfläche für die Tiere noch einmal deutlich zu erhöhen, bietet sich bei hohen Gehegen oder Volieren das Einbauen weiterer Ebenen aus unbehandeltem Holz an, die durch Äste und Korkröhren miteinander verbunden werden.
Das feine Fell der Persischen Rennmaus bedarf regelmäßiger Pflege, damit es nicht verfettet, was wiederum die Entstehung von Erkältungskrankheiten fördern würde. Essenziell ist deshalb eine Sandbad in Form einer großen (Ton-) Schale, welche mit Chinchillasand oder einem Gemisch aus Chinchilla- und Vogelsand befüllt wird. Komplettiert wird die artgerechte Gehegeeinrichtung schließlich durch reichlich Heu und Stroh, das als Nistmaterial Verwendung findet.
Die beste Tageszeit für die Fütterung von Meriones persicus sind die Abendstunden, da die Tiere ihrer natürlichen Lebensweise entsprechend vorwiegend während der Dämmerung und Nacht auf die Suche nach Nahrung gehen.
Der Organismus Persischer Rennmäuse hat sich im Laufe der Evolution perfekt an das spärliche Nahrungsangebot ihres wüsten- und halbwüstenartigen Lebensraums angepasst.
Die meisten der im Handel erhältlichen Rennmaus-Futtersorten sind daher für „Perser“ viel zu nährstoffreich und können zur Verfettung der Tiere und zu schweren Organschäden führen.
Ihr natürliches, nährstoffarmes Nahrungsspektrum lässt sich jedoch recht einfach nachstellen: Als Grundfutter reicht man den Nager täglich ein Gemisch aus Wellensittichfutter, Kanarienfutter und Grassamen. Werden die Saaten dabei im gesamten Gehege verstreut, sorgt man zusätzlich für eine stundenlange Beschäftigung seiner Pfleglinge, da die Rennmäuse sich ihr Futter wie in der Natur zusammensammeln müssen.
Einen weiteren Anteil am Futter bilden verschiedenste Gemüse- und Obstsorten (z. B. Apfel, Birne, Möhre, Salatgurke, Paprika, Brokkoli usw.), welche ebenfalls täglich gereicht werden (Obst aufgrund des hohen Fruchtzucker-Gehaltes jedoch nur in geringen Mengen). Auch Wildkräuter, Gräser und Salat sollten regelmäßig gefüttert werden. Daneben muss den Tieren qualitativ hochwertiges Heu ebenso wie frisches Wasser (am besten in einer Nippeltränke) immer zur freien Verfügung stehen.
Um den Eiweißbedarf der Persischen Rennmäuse zu decken gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die wöchentliche Verfütterung von (trockenem oder feuchtem) Katzenfutter, Insekten- und Eifutter (für Ziervögel) oder getrockneten Garnelen sind eine mögliche Variante. Die Gabe von Lebendfutter stellt jedoch die natürlichste Darreichungsform des benötigten Eiweißes dar und kann durch andere Produkte zwar ergänzt, jedoch nicht ersetzt werden!
Zucht
Die Zucht Persischer Rennmäuse wird je nach Autor als „äußerst schwierig“ bis „problemlos möglich“ beschrieben. Entscheidend ist dabei offensichtlich ein ausreichend großes Gehege, da die hübschen Nager unter beengten Bedingungen nicht nachziehen. Am ehesten gelingt die erfolgreiche Nachzucht bei der Pflege eines Pärchens unter optimalen Bedingungen.
| Im nächsten zza: Zwerg- und Knirpsmäuse (Folge 6) |
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Mehr über Persische Rennmäuse als Heimtiere finden Sie in dem Buch „Kleinsäuger im Terrarium“ von unserem Autor Christian Ehrlich (Natur und Tier-Verlag) sowie in der Zeitschrift „Rodentia“ aus dem gleichen Verlag.
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Ist das Weibchen schließlich trächtig, sondert es sich zum Ende der 28-tägigen Tragzeit hin merklich von der Gruppe ab und baut ein gesondertes Wurfnest. Der eigentliche Geburtsvorgang läuft dann wie bei Kleinsäugern üblich zumeist recht schnell und vom Halter unbemerkt ab. Die zwei bis zehn nackten und blinden Jungtiere – denn Persische Rennmäuse sind typische Nesthocker – werden vom Muttertier sehr fürsorglich umsorgt. Je älter die Babys werden, desto mehr ist die Mutter – neben dem häufigen Säugen – auch damit beschäftigt, ihren Nachwuchs im Nest zu halten und herauskriechende Jungtiere wieder zurück zu holen. Verlässt das Weibchen das Nest, „buddelt“ es seinen Nachwuchs regelrecht ein. Dies ist eine arttypische Schutzmaßnahme, welche beim Halter keine Besorgnis auslösen muss.
Einige Tage nach der Geburt dürfen auch die anderen Artgenossen die Kinderstube wieder aufsuchen, manchmal hilft das Männchen sogar bei der Pflege des Nachwuchses. In den ersten Lebenswochen der jungen Meriones sind große Entwicklungsschritte zu beobachten: Im Alter von vier Tagen richten die Babys die Ohren auf. Noch bevor die Augen (mit etwa 19 Tagen) geöffnet werden und erste Kletterversuche möglich sind, verlassen sie mit 13 Tagen, bereits von feinem Babyfell bedeckt, zum ersten Mal das Nest.
Die Rennmaus-Mutter säugt ihren Nachwuchs etwa fünf Wochen lang. In dieser Zeit kann es sein, dass sie auch den Nestbereich mutig und aggressiv verteidigt.
Die Abgabe der Jungtiere ist frühestens im Alter von 8 Wochen empfehlenswert, da das Sozialverhalten junger Rennmäuse stark durch das Lernen innerhalb der Familiengruppe geprägt wird. Die Geschlechtsreife erreichen die jungen Meriones mit etwa drei Monaten.
In Menschenhand ziehen Persische Rennmäuse durchschnittlich ein bis zwei (maximal fünf) Würfe pro Jahr auf. Interessant ist dabei die im Vergleich zur Mongolischen Rennmaus (Meriones unguiculatus) deutlich geringere Reproduktionsrate, denn diese in deutschen Haushalten häufig anzutreffende Art kann in Menschenhand bis zu zehn Würfe pro Jahr aufziehen. (Anne Weber)
Quelle: ZZA 2/2007 Seite 36 |