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zza-Serie: Die „neuen“ Nager - Teil 7 Kleinsäuger auf dem Weg zum Heimtier - Afrikanische Zwergschläfer
Kleintier-Experte Christian Ehrlich, Buchautor und Chefredakteur des monatlich im Natur und Tier-Verlag erscheinenden Spezialmagazins „Rodentia“, stellt in dieser Folge der zza-Serie Afrikanische Zwergschläfer vor. Die Fotos stammen von seinem Kollegen Ralf Sistermann.
 | | Zwergschläfer sind geschickte Kletterer. Fotos: Cynomys/R. Sistermann |
Der Afrikanische Zwergschläfer erfreut sich seit vielen Jahren einer stetig wachsenden Gruppe von Haltern. Interessanterweise erfolgte die Verbreitung der kleinen afrikanischen Bilche in den vergangenen 15 Jahren vor allem über den Terraristikhandel, da diese Nager häufig mit afrikanischen Reptilien importiert wurden. Da die Haltung der flinken Nager vor allem in Terrarien artgerecht möglich ist, änderte sich dies auch lange Zeit nicht – erst in den vergangenen Jahren finden auch immer mehr Kleinsäugerhalter Interesse an den possierlichen Nagern. Vor kurzem aufgetretene Zuchtvarianten (Albinos) könnten in den kommenden Jahren zu einer erneuten Steigerung der Schläferhaltung führen. Zudem arbeiten mehrere Züchter daran, besonders zahme Tiere zu züchten.
Zwergschläfer gehören zu den Bilchen, sind also die kleinen afrikanischen Verwandten unserer heimischen Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmäuse, von denen sich die Afrikaner allerdings deutlich durch Farbe und Körpergröße unterscheiden. Im Gegensatz zu den heimischen Arten stehen die Zwergschläfer nicht unter Artenschutz und dürfen ohne Einschränkungen des Artenschutzrechts gehalten und gehandelt werden – man muss diese Tiere also auch nicht bei der zuständigen Behörde anmelden. Die Lebensweise der afrikanischen Bilche gleicht der der heimischen Verwandten sehr, allerdings halten die Zwergschläfer keinen Winterschlaf, sondern sind das ganze Jahr über aktiv und vermehren sich sogar.
Wer zum ersten Mal einen Zwergschläfer im Terrarium sieht, wird sich vermutlich wundern, warum diese Tiere im Fachhandel nicht deutlich verbreiteter sind: Die Nager sind äußerst niedlich, in ihrer Aktivitätsphase sehr aktiv und vermehren sich gut. Der Hauptgrund für ihr bisheriges Nischen-Dasein dürfte wohl die strikte Nachtaktivität sein (die sich – wie beim Goldhamster – auch kaum ändern lässt) und die Tatsache, dass nur wenige Zwergschläfer zahm werden – obwohl dies mit etwas Mühe durchaus möglich ist!
| Die „neuen“ Nager |
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| Kleinsäuger liegen im Trend, vor allem bei Singles und Stadtmenschen. Doch Goldhamster, Rennmaus & Co. sind längst nicht mehr die einzigen Nager in deutschen Wohnzimmern. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe „exotischer“ Kleintiere, die auf dem Weg zum domestizierten Heimtier sind – wie einst der Goldhamster, der im Juni 1948 erstmals in Deutschland gehalten wurde. Unter den „neuen Nagern“ gibt es Arten aus allen Preissegmenten für Tierfreunde mit den unterschiedlichsten Interessen – einige davon sind vielleicht die Heimtiere der Zukunft… |
Ein weiterer regelmäßig geäußerter Grund, der bei der Abschaffung der Tiere angebracht wird, ist der gewöhnungsbedürftige Geruch der Tiere, die teilweise auch Äste und Zweige im Terrarium markieren. Jedoch verschwindet dieser Geruch fast völlig, wenn die Tiere artgerecht ernährt und eben auch in normalen Abständen gesäubert werden. Leider haben diese Vorurteile aber dazu geführt, dass die Anzahl der Halter dieser Bilche trotz ihres großen Potentials als mögliche Heimtiere der Zukunft nur langsam ansteigt.
Biologie
Bei „dem“ Afrikanischen Zwergschläfer (Graphiurus sp.) handelt sich um 7 bis 12 cm (plus 6 bis 10 cm Schwanz) große, etwa 18 bis 32 g schwere „Mini-Ausgaben“ des einheimischen Siebenschläfers (Glis glis). Eigentlich handelt es sich nicht um eine Art, sondern um eine Artengruppe, die selbst von Experten kaum auseinander gehalten werden kann. Die Fellfärbung ist bei allen Zwergschläfern grau bis braungrau, die Bauchseite der Tiere dagegen weiß oder weißgrau. Leider sind nur die wenigsten in Europa gehaltenen Tiere genau bestimmt worden, wahrscheinlich werden G. parvus und G. murinus (vermutlich auch Bastarde beider Arten) gepflegt. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Arten liegt im westlichen und südlichen Afrika, wo man die Tiere vor allem in Wäldern, gelegentlich auch in Buschland und Parks findet.
Diese nachtaktiven Tiere sind vor allem baumbewohnend, steigen aber auch regelmäßig auf den Boden herab, um nach Nahrung zu suchen. Ihre runden Nester werden in verlassenen Baumhöhlen oder zwischen Ästen und Wurzeln sowie in Totholz errichtet und häufig von mehreren Tieren bewohnt. Bei der Beschaffung ihrer Wohnhöhlen sind die kleinen Nager übrigens nicht zimperlich, so kann es beispielsweise sein, dass sie die Küken eines brütenden Vogels töten und verzehren, um gleichsam in die Baumhöhle einzuziehen. Normalerweise liegen die Wohnhöhlen der Nager mindestens einen Meter über dem Boden.
Nur in sehr dunklen Wäldern mit wenig Beutegreifern (und Menschen) sind die Schläfer manchmal auch tagsüber aktiv. Die natürliche Nahrung besteht aus fetthaltigen Samen, Nüssen, Früchten, Insekten, Eiern und Kleinsäugern. Das Höchstalter von Zwergschläfern liegt bei über fünf Jahren.
Haltung und Ernährung
Für die Haltung eines Pärchens eignen sich Terrarien von mindestens 50 x 50 x 80 cm. Sollen größere Gruppen gepflegt werden, was durchaus möglich ist, muss das Becken entsprechend geräumiger ausfallen. Besonders interessant sind sehr große Terrarien, in denen ein kleines „Dickicht“ aus ungiftigen Ästen und Zweigen nachgebaut wird, um eine große Familiengruppe zu pflegen. In solchen Becken ist abends überall etwas los und es macht wirklich Spaß, das bunte Treiben zu beobachten!
 Zwergschläfer (vorne) sind viel kleiner als die heimischen Siebenschläfer (hinten). |  Die Bilche verschlafen den Tag häufig zusammen mit Artgenossen im Nest. |
 Wichtig sind ausreichend viele Verstecke für die Bilche. |  Ein naturnah eingerichtetes Terrarium stellt die ideale Unterbringung dar. |
 Die Ernährung von Zwergschläfern ist nicht so einfach wie bei anderen Nagern. |  Afrikanische Zwergschläfer werden seit Jahren in geringen Stückzahlen gehalten. |
Wichtigste Einrichtungsgegenstände sind reichlich Kletteräste sowie Korkrindenröhren, die im Terrarium aufgestellt werden. Zur weiteren Vergrößerung der Lauf- und Kletterfläche bekleben viele Halter zudem einige Wände des Beckens mit Korkplatten – dies hat zudem den Vorteil, dass die Tiere etwas mehr Ruhe haben, weil das Becken nur von vorne eingesehen werden kann und die abgeklebten Terrarienseiten von den Tieren als „sicher“ angesehen werden. An den Korkwänden können die flinken Tiere dank ihrer kleinen Krallen äußerst gewandt auf und ab laufen.
 | | Nur selten werden die Nager so zahm… |
Als Versteck werden manchmal Vogelnistkästen, gewebte Vogelnester oder Korkröhren akzeptiert, die meisten Zwergschläfer suchen sich allerdings – anders als in der Natur – ein Versteck am Boden (z. B. unter einem Rindenstück oder einer Wurzel). Dies liegt vermutlich daran, dass dieser Platz von ihnen als sicherer empfunden wird. Als Nistmaterial dienen Heu und Moos, gerne werden zudem Blätter angenommen (z. B. Buche, Eiche), die im Becken verstreut werden. Regelmäßig neu eingebrachte Zweige mit frischem Laub sorgen für Abwechslung, Beschäftigung und den einen oder anderen Snack (z. B. Knospen) für die Tiere. Besonders beliebt sind Buchen- und Haselnuss-Zweige.
Der Bodengrund aus Hobelspänen oder Torf sollte mindestens 10 cm hoch eingefüllt werden. Viele Halter machten gute Erfahrungen bei der Haltung auf stellenweise angefeuchteter Streu, sodass eine Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent erzielt wird. Im Terrarium sollten Tagestemperaturen von 22 bis 28° C (lokal bis 32° C) herrschen, nachts dürfen sie 20° C nicht deutlich unterschreiten, sonst neigen die Tiere zu Erkältungen und stellen die Zucht ein. Um diese Temperaturen zu erreichen, werden vor den Nagetätigkeiten der Bilche gesicherte Bodenheizungen (z. B. unter der Terrarienbodenscheibe) installiert.
Zwergschläfer sind auch im Terrarium possierliche, sehr versteckt lebende Nager, die sehr (!) flink sein können. Halter müssen daher stets darauf achten, dass die Terrarienscheiben geschlossen sind! Die Schwanzhaut kann leicht abreißen, halten Sie die Tiere also nie daran fest! Zum Einfangen der Tiere haben sich stattdessen Heimchendosen sehr bewährt.
Leider kommt es gelegentlich vor, dass die Tiere bei ungünstiger Geschlechterkonstellation oder Überbevölkerung dazu neigen, sich gegenseitig zu verletzen oder gar zu töten. Dies geschieht insbesondere bei zu vielen Männchen im Gehege oder aber, wenn mehrere Weibchen tragend sind und zu wenige Verstecke zur Verfügung stehen. In solchen Fällen gibt es nur die Möglichkeit, die Gruppe zu verkleinern bzw. auf mehrere Becken aufzuteilen.
| Im nächsten zza: Buschschwanz-Rennmäuse (Folge 8) |
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Mehr über Afrikanische Zwergschläfer als Heimtiere finden Sie in dem Buch „Kleinsäuger im Terrarium“ von unserem Autor Christian Ehrlich (Natur und Tier - Verlag) sowie in der Zeitschrift „Rodentia“ aus dem gleichen Verlag.
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Eine abwechslungsreiche Palette an verschiedenen Futtersorten gehört auf den Speiseplan der Afrikanischen Zwergschläfer. Das Hauptfutter bilden allerlei süße Früchte (Banane, Apfel, Birne, Melone, Pfirsich, Granatapfel etc.) und Insekten. Mehrmals in der Woche reicht man Mehlwürmer oder andere Insekten. Werden ausreichend Insekten, insbesondere Grillen oder Heuschrecken gefüttert, nimmt der Eigengeruch der Tiere deutlich ab. Papageien- und Katzenfutter (trocken oder feucht) runden den Futterplan ab, dürfen aber nicht den Hauptteil ausmachen, da die Zwergschläfer sonst verfetten und stark „duften“. Die Bilche zeigen allerdings eine erstaunliche Vorliebe für Fleisch, vermutlich weil solch ein „Festschmaus“ in der Natur ein seltener Glücksfall ist. Dieser Umstand bedeutet, dass der Halter sich nicht darauf verlassen kann, dass die Tiere das fressen, was „gut“ für sie ist!
Manche Halter geben zudem Eifutter für Vögel sowie Quark, was ebenfalls sehr gut angenommen wird. Das wichtigste bei der Ernährung der Zwergschläfer scheint eine sehr abwechslungsreiche Zusammenstellung der Futtermittel zu sein, also z. B. regelmäßig andere Obstsorten zu bieten. Manche Tiere nehmen zudem gerne Wildkräuter und Gras. Wasser muss unbedingt ständig aus einer leichtgängigen Nippeltränke oder einem Napf angeboten werden; Wassermangel kann zu Kannibalismus führen.
Zucht
Die Zucht von Afrikanischen Zwergschläfern ist unter guten Haltungsbedingungen nicht schwierig und schon häufig gelungen. Die ein bis sechs etwa 3,5 g schweren Jungtiere werden mehrmals im Jahr nach einer Tragzeit von ca. 24 Tagen im Nest der Mutter geboren, schon einige Tage nach der Geburt kann man feststellen, dass auch andere Mitglieder der Gruppe wieder im vom Muttertier ausgewählten Wurfnest schlafen. Nach etwa drei bis vier Wochen sind die Kleinen bereits entwöhnt und können wenig später von den Eltern getrennt oder zum Aufbau einer größeren Gruppe im Becken belassen werden. (Christian Ehrlich)
Quelle: ZZA 4/2007 Seite 38 |