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Der Megatrend zum Wohlfühlen belebt den Heimtiermarkt Wellness für Waldi, Massage für Maunz
Hotels, Fitness-Studios und Kosmetiksalons werben mit Wellness. Aber auch viele andere Wirtschaftszweige profitieren mittlerweile vom gesellschaftlichen Megatrend zu mehr Wohlbefinden. Lebensmittelindustrie und -handel, Tourismus, Buchmarkt, Möbelhersteller, ja ganze Wirtschaftszweige und selbst die Metzgerei um die Ecke schneiden sich ihr Stückchen ab vom großen „Wellness-Kuchen“. Seit einiger Zeit erfasst die Wohlfühl-Welle auch den Heimtiermarkt mit Macht. Für den Zoofachhandel eine Möglichkeit, durch gezielte Beratung Profil zu zeigen. Denn das Wellness-Angebot für Katze und Hund ist groß und für Kunden oft nicht zu durchschauen.
 | | Lebensfreude pur als Zeichen von Wohlbefinden lässt das Herz eines jeden Tierfreundes höher schlagen. (Foto: panthermedianet/Ludger Banneke-Wilking) |
Tierliebe ist nicht gekoppelt an die Konjunktur, das zeigen die aktuellen Zahlen. Die Ausgaben für Haustiere sind auf über 3 Milliarden Euro gestiegen. Und große Bereiche davon werden zumindest für die über sieben Millionen Stubentiger und 5,5 Millionen Hunde immer öfter für Produkte ausgegeben, die mit dem zugkräftigen Wellness-Etikett versehen sind. Hinzu kommen Ausgaben für die verschiedenen Wohlfühl-Anwendungen der Hundesalons sowie der Tierärzte, Tierheilpraktiker, Tierphysiotherapeuten etc.
Die Gründe für Doggy-Wellness liegen auf der Hand: Hund und Katze leiden, wie ihre Herrchen und Frauchen, immer häufiger unter den so genannten Zivilisationskrankheiten. Übergewicht, Gelenkprobleme, Allergien etc. sind an der Tagesordnung. Außerdem werden die Heimtiere wie ihre Halter immer älter und damit anfälliger. Vorsorge tut also not. Dazu kommen zahlreiche negative Umwelteinflüsse und Stressfaktoren wie Luftverschmutzung, wenig artgerechter Auslauf, nervöse, schlecht gelaunte Tierhalter etc., die in nervlicher Anspannung und Krankheiten münden können. Ferner steht es mit der Ernährung der Vierbeiner nicht immer zum Besten. Die wichtigste Motivation aber, dem Vierbeiner etwas Gutes (häufig: zu viel des Guten) tun zu wollen liegt im partnerschaftlichen Rang der Heimtiere. Was man sich selber gönnt, möchte man dem Hund/der Katzen nicht vorenthalten. So sind die Trends im menschlichen Wellness-Bereich wegweisend für das, was sich in punkto Doggy-Wellness entwickelt.
 | | Der gesamte Pflegebereich bietet Wellness-Vorteile für Hund und Halter. |
Schlank, schön und gut drauf – mit der richtigen Ernährung
Bewusste und gesunde Ernährung ohne Verzicht auf Genuss - diese Anforderungen bestimmen immer stärker den Markt der menschlichen Lebensmittel. Im Fahrwasser: der Futtermittelmarkt für Heimtiere. Da Tierfans für Katzen- und Hundefutter tief in die Tasche greifen, liegt hier enormes Potenzial für ein breites Wellness-Nahrungsangebot. Die Palette reicht von Natur- und Diätfutter (ganzheitlich, natürlich, gesund) über Verwöhnsnacks mit Kräutern, der kleinen gesunden „Belohnung“ mit Zahnpflegeeffekt, den Wellness-Drinks für Hund und Katze bis hin zu eher fragwürdigen Offerten wie Schlankheitspillen für den Hund (in den USA bereits erlaubt). Außenstehenden mögen Initiativen, wie die eines Düsseldorfer Feinkostgeschäfts für den gesundheitsbewussten Wuffi, wo alle Hundekekse nicht nur selbst gebacken sind, sondern auch ohne Salz, Zucker, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker auskommen, exotisch anmuten. Doch solche Konzepte funktionieren inzwischen in vielen Regionen. Hauptzielgruppe: Gut betuchte und trendbewusste Heimtierhalter.
 Der Wellness-Markt umfasst keineswegs nur neue Produkte, auch Altbewährtes gehört dazu. (Foto: panthermedianet/Ines Ebermann) |  Physiotherapie für Hunde liegt ebenso im Wellness-Trend wie komplementärmedizinische Anwendungen. |
| Megatrend Wellness - Fachhandel als Wegweiser durch den Angebotsdschungel |
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Von der gesunden Ernährung und die regelmäßige Fellpflege über die Physiotherapie bis hin zu mehr Abwechslung beim Spiel - unter dem Stichwort Wellness lässt sich alles zusammenfassen, was zum Wohlbefinden der Tiere beiträgt. Dieses weite Feld bietet dem Zoofachhandel/Hundesalon vielfältige Möglichkeiten.
Die pauschale Aussage: „Alle meine Artikel fördern das tierische Wohlbefinden“ mag zwar in dem einen oder anderen Fall durchaus zutreffen, wäre jedoch in der Kommunikation gegenüber den Kunden wenig glaubwürdig.
Das Hervorheben einzelner Artikel, deren Wellness-Effekt für den Kunden nachvollziehbar vermittelt werden kann, ist weitaus sinnvoller. Eine intensive Auseinandersetzung mit entsprechend geeigneten Artikeln ist unabdingbar, will man sich als kompetenter Wegweiser im Angebotsdschungel profilieren.
Eine reine Etikettierung von ausgewählten Wellness-Produkten ohne begleitende Information und/oder ausführliche Beratung birgt Gefahren: Sie setzt nicht gekennzeichnete Produkte zum Teil grundlos herab, außerdem hilft sie dem Orientierung suchenden Kunden nicht wirklich weiter, denn jeder Hund/jede Katze ist anders, ebenso wie man deren Lebensumstände und Halter nicht über einen Kamm scheren kann. Wer Wellness der Selbstbedienung überlässt, unterscheidet sich nicht vom Lebensmittelhändler!
Themen bündeln
Einige Themen eignen sich besonders gut, um unter dem Stichwort Wellness zum Beispiel in einer zeitlich befristeten Aktion herausgestellt zu werden:
gesunde Belohnung, Pflegemittel/Ungezieferbehandlung, Ruheplätze, Wellness-Behandlung.
- Unter dem Thema „gesunde Belohnung“ lassen sich zum Beispiel Produkte in einer Zweitplatzierung bündeln, die sich durch einige oder alle folgenden Kriterien auszeichnen: keine Farb- und Geschmackstoffe, keine Konservierungsmittel, fettreduziert, angereichert mit Vitaminen/Mineralstoffen, mit Zahnpflegeeffekt etc.
- Das Thema „Pflegemittel/Ungezieferbehandlung“ lässt sich besonders gut saisonal in einer Aktion umsetzen, im Frühjahr (Flöhe/Zecken vorbeugen/bekämpfen, Fellwechsel unterstützen), im Sommer zu Beginn der Badesaison (milde Shampoos mit stark rückfettender Wirkung, Pflegemittel für Ohren).
- Auch „Ruheplätze“ ist ein nicht zu unterschätzendes Wellness-Thema. Viele Halter wissen gar nicht, welchen Wohlfühl-Effekt sie für ihren Hund oder ihre Katze durch geeignete Ruheplätze schaffen können. Ein einziges Körbchen entspricht meist nicht den tatsächlichen Bedürfnissen, mehrere steigern das Wohlbefinden erheblich. Hundekörbe und -betten sollten groß genug sein, damit der Hund lang ausgestreckt darin liegen kann. Schlafplätze für Katzen sollten in offener und geschlossener Form und in verschiedenen Höhen (Katzenbäume) zur Verfügung stehen. Eine Beratung über die Vorteile der verschiedenen Materialien sowie über Standortfaktoren (keine Zugluft etc.) darf nicht fehlen.
- Themenpräsentationen sollten grundsätzlich mit kurz gefassten begleitenden Informationen abgerundet werden. Selbstverständlich müssen die Mitarbeiter/innen über das notwendige Wissen verfügen, um Fragen kompetent beantworten zu können. (vg)
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Ungeachtet solcher Nischenprodukte wird die Nachfrage nach vollwertiger gesunder Tiernahrung in den kommenden Jahren steigen, denn Wellness ist Trumpf und Vorbeugung Pflicht. Allein der Markt für Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren etc.) und Naturmedizin (Phytotherapeutika, Schüssler-Salze für Heimtiere, homöopathische Präparate etc.) für Hund und Katze ist für Laien nicht mehr zu durchschauen. Dem Fachhandel bieten sich hier Chancen, deutlich an Profil zuzulegen. Zum Beispiel könnte er maßgeschneiderte „Ernährungsberatung“ unter Wellness-Aspekten in sein Repertoire aufzunehmen. Denkbar wäre es auch, mit einem ortsansässigen Tierheilpraktiker oder Tierarzt zu kooperieren oder Ernährungstipps für bestimmte Tier-Zielgruppen bereit zu halten.
Die kleinen Dinge machen den (Wohlfühl-)Unterschied
Neben dem wichtigen Bereich „Futter“ boomen ebenfalls Zubehörartikel, die das Wohlbefinden von Hunde und Katzen im Fokus haben. Sie reichen von Pflegesets für glänzendes Fell, gepflegte Zähne, saubere Ohren und Augen über extra geschmeidige Halsbänder, kleine Wellness-Dinkel-Kissen, atmungsaktive und feuchtigkeitsregulierende Decken, Betten und Mäntel, Musik-CDs zur Entspannung, Ratgeberbücher und das Katzenklo zum Wohlfühlen bis hin zum kompletten „Wellness-Center“, das die Katze massiert und ihr Zahnfleisch stimuliert. Der Markt mit dem Wohlgefühl scheint schier unerschöpflich, umso wichtiger wird der Durchblick, den der Fachhändler für seine Kunden behalten muss. Viele Artikel werden ebenso schnell vom Markt verschwinden, wie sie im Zuge des Wellness-Hypes aufgetaucht sind. Andere finden und behalten ihre Berechtigung. Sie gilt es, gezielt ins Sortiment aufzunehmen, entsprechend zu platzieren und interessierte Kunden umfassend zu beraten.
 | | Katzenbäume schonen nicht nur das Mobiliar, auch als Wellness-Faktor sind sie für Samtpfoten unentbehrlich. |
Pfötchenhotel und Ohren-Reflexzonenmassage
Nach dem Motto „Was dem Menschen beim Gesundwerden und Gesundbleiben hilft, ist auch für Tiere gut“ bieten Hundesalon und Urlaubshotel spezielle Wellness-Pakete auch für Vierbeiner an. Ganz gleich, ob im Pfötchenhotel oder in Österreichs Alpenlandschaft: Frauchen lässt sich im Wellness-Studio verwöhnen und nimmt ihren vierbeinigen Anhang gleich mit. Bei gesunden Tieren umfassen Fitness-, Vorsorge- und Intensivleistungen vor allem Massagen (Rücken- und Ganzkörpermassagen sowie Pfoten- oder Ohrenreflexzonenmassagen), Wasser- und Thermalanwendungen sowie Stretching. Aber auch Diäten, Akupunktur und Präventionswochen sind zu haben. Bei gesundheitlich angeschlagenen und alten Tieren arbeiten sie mit physiotherapeutischen Methoden. Komplementärmedizinische Therapien, zu denen neben Homöopathie, Bachblütentherapie und Akupunktur auch Bioresonanztherapie, Farbtherapie, Phytotherapie, Kinesiologie und Shiatsu zählen, stoßen bei Heimtierhaltern auf wachsendes Interesse und werden selbst von Schultiermedizinern immer häufiger angeboten.
Denkbar wären lohnende Kooperationen zwischen Hundesalon/Zoofachhändler und Urlaubshotel bzw. Therapiezentrum und natürlich auch zwischen Heimtierpflegesalon und Zoofachhändler. Der Experte kann seine Kunden über seriöse Anbieter informieren, eventuell Empfehlungen aussprechen und nach Rückkehr von Mensch und Tier gegebenenfalls bei der Umsetzung von Therapie- oder Ernährungsplänen behilflich sein.
Styling sorgt für Wohlbefinden
Ganz besonders vom Wellness-Trend können Hundesalons profitieren. Allein die professionelle Pflege von Fell, Pfoten, Ohren und Augen sowie die Ungezieferbehandlung dienen dem Wohlbefinden der Tiere. Denn vor allem während der warmen Jahreszeit profitieren Hunde mit mittellangem und mit langem Fell nachweislich von einer Schur bzw. vom Trimmen und zeigen dies durch erhöhte Aktivität - nicht selten auch durch gesündere Haut. Dass es beim Hundefriseur nicht bloß um Schönheit, sondern gleichermaßen um Wellness-Vorteile für Tier und Halter geht, hat sich noch nicht überall herumgesprochen und ist eine Kommunikationsaufgabe jedes Unternehmens. Ebenfalls Wohlfühl-Charakter haben zusätzliche Leistungen wie Ernährungsberatung, der Verkauf von Zubehör wie Pflegeprodukte, Halsbänder, Geschirre, Leinen und Bekleidung.
 | | Im wahren Sinn des Wortes „passende“ Halsungen, Geschirre und Leinen tragen zum Wohlbefinden von Hund und Halter bei. |
Hundebekleidung wird vielfach als modischer Spleen einiger Halter angesehen und als „nicht artgerecht“ verurteilt. Sie kann aber durchaus praktizierter Tierschutz sein! Wenn der Hund durch die Kleidung nicht in seiner Bewegungsfreiheit und Sinnesaufnahme beeinträchtigt wird, bieten Hundemäntel und -schuhe als Wetterschutz beträchtliche Wohlfühl-Vorteile bis hin zum Schutz vor Entzündungen der Blasen und Nieren. Modische Accessoires in Form von Pullovern und Kleidern können Hunden mit ausgeprägtem Kälteempfinden (Rassen mit kurzem Fell und wenig bzw. keiner Unterwolle, kurzbeinige kleine Rassen, Junghunde) Komfort verschaffen.
Der Markt fürs Wohlbefinden wird in den kommenden Jahren für Hund und Katze noch weiter wachsen, nicht trotz, sondern auch wegen der Konjunkturkrise. Gerade in harten Zeiten sind kleine Inseln des Wohlgefühls gefragt. Und was man sich selber gönnt, soll auch dem geliebten Tier zugute kommen. Nur: Wer weiß schon, was dem Tier wirklich gut tut und was statt Wellness lediglich Wellnepp ist? Deshalb sind kundige Begleiter durch das Dickicht gefragter denn je. (Marion Raschka)
Quelle: ZZA 5/2007 Seite 18 |