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Branchenbericht
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Hundebekleidung

Mode für Hunde: Viel mehr als eine Geschmacksache

Über den Zwergpinscher im Ballerina-Kleidchen oder die englische Bulldogge im Humphrey-Bogart-Trenchcoat kann man geteilter Meinung sein. Doch ob im Partner-Look mit Frauchen oder im High-Tech-Wettermantel: Hundebekleidung kann sehr sinnvoll sein und ist ein Markt mit Potenzial.

Wem’s gefällt… für den Hund macht es keinen Unterschied, ob die Kleidung nun Wetterschutz ist oder zusätzlich schön im Auge des zweibeinigen Betrachters.

Friederike K. de Jong von Knebel ist mit ihrer Marke Koko von Knebel spätestens seit der Vox-Serie „Deutschland sucht den Superhund“ in aller Munde. Als Jury-Mitglied bewertete sie die tierischen Kandidaten bei den verschiedenen Wettbewerben. Eine Modenschau gehörte natürlich auch dazu. Koko von Knebel steht für Mode und Designer-Zubehör rund um den Hund; als Großhändler, Online-Shop und mit Boutiquen auf Sylt, in Hamburg, Kiel, Berlin und Düsseldorf wendet sich das Unternehmen an eine offensichtlich wachsende Klientel, die weniger auf den Euro als auf ästhetisch anspruchsvolles Zubehör achtet.

Koko von Knebel ist nur ein besonders bekannt gewordenes Beispiel für Designerchic rund um den Hund. Die V.I.Pets-Boutiquen setzen auf diesen Trend ebenso wie die Shops mit luxuriösem Zubehör in etlichen Zoofachgeschäften. Modeschauen für den Hund finden auf Verbraucherausstellungen großen Zulauf und werden auch im Zoofachhandel sowie in Hundesalons als Kundenattraktion durchgeführt. Nach Ansicht der Marktforschungsexperten von Euromonitor International wird die Nachfrage nach Kleidung und Accessoires im Heimtiermarkt weltweit wachsen. Eine Vielzahl von Anbietern, von Modegrößen wie Hermes und Gucci bis hin zu chinesischen Massenfabrikanten decken die Nachfrage nach Edlem, Praktischem oder Kitschigem. Im Bonusprogramm einer britischen Fluglinie finden sich Mäntel sogar für Frettchen, gefertigt unter der Lizenz einer renommierten Marke aus dem Modemarkt für Zweibeiner. Das ist mehr als ein netter PR-Gag. Lifestyle-Marken entsprechen mit dem Angebot an Kleidung und Zubehör für Heimtiere zweifellos den Wünschen ihrer Kunden. Nach Ansicht von Euromonitor stoßen sie damit sogar die Tür zu einem Zukunftsmarkt auf. Denn nach Ansicht der Marktforscher tragen gerade die Mega-Marken (darunter sind Marken zu verstehen, die überall auf der Welt bekannt und begehrt sind) zum Wachstum dieses Marktes bei. Als Beispiel führt Euromonitor Nike und Adidas an, denen sie eine starke Nachfrage nach ihren Heimtierartikeln prognostizieren.

Typisch deutsch?

Gemessen an vielen anderen Ländern ist Deutschland in Sachen Hundebekleidung beinahe noch ein Entwicklungsland. In Japan, China, den USA oder auch in England und Italien spielt das Ausstaffieren der Vierbeiner eine wesentlich größere Rolle und wird allem Anschein nach lustvoller und weniger kritisiert ausgelebt. Dort werden neben Mini-Hunden auch Deutsche Doggen ganz selbstverständlich im modischen Chic ausgeführt. In diesen Ländern gilt die Promi-Göre Paris Hilton nicht deshalb als „schlechte Tierhalterin“, weil sie ihre Chihuahuas anzieht und im Täschchen mit sich herum trägt, sondern weil sie ihre zu groß (oder zu dick?) gewordenen Vierbeiner abgeschoben haben soll.

Eine Hundemodenschau gehört zu den Attraktionen der hanseTier in Hamburg-Schnelsen.

Wer seinen Vierbeiner anzieht, wird in Deutschland oft als „Spinner“ belächelt, wenn nicht gar als Tierquäler abgestempelt. Wer seinem frisch geschorenen Königspudel einen Mantel anzieht, braucht beim Gassigehen viel Selbstbewusstsein. Publikumsmedien ergötzen ihre Zuschauer gern mit exzentrisch anmutenden menschlich-tierischen Beispielen, die diesen Eindruck unterstreichen. Wenn gut betuchte Damen in TV-Sendungen bekennen, monatlich 300 Euro oder auch mal (wesentlich) mehr nur für die Ausstaffierung ihres Lieblings auszugeben, schwingt in den Kommentaren unterschwellig bis deutlich der Vorwurf der pervertierten Tierliebe mit. Dazu passt der bierernst erhobene Zeigefinger von Tierschutzorganisation, die vor „Tierquälerei“ durch Bekleidung und modischen Schnickschnack warnen.

Es steht außer Frage, dass nicht alles, was dem Menschen gefällt, auch gut für sein Tier ist. Doch lässt sich Bekleidung nicht grundsätzlich als tierschutzwidrig abtun. Es gibt einige Punkte zu beachten: Bekleidung sollte weder die Bewegung noch die Sinneswahrnehmung der Tiere behindern, sie sollten sich nicht darin verheddern oder damit strangulieren können und natürlich muss darauf geachtet werden, dass der Hund nicht Teile der Bekleidung frisst. Darüber hinaus ist Bekleidung - egal ob als Wetterschutz oder modisches Accessoire - nicht schädlich.

Ein Wetterschutz darf auch modisch sein

Es gibt sogar gute Gründe für das Bekleiden von Hunden, vor allem bei Nässe und im Winter. Hunde, die im Haus leben, frieren bei feucht-kalter Witterung draußen nicht weniger als der Mensch. Schließlich hat die Natur Temperaturunterschiede nicht vorgesehen, wie sie im Winter zwischen der warmen Wohnung (dem Lieblingsplatz am Ofen!) und im Freien herrschen. Noch dazu hat die Natur langsames Gassigehen an der Leine bei Frost nicht vorgesehen. Sehr viele Hunderassen haben zuchtbedingt kein „ursprüngliches“ Fell mit Unterwolle und längeren, härteren Deckhaaren. Man braucht nicht erst den Chinesischen Schopfhund in seiner „nackten“ Form als Beispiel heranzuziehen: Boxer, Dalmatiner, Dobermann und Weimaraner - allesamt weder Schoßhündchen noch der Qualzucht verdächtig - haben kurzes, zum Teil sehr feines Fell ohne ausreichende Unterwolle. Hunderassen, die ursprünglich in wärmeren Gefilden gezüchtet wurden, dazu zählen u.a. verschiedene Windhundrassen, verfügen über wenig oder kein Unterhautfettgewebe, das sie vor Nässe oder Kälte schützen könnte. Solche Hunde sollten frostigen Temperaturen nicht ungeschützt über längere Zeit ausgesetzt werden. Kleine Hunde bzw. solche mit kurzen Beinen können durch einen Hundemantel vor Auskühlung (zum Beispiel durch nasses Bauchfell) und damit vor Blasen- und Nierenentzündungen geschützt werden. Ein Yorkshire-Terrier im Wettermantel hat keinen verrückten Besitzer, sondern einen mit Verstand. Gleiches gilt generell für junge Hunde, deren Fell seine volle Schutzwirkung noch nicht erlangt hat, also auch für mittel- und langhaarige Hunde.


Modische Hundebekleidung gehört zum Angebot von for pets only.

Boutique für den Vierbeiner: V.I.Pets.

Auch im Hundesport haben Mäntel eine größere Berechtigung, als ihnen in der Regel zugestanden wird. Was für den sportlichen Zweibeiner selbstverständlich ist, nämlich Warmhalten der Muskulatur, gilt auf dem Hundeplatz noch oft als Inbegriff der Verweichlichung. Dabei kann ein sportlich geführter Hund, ob beim Agility, beim Flyball, bei Schutzdienstturnieren oder Windhunderennen, einen Mantel sehr gut brauchen. Zwischen aktiven Einsätzen liegen meist Wartezeiten, in denen ein entsprechend funktionaler Hundemantel die Muskulatur warm hält und das Verletzungsrisiko minimiert.

Für den Hund macht es keinen Unterschied, ob seine Wetterkleidung nun zusätzlich zu ihren Schutzfunktionen noch das Auge des Besitzers erfreut oder nur praktisch ist. Wenn modische Aspekte Hundebesitzer eher dazu bringen, ihre Hunde vor Witterungseinflüssen zu schützen - umso besser. (vg)

Quelle: ZZA 5/2007 Seite 28