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zza-Serie: Die „neuen“ Nager - Teil 8 Kleinsäuger auf dem Weg zum Heimtier - Buschschwanz-Rennmäuse
Kleintierexpertin Anne Weber, Redakteurin des monatlich im Natur und Tier-Verlag erscheinenden Spezialmagazins „Rodentia“ stellt in dieser Folge der zza-Serie Buschschwanz-Rennmäuse vor.
Ein äußerst hübscher Exot eroberte in den letzten Jahren – versteckt hinter einer verwirrenden Namensvielfalt – die Terrarien einiger Kleinsäugerfreunde und wird seither erfolgreich gepflegt und nachgezogen: Sekeetamys calurus – so die eindeutige wissenschaftliche Name des Nagers – wurde in Fachkreisen u. a. unter den Bezeichnungen „Bilchrennmaus“ und „Quastenschwanzrennmaus“ bekannt. Als gebräuchlichster deutscher Artname setzte sich im Laufe der Zeit „Buschschwanz-Rennmaus“ durch, welcher daher auch im Folgenden Verwendung finden soll.
Die verschiedenen anschaulichen Begriffe sind der beste Hinweis darauf, dass diese mittelgroße Rennmaus durch ein besonders auffälliges Merkmal gekennzeichnet ist: Ebenso wie die Persische Rennmaus (Meriones persicus, siehe zza 2/2007, Seite 36ff) besitzt auch Sekeetamys calurus einen dicht behaarten Schwanz, welcher mit einer Quaste versehen ist. Die namensgebende Behaarung ist hier noch deutlich stärker ausgeprägt als bei Meriones persicus. Weshalb aber auch sonst keine Gefahr besteht, die beiden Rennmausarten zu verwechseln, erfahren Sie im nächsten Absatz.
 | | Fotos: Cynomys/A. Weber |
Biologie
Die Buschschwanz-Rennmaus nimmt innerhalb der Unterfamilie der Rennmäuse (Gerbillinae) eine eigene Gattung (Sekeetamys) ein. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 10 bis 12 cm und dem 13 bis 17 cm langen Schwanz ist sie zwar nur etwas kleiner als die Persische Rennmaus, aufgrund ihrer kürzeren Beine wirkt sie jedoch deutlich gedrungener. Während Buschschwanz-Rennmäuse in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nur maximal 50 g wiegen, erreichen sie in Menschenhand oft ein Gewicht von 80 bis 90 g.
Der gesamte Körper des Nagers ist von einem seidig weichen Fell bedeckt, welches auf der Oberseite gelblich- bis rotbraun, auf der scharf abgegrenzten Unterseite dagegen weiß gefärbt ist. Auf der Körperoberseite tritt häufig eine schwarze Färbung der Haarenden („Ticking“) auf. Die buschige Behaarung des Schwanzes ist dunkelbraun, die deutlich erkennbare Quaste wiederum weiß gefärbt. Charakteristisch für die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind neben den großen Augen und Ohren vor allem die extrem langen, antennenartig abstehenden Tasthaare, die der Orientierung in ihrem felsigen Lebensraum dienen.
 Adulte Buschschwanz-Rennmaus. |  Frisches Gemüse wird am besten in einem Tonnapf gereicht. |  Buschschwanz-Rennmäuse sind sehr neugierig. |
 Auch frische, belaubte Zweige (hier Birke) werden gern gefressen. |  Gräser sind eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. |  Buschschwanz-Rennmäuse klettern und balancieren ausgesprochen gut. |
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Buschschwanz-Rennmaus erstreckt sich vom Osten Ägyptens über die Halbinsel Sinai bis nach Südost-Israel und Jordanien und beinhaltet zudem ein Gebiet im zentralen Saudi-Arabien. Das bevorzugte Habitat des Nagers sind Halbwüstenlandschaften mit äußerst festem Boden und einem heißen, ariden (trockenen) Klima. Gelegentlich wird Sekeetamys auch in Gebäuden beobachtet.
In einem derart kargen Lebensraum darf man nicht wählerisch sein, um überhaupt genügend Nahrung zu finden. Die Buschschwanz-Rennmaus verschmäht daher weder Wurzeln, Gräser und Kräuter noch verschiedene Samen und Insekten. Auf ihrer nächtlichen Suche nach Fressbarem kommt der Rennmaus dabei ihre außerordentliche Gewandtheit zugute, mit der sie sich kletternd und springend fortbewegt.
| Die „neuen“ Nager |
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| Kleinsäuger liegen im Trend, vor allem bei Singles und Stadtmenschen. Doch Goldhamster, Rennmaus & Co. sind längst nicht mehr die einzigen Nager in deutschen Wohnzimmern. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe „exotischer“ Kleintiere, die auf dem Weg zum domestizierten Heimtier sind – wie einst der Goldhamster, der im Juni 1948 erstmals in Deutschland gehalten wurde. Unter den „neuen Nagern“ gibt es Arten aus allen Preissegmenten für Tierfreunde mit den unterschiedlichsten Interessen – einige davon sind vielleicht die Heimtiere der Zukunft… |
Die Hitze des Tages verschlafen die geselligen Nager in selbst angelegten Nestern unter überhängenden Steinen, in Höhlen oder Felsspalten. Dabei kuschelt sicht die klar strukturierte Familiengruppe oft eng aneinander.
Sekeetamys calurus kann in Menschenhand ein Alter von mehr als fünf Jahren erreichen.
Haltung und Ernährung
Aufgrund der beschriebenen Bewegungsfreude ist für die artgerechte Haltung von Buschschwanz-Rennmäusen vor allem die Größe und Gestaltung des Geheges entscheidend. Beachtet man diesen Aspekt, ist die Pflege der hübschen Rennmausart recht unkompliziert. Als Behausung eignen sich geräumige Terrarien oder Aquarien, da die Tiere hier vor Zugluft geschützt sind und Einstreu nicht herausgescharrt werden kann. Die Mindestmaße für die Haltung eines Pärchens oder einer kleinen Gruppe (bis zu vier Tiere) betragen 100 x 60 x 60 cm (Länge x Breite x Höhe). Möchte man eine Gruppe pflegen, sollte diese aus einem Männchen und zwei bis drei Weibchen bestehen, unter Umständen verstehen sich auch Wurfgeschwister des gleichen Geschlechts. Die Zusammenführung der (untereinander unbekannten) Tiere kann jedoch nur erfolgen, wenn diese gerade selbständig geworden sind. Die Vergesellschaftung adulter Individuen gelingt meiner Erfahrung nach fast nie, da es in den meisten Fällen sofort zu heftigen Beißereien kommt (andere Halter berichten dagegen auch von äußerst positiven Erfahrungen bei der Vergesellschaftung – Vorsicht ist jedoch in jedem Fall angebracht). Auch bei bisher harmonisch zusammenlebenden Familiengruppen kann es (vor allem bei Platzmangel) bisweilen zu plötzlichen (Rang-) Streitereien kommen. Bemerkt man bei einem der Pfleglinge Bisswunden (zunächst meist an Ohren oder Schwanz), muss die gesamte Gruppe genau beobachtet und gegebenenfalls getrennt werden, da einzelne Tiere sonst unter Umständen bis zum Tod gehetzt werden.
Da Buschschwanz-Rennmäuse vergleichsweise wenig graben, genügt ein Bodengrund von 7 bis 10 cm Höhe, welcher aus handelsüblicher Kleintierstreu oder – etwas natürlicher – aus einem Sand-Lehm-Gemisch bestehen sollte. Damit die Tiere ihr seidiges Fell pflegen können, ist ein großes, mit Chinchillasand befülltes Sandbad ein absolutes Muss. Fehlt den Rennmäusen diese Gelegenheit zum Sandbaden, verfettet ihr Fell zusehends und Erkältungskrankheiten werden begünstigt!
 Wird das Trockenfutter im Gehege verstreut, müssen die Nager sich ihre Nahrung – wie in der Natur – erst einmal sammeln. |  Die Mutter kümmert sich ständig um ihren nackten und blinden Nachwuchs. |  Neugeborene Buschschwanz-Rennmäuse an ihrem ersten Lebenstag. |
 Die sozialen Rennmäuse dürfen niemals einzeln gepflegt werden! |  Bald ist das Fell der Babys erkennbar. |  Jungtier im Alter von drei Wochen. |
Viele natürliche und einsturzsicher eingebrachte Kletter- und Versteckmöglichkeiten bilden die Einrichtung des Rennmausgeheges. Besonders geeignet sind hierfür Steine, dickere Äste und Wurzeln (beispielsweise aus dem Terraristik-Bedarf), Zweige, Ton- und Korkröhren, ausgehöhlte Kokosnüsse sowie Rindenstücke. Heu (wird auch gefressen), Stroh und Zellstoff sollte immer ausreichend vorhanden sein, die Nager nutzen diese Materialien bevorzugt als Nistmaterial. Auch wenn Sekeetamys hinsichtlich der Haltungstemperatur keine großen Ansprüche stellt, trägt ein über dem Gehege installierter 40-W-Strahler zum Wohlbefinden der Nager bei. Die Licht- und Wärmequelle muss jedoch in ausreichendem Abstand installiert sein und sollte eine exponierte Stelle (beispielsweise einen großen Stein) erwärmen, so dass die Tiere selbst entscheiden können, ob sie sich sonnen oder lieber einen kühleren Teil des Geheges aufsuchen wollen.
Das Zernagen von Plastik kann (durch das Aufnehmen der Splitter) bei den eifrig nagenden Buschschwanz-Rennmäusen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schädigungen führen, daher dürfen zur Einrichtung des Geheges keinesfalls Häuschen oder ähnliches aus Kunststoff verwendet werden.
Der Verdauungstrakt der Buschschwanz-Rennmaus ist optimal an die kargen Nahrungsbedingungen ihres Verbreitungsgebietes angepasst. Dies muss bei der Fütterung in Menschenhand unbedingt beachtet werden, denn bei falscher (zu gehaltvoller) Ernährung neigt Sekeetamys schnell zur Verfettung! Infolgedessen können beispielsweise Organschäden und eine Verkürzung der Lebensdauer auftreten.
Als Grundfutter eignet sich eine Mischung aus Kanarienfutter und Grassamen, zudem erhalten die Tiere täglich Frischfutter in Form von Gemüse (z.B. Möhre, Gurke, Paprika, Broccoli etc.) und Obst (in geringen Mengen, z.B. Apfel, Birne etc.) sowie verschiedenen Gräsern und Kräutern. Auch Salat (vorzugsweise Feld- und Endiviensalat) wird gern genommen. Ein bis zwei mal pro Woche sollte tierisches Eiweiß auf dem Speiseplan stehen, am besten eignen sich hier Grillen oder Heimchen, die von den Rennmäusen mit Begeisterung selbst erjagt werden und so für Beschäftigung und Bewegung sorgen. Ersatzweise können ab und an auch Mehlwürmer, hochwertiges Katzentrockenfutter oder Eifutter (für Ziervögel) gereicht werden.
| Im nächsten zza: Stachelmäuse (Folge 9) |
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Mehr über Buschschwanz-Rennmäuse als Heimtiere finden Sie in dem Buch „Kleinsäuger im Terrarium“ von Christian Ehrlich (Natur und Tier - Verlag) sowie in der Zeitschrift „Rodentia“ aus dem gleichen Verlag.
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Obwohl Buschschwanz-Rennmäuse, die regelmäßig Grünfutter erhalten meist wenig trinken, muss den Tieren ständig frisches Wasser (in einer Nippeltränke) zur freien Verfügung stehen.
Die bevorzugte Fütterungszeit für Sekeetamys calurus sind die (späten) Abendstunden, da die Tiere ihrer natürlichen Verhaltensweise nach auch in Menschenhand vorwiegend abends und nachts aktiv sind. Dies erklärt auch, warum die niedlichen Tiere als Heimtiere für jüngere Kinder nur wenig geeignet sind: Mit viel Geduld ist es zwar möglich, die agilen Rennmäuse Futter- bzw. handzahm zu machen, fühlen sie sich aber im Schlaf gestört, wird der „Eindringling“ – in diesem Fall die menschliche Hand – durchaus durch Zwicken aus dem Nestbereich vertrieben.
Zucht
Unter optimalen Haltungsbedingungen ist die Nachzucht von Buschschwanz-Rennmäusen recht unproblematisch. Möchte man die hübschen Nager nachziehen, vergesellschaftet man am besten gerade selbständig gewordene, blutsfremde, gesunde Tiere. Im Alter von drei Monaten setzt die Geschlechtsreife ein, bei sehr jungen Müttern kann es jedoch vorkommen, dass der erste Wurf nicht aufgezogen wird. In Menschenhand können die weiblichen Tiere das ganze Jahr über werfen, dabei werden pro Wurf zwei bis sechs Jungtiere (durchschnittlich drei) geboren. Als typische Nesthocker werden Buschschwanz-Rennmaus-Babys blind, taub und nackt geboren und sind in den ersten Wochen völlig auf die Fürsorge der Mutter angewiesen. Schon kurz nach der Geburt dürfen auch der Vater und die restlichen Familienmitglieder im gemeinsamen (Wurf-)Nest schlafen. Manchmal kommt es vor, dass weibliche Tiere, die etwa gleichzeitig werfen, sich die Jungen gegenseitig stehlen und immer wieder ins eigene Nest transportieren. Dabei kann es unter Umständen zum Verlust von Jungtieren kommen, mehrfach konnte jedoch auch beobachtet werden, dass die Mütter ihren Nachwuchs schließlich gemeinsam im selben Nest aufzogen. Mit vier bis sechs Wochen sind die Jungen schließlich selbstständig, von den Eltern getrennt werden sollten sie jedoch erst mit frühestens sieben Wochen. (Anne Weber)
Quelle: ZZA 5/2007 Seite 74 |