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Fachhandelswissen Wenn die Gelenke streiken: Arthrose
„Mein Hund humpelt“ oder „Haben Sie nicht was zur Vorbeugung gegen Arthrose“ sind Fragen, mit denen Hundehalter nicht selten erst beim Fachhändler vorstellig werden, bevor sie zum Tierarzt gehen. Gut zu wissen also, was es mit dem Gelenkverschleiß auf sich hat und was sich tun lässt. Tatsächlich lässt sich Arthrose zwar nicht heilen, doch zur Vorbeugung und Unterstützung einer tierärztlichen Therapie hat der Zoofachhandel entsprechende Präparate in seinem Sortiment.
von Dr. Rolf Spangenberg
 | | Bundesweit bekannt wurde der Tierarzt Dr. Rolf Spangenberg durch Funk und Fernsehen. Seit dem Jahr 2000 beantwortet er in der Online-Tierpraxis des ZZF die Fragen unzähliger Tierhalter. Jährlich gehen knapp 3.000 Anfragen bei der Online-Tierpraxis des ZZF ein. Die Heimtierhalter wissen offensichtlich zu schätzen, seine kompetente und un-abhängige Meinung schnell (und kostenlos!) einholen zu können. Fragen zur Arthrose werden relativ häufig gestellt. |
Sobald bei einer Maschine Reibung entsteht, kommt es trotz aller Schmierung und gehärteten Lagern zur Abnutzung. Eines Tages klappert alles und das Teil muss ausgewechselt werden. Bei Mensch und Tier ist das grundsätzlich anders. In den Gelenken sind die Knochen vom elastischen Knorpel überzogen, der wird von der ihn umgebenden Gelenkflüssigkeit (= Synovia) ernährt und immer wieder aufgebaut. Die Bewegung führt also nicht zur Abnutzung, im Gegenteil, abgeschilferte Knorpelzellen werden gerade bei mäßiger Bewegung immer wieder schnell ersetzt. Gelenke sind also Lagerstellen mit automatischer Schmierung und Regeneration, was den Neid eines jeden Ingenieurs erregen muss.
Leider, leider funktioniert das nicht immer. Bei stärkerer Beanspruchung oder gar Unfällen, kommt es zu Knorpelverlusten, die der Körper nicht mehr ausgleichen kann. Es gibt auch Erkrankungen, die zur Knorpelschädigung führen. Der Knorpel wird dann abgebaut, Knochen reibt schmerzhaft auf Knochen, Wucherungen zerstören das Gelenk – das nennt man chronische Gelenksentzündung oder Arthrose, eine Geißel für Mensch und Tier!
Die Arthrose ist grundsätzlich unheilbar, man kann ihr aber vorbeugen und den entzündlichen Gelenkabbau medikamentös lindern. Schlimmstenfalls bleibt der komplette Ersatz durch Kunstgelenke eine Option.
Vorbeugung
Eine gute Vorbeugung besteht in häufiger leichter Bewegung ohne Überbeanspruchung. Es wäre also falsch, Hunde vorsorglich im Hause zu halten und sie nicht nach Belieben laufen zu lassen. Im Gegenteil, wenn Hunde – oder Menschen – aus Krankheitsgründen Gelenke nicht bewegen können, kommt es leicht zur Versteifung und Arthrose.
Da eine eindeutige erbliche Veranlagung besteht, sind die Züchter aufgerufen, auf die Gelenksgesundheit ihrer Hunde zu achten und Arthrotiker grundsätzlich von der Fortpflanzung auszuschließen.
Bei großen Rassen spielt das Futter eine wesentliche Rolle. Es sollte viel Kalzium und Vitamin D enthalten. Außerdem macht sich die Verfütterung der sehnigen Anteile des Fleisches gut, die von Hunden meist gern aufgenommen werden. Man kann auch Futterzusätze auf Gelatinebasis geben – beim Menschen sind Gummibärchen ebenso gut wie Gelatinekapseln!
Zur Vorbeuge und schon beim Anfang einer Arthrose gibt es gute Zusatzfuttermittel, die Mineralstoffe und Vitamine enthalten. Besonders bewährt haben sich die meist etwas teureren Präparate, die Extrakte der Grünlippenmuschel enthalten. Ihr Effekt übertrifft den reiner Kalziumzusätze bei weitem.
Behandlung
Hunde können ihre Schmerzen bei der Bewegung meist sehr gut und auffallend lange verbergen. Sie sind nicht wehleidig und wollen auf jeden Fall noch mit auf den Spaziergang. Es gilt also die Grundregel, dass eine leichte Lahmheit bei Hunden nie auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Endgültige Klarheit schafft dann die Röntgendiagnose durch den Tierarzt.
Es gibt inzwischen zahlreiche auf Tiere spezialisierte Physiotherapeuten, die viel Gutes bewirken können. Auch Naturheilmittel haben bei der Behandlung einer Arthrose ihren Platz. Wärme macht sich gut, Schwimmen im warmen Wasser noch mehr – mir sind Hundehalter bekannt, die wegen ihrer arthrotischen Hunde extra an tropische Meere fuhren!
Irgendwann helfen aber nur noch Präparate, die nachweisbar Entzündung und Schmerz lindern. Achtung: Bewährte Mittel für Menschen führen bei Hunden innerhalb weniger Stunden zu blutenden Magengeschwüren! Es müssen also unbedingt für Hunde zugelassene Präparate sein! Entgegen früherer Ansicht gibt man sie heutzutage kurmäßig, also nicht nur von Fall zu Fall bei Schmerzattacken!
Als letzte Lösung bleibt dann – wie beim Menschen – nur noch der komplette Gelenksersatz. Das ist in spezialisierten Kliniken beim Hüftgelenk fast schon Routine, für Kniegelenke aber erst neuerdings möglich.
Quelle: ZZA 8/2007 Seite 40 |