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Frettchen im Zoofachhandel?

Punkten kann man mit den süßen Raubtieren nicht

Keine Frage: Es gibt Zoofachhändler, die Frettchen in ihren Geschäften führen und anbieten. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) vertritt allerdings die Meinung, dass Frettchen dort nicht artgerecht untergebracht werden können; seine Mitglieder verzichten auf den Verkauf von Frettchen.

Mit dieser Position steht der ZZF im Einklang mit Tierärzte-Verbänden, wie zum Beispiel dem Bundesverband beamteter Tierärzte e.V. (BbT) und der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) und erst recht mit Tierschutzorganisationen und den speziellen Frettchenhilfen und -clubs. Die Frettchenhilfe von Heike Fischer zum Beispiel verweist auf ihrer Webseite extra auf die Position des ZZF und dankt einzelnen Zoofachhändlern namentlich dafür, dass sie keine Frettchen anbieten.

Die Ablehnung des Tierverkaufs in Zoohandlungen durch Tierschützer ist zum Teil grundsätzlicher Natur und bekannt. Sie ist zumindest bezüglich der Tierarten, die der ZZF als unproblematisch und empfehlenswert für die Heimtierhaltung einstuft, nur insofern nachvollziehbar, als hier „schwarze Schafe“, Börsen und Vermehrer in einen Topf geworfen werden. Schlechte Erfahrungen mit der Tierhaltung, fehlende Sachkunde in der Beratung durch einzelne Verkäufer in Geschäften, auf Börsen oder Tiermärkten werden bekanntlich nicht selten verallgemeinernd der ganze Branche zu Last gelegt. Dies mag in punkto Frettchen auch eine Rolle spielen (Forumsbeiträge im Internet verweisen auf Verkäufer, die die Haltungsansprüche von Frettchen zumindest „schön reden“).

Im Fall der Frettchen sind ihre Vor­behalte allerdings berechtigt, wie auch die Aussagen der BbT-Vizepräsidentin Dr. ­Cornelia Rossi-Broy und von Anke Beuch-Ahrendt, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises 8 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) in dieser Ausgabe zeigen.

Frettchen sind „so süß“

Frettchen sind in den USA, Großbritannien und Australien längst ein Modetier. Nicht umsonst gilt der EU-Heimtierpass auch für Frettchen; eine britische Fluggesellschaft hat ihr Flugmeilen-Bonusprogramm bereits auf Frettchen ausgeweitet, Besitzer können für ihre viel reisenden Frettchen Fliegerjacken und ähnlichen Schnick-Schnack erwerben. Auch in Deutschland ist das Frettchen zu einem Trendtier geworden. Nicht zuletzt, weil Printmedien und das Fernsehen den domestizierten Marder als überaus attraktives Heimtier vorstellen. Dies darf nicht darüber ­hinwegtäuschen, dass es offensichtlich schwer wiegende Missverhältnisse gibt zwischen dem Bild, das sich Interessierte von dieser Tierart machen und der tatsächlichen Natur der Frettchen.

Frettchen im Zoofachhandel?

Die Frettchenhaltung ist generell eine sehr anspruchsvolle Haltung, die nur in fachkundige erfahrene Hände gehören sollte.

Frettchen sind keine üblicherweise über Zoofachhandel gehandelte Tiere. Wer Frettchen zur Schau stellen und verkaufen möchte, sollte sich zunächst sachkundig machen.

Frettchen sind an sich sehr anspruchvolle Tiere, die spezielle Kenntnisse auf der Seite der Halter abverlangen.

Auch im Zoofachhandel, in einer vorübergehenden Haltung, muss den possierlichen und quirligen Tieren z.B. der benötigte lang ausgedehnte, möglichst weiträumige Auslauf gewährt werden. Die Inneneinrichtung der Käfige ist aufwendig zu gestalten, damit die neugierigen Tiere ausreichend Abwechslung haben.

Die Pflege der Tiere ist ebenfalls aufwendig, da sie eigentlich nie richtig stubenrein werden und sich immer selbst das Plätzchen für den „Toilettengang“ aussuchen, und der darf ruhig immer wieder mal woanders sein. Weiterhin verschleppen Frettchen ihr Futter, oder horten es in ihrer Schlafbox. Schon lange bevor die Tiere geschlechtsreif sind, setzen Fähen wie Rüden kleine Kothaufen und Harn zur Markierung ihres Reviers ab. Werden Kämpfe unter den Tieren ausgefochten, entleert das unterlegene Tier Blase, Darm und Analdrüse. Das bedeutet, dass die Anlage ständig nach Futterresten und nach Exkrementen abgesucht werden muss.

Neben diesen hygienischen und haltungsbedingten Aspekten sind die aus dem Verhalten des Tieres resultierenden Probleme nicht zu unterschätzen. Frettchen sind nicht sehr einfach zu gesellen. Nicht jedes Frettchen, unabhängig von Geschlecht und Alter, kann mit einem anderen Frettchen leben. Zwangsweise zusammengeführte Tiere können gefährliche Kämpfe ausfechten, so dass man sie nicht unbeaufsichtigt in der Anlage lassen kann. Sie gewöhnen sich zuweilen auch sehr schwer an das Verhalten anderer Artgenossen. Frettchen haben ein ausgesprochenes Trauerverhalten: wenn ein gewohntes Tier plötzlich fehlt oder krank wird, können sie in ein apathisches Futterverweigerungsverhalten fallen, aus dem sie nur mir tierärztlicher Hilfe und intensivster Pflege des Besitzers herauskommen.

Nicht artgerecht gehaltene oder zu selten aus dem Käfig gelassene Tiere können bissig werden.

Nicht nur wegen der genannten Gründe sind Frettchen keine Tiere für „Nicht-Spezialisten“. Frettchen muss man „kennen“: bedingt durch ihr eingeschränktes Mienenspiel, lässt sich das Befinden des Tieres schwer erkennen. Z. B. kann Schwanzwedeln spielerisches aber auch ernsthaftes Beutegreifverhalten bedeuten. Außerdem können Frettchen lange Krankheiten überspielen.

Zusammenfassend muss man festhalten, dass Frettchen sich aufgrund ihrer sehr anspruchsvollen Haltungsbedürfnisse (Haltung, Fütterung, Hygiene) und ihres Verhaltens nicht für eine vorübergehende Haltung in Zoofachgeschäften eignen. Sehr spezielle Kenntnisse werden vom Zoofachhändler abverlangt, der nicht nur eine artgerechte Haltung der Tiere für den Zeitraum bis zum Verkauf gewährleisten muss, sondern auch als Vorbild und Berater für den Kunden zur Verfügung stehen sollte.

Dr. Cornelia Rossi-Broy, Vizepräsidentin des Bundesverbandes beamteter Tierärzte e.V. (BbT)

Tatsächlich ist es schwer, sich dem Charme von Frettchen zu entziehen. Sie sind quirlig, neugierig, flink und verspielt, können verschmust und anhänglich sein, lieben Hängematten und Kuscheldecken, Leckerlis und Streicheleinheiten, wilde Spiele mit ihren Haltern und ihren Art­genossen, sie entwickeln ausgeprägte Persönlichkeiten und können sehr zahm ­werden. Kuscheliges Fell, vorwitzig dreinschauende Knopfaugen - für Enthusiasten das perfekte Heimtier. Nur eben ganz und gar kein Heimtier für jedermann, erst recht kein Kuscheltier für Kinder.

Dies hat zur Folge, dass immer mehr Frettchen in Tierheimen oder anderen Auffangstationen landen. Laut der Hamburger Arge Frettchen und anderer Einrichtungen, die sich speziell um Frettchen kümmern, hat sich die Abgabesituation in den vergangenen Jahren „dramatisch verschärft“. Besonders problematisch dabei: Nicht alle Tierheime sind für die Aufnahme von Frettchen eingerichtet, manche nehmen deshalb Frettchen gar nicht auf. Das Angebot an Frettchen (Würfe von Züchtern und Abgabetiere) übersteigt die Nachfrage durch geeignete Halter inzwischen bei weitem.

Nicht im kompetenten tierführenden Zoofachhandel

Dass Frettchen kein „Heimtier für jedermann“ und kein Kuscheltier für Kinder sind, würde per se noch nicht gegen eine Präsentation im Zoofachhandel sprechen. Wie zum Beispiel beim Chinchilla, wäre gerade der kompetente tierführende Zoofachhandel der ideale Anbieter, dessen sachkundige Beratung Interessierte mit falschen Vorstellungen aufklärt und gegebenenfalls vom Kauf abhält. Dennoch sind Frettchen im kompetenten Zoofachhandel nur sehr selten zu sehen. Dies gilt auch für die tierführenden Zoofachmärkte der Franchisegruppen und Kooperationen und hängt wesentlich damit zusammen, dass die Präsentation und Pflege dieser Tiere einen sehr großen Aufwand erfordert, was natürlich Auswirkungen auf die Kosten-/Nutzenrechnung hat.

Selbst jene Zoofachmärkte, die auf das „Erlebnis Heimtier“ setzen und zum Beispiel in der Aquaristik, Terraristik, Vogel- und Kleinsäugerhaltung keinen Aufwand scheuen, verzichten in der Regel auf Frettchen. Sicherlich nicht, weil sie deren Attraktivität unterschätzen! Wichtiger ist die Imagefrage.

Süß aber nicht unproblematisch und für die Präsentation im Zoofachhandel nicht zu empfehlen: Frettchen. Fotos: G. Kiefer/panthermedia

Die Haltung von Frettchenwelpen ist unter dem Aspekt der Sozialisierung ähnlich problematisch wie bei Hundewelpen. Bei adulten Tieren hat man die Wahl zwischen dem starken „Geruch“ der Rüden und der Gefahr der Dauerranz bei den Fähen oder der aus tierschutzrechtlicher Sicht um­strittenen Kastration. Alles Faktoren, die imageschädigend sein können.

Quelle: ZZA 9/2007 Seite 16