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Wintervogelfütterung

Start in die angepasste Ganzjahresfütterung

Wenn jetzt im Zoofachhandel die Angebote für die Winterfütterung heimischer Wildvögel zusammengestellt und in das Blickfeld der Kunden gerückt werden, ist der Zeitpunkt günstig, um Tierliebhabern die Vorteile der angepassten Ganzjahresfütterung nahe zu bringen.

Bei der Winterfütterung hat - ein Umdenken eingesetzt. Hieß es vor wenigen Jahren noch, die Fütterung sei nur bei anhaltendem Frost und geschlossener Schneedecke angeraten und sollte bei besserer Witterung unterbrochen werden, raten inzwischen auch Naturschützer und Vogelexperten dazu, die Winterfütterung im Oktober zu beginnen und dann konsequent bis Mai fortzusetzen. Hauptgrund dafür ist, dass die Vögel einen Futterplatz erst finden und sich an ihn gewöhnen müssen. Wird erst bei entsprechend schlechter Witterung mit der Fütterung begonnen, finden viele Vögel den Futterplatz gar nicht, da sie dann Energie sparen und keine weiten Flüge unternehmen. Insbesondere für die Insektenfresser ist eine solche Fütterungsphase sinnvoll, da sie schon bei Temperaturen um Null Grad kaum noch Nahrung finden.

Ebenso wie man bereits im Herbst Nistkästen aufhängen sollte, weil die höhlenbrütenden Vogelarten darin nächtigen, Schutz vor Kälte und Nässe finden und sich bis zum Frühjahr an diese angebotenen Brutplätze gewöhnt haben, ist auch die frühzeitige Winter- und erst recht die Ganzjahresfütterung eine sinnvolle Hilfe.

Ganzjahresfütterung bedeutet allerdings nicht, ganzjährig Wintervogelfutter anzubieten. Die fett- und energiereichen Sonnenblumenkerne oder Meisenknödel bzw. -ringe, sinnvoll zwischen Oktober bis April, haben zwischen Mai und September ausgedient. In der wärmeren Jahreszeit muss das Futter stärker auf die Bedürfnisse von Weichfressern bzw. von Jungvögeln ausgerichtet sein. Inzwischen gibt es etliche Produkte am Markt, die sich für die Sommerfütterung sehr gut eignen. Dazu gehören Volieren- und Gartenvogelfutter, das neben Backwaren, Beeren, Sämereien und Sojaöl auch tierisches Protein in Form getrockneter Insekten und Krebse bein­haltet sowie Futter mit Getreideflocken, naturreinen Fetten, Kleinsämereien, Hanfsamen und Mineralstoffen als Nahrungsergänzung für alle Körner- und Weichfresser während der wärmeren Jahreszeiten und insbesondere der Jungenaufzucht. Solches Futter soll Nahrungsknappheiten ausgleichen und während der Brutzeiten bessere Überlebenschancen für Jungvögel bieten.

Im Herbst die kommende Frühjahrssaison vorbereiten

Angepasste Ganzjahresfütterung - empfohlen von dem bekannten Ornithologen Prof. Peter Berthold - ist hierzulande ein noch weitgehend unbekanntes Thema, an das Vogelliebhaber erst noch herangeführt werden müssen. Deshalb erfolgt der Start in die angepasste Ganzjahresfütterung sinnvoller Weise im Herbst, wenn das Thema Wildvogel-Fütterung ohnehin in das Bewusstsein der Tierliebhaber rückt.

Prof. Peter Berthold hat zusammen mit Gabriele Mohr ein hochinteressantes Buch verfasst, das sich intensiv mit der Fütterung wild lebender Vögel auseinandersetzt: „Vögel füttern - aber richtig“ (Kosmos-Verlag Stuttgart, ISBN 3-440-10800-7). Dieses Buch passt ideal zu einer Ganzjahrespräsentation von Wildvogelfutter.

Gute Argumente von Fachleuten

Darin empfehlen Berthold und Mohr die Durchführung einer angepassten Ganzjahreszufütterung von Singvögeln, um das durch Nahrungsmangel verursachte ­massive Singvogelsterben aufzufangen. Berthold, der u. a. Mitglied in der AG zur Erstellung Roter Listen gefährdeter Vogelarten in Deutschland ist, beruft sich auf langjährige Beobachtungen an der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee (Teil des Max-Planck-Instituts für Ornithologie), deren Leiter er zwischen 1991 und 2005 war. Hier wurde registriert, dass von ehemals 110 Brutvogelarten 35 Prozent ganz verschwunden sind bzw. nur noch unregelmäßig brüten. Bei weiteren 20 Prozent nehmen die Bestände ab. Vergleichbare Beobachtungen in den USA und Großbritannien zeigen ein ähnliches Bild. Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang sehen einige Ornithologen nicht nur in fehlenden Lebensräumen und Nistmöglichkeiten, sondern vor allem in der Abnahme der natürlichen Nahrungsgrundlagen, bedingt durch den zunehmendem Rückgang der traditionellen Landwirtschaft seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, reduzierten sich alle Vogelbestände merklich. Vor allem im Winter, aber auch zu allen anderen Jahreszeiten wird das Nahrungsangebot als unzureichend eingestuft.

Die bekannten Vorbehalte gegen die Wildvogelfütterung wurden durch Untersuchungen in England widerlegt:

  • Singvögel werden nicht von Futterstellen abhängig,
  • die natürliche Selektion wird nicht beeinflusst,
  • es profitieren auch seltene bzw. gefährdete Arten von festen Futterstellen,
  • Vögel füttern ihren Nachwuchs nicht mit ungeeigneter Nahrung.

Zu den Ergebnissen der Untersuchungen „Garden Feeding Survey“ und „Garden Bird Watch Programme“, durchgeführt vom British Trust for Ornithology gehört die Aussage: Eine ganzjährige sichere Nahrungsquelle schützt Vögel in der kalten Jahreszeit vor dem Verhungern und kann dazu führen, dass sie im Sommer noch einmal brüten, wodurch sich ihre Bestände erhöhen können.

Apropos „Vogelgrippe“

Die Hysterie um das H5 N1-Virus hat sich gelegt, die immer wieder sporadisch und begrenzt auftretende Geflügelpest ist Teil des Alltags geworden. Und auch wenn damit einhergehende Massentötungen von Geflügelbeständen zweifellos die Gemüter erregen: Mit den Wildvögeln ist und wird diese Seuche nicht mehr in Verbindung gebracht.

Da es gerade während des Sommers zu erneuten Fällen von H5 N1-infizierten Geflügelbeständen kam - während es weit und breit keine Wildvogelzüge gab - hat sich die Politik klammheimlich von ihrer so bequemen Theorie verabschiedet. Inzwischen gilt als sicher, dass nicht die Wildvögel das Virus verbreiten, sondern sie vielmehr infiziert werden durch Geflügel aus der industriellen Massenhaltung, zu dem der weltweite Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten ursächlich beiträgt. Niemand muss wegen der Geflügelpest auf die Vogelfütterung im Garten verzichten, denn als Überträger sind Singvögel nicht bekannt geworden. (vg)

Quelle: ZZA 10/2007 Seite 30