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Branchenbericht
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Tierliebe in Krisenzeiten

Tröstliches vom Hundeflüsterer

Der aus der TV-Serie „Der Hunde-Profi“ bekannte Hundepsychologe Martin Rütter (D.O.G.S.) geht von einer steigenden Anzahl an Heimtieren aus. Heimtierhaltung sei ein gesellschaftliches Phänomen, das durch wirtschaftliche oder politische Krisen eher verstärkt als gebremst werde.

Hundepsychologe Martin Rütter: „Da Menschen heute symbiotischer mit ihren Hunden leben, gehen auch Chihuahuas in die Welpenspielgruppe und kommen in die Beratung.“

Seine Seminare verzeichneten ungeachtet der wirtschaftlichen Unsicherheiten und Zukunftsängste ungebrochenen Zustrom, auch die Nachfrage nach Hundetrainern wachse weiter. Dies wertete Martin Rütter auf der Fressnapf-Pressekonferenz im April als Indiz für eine Mensch-Tier-Beziehung, die sich in Krisenzeiten eher verstärke. Je schlechter die Nachrichten sind, desto stärker – so scheint es – treten die Menschen den Rückzug in den häuslichen Bereich an, suchen dort Stabilität, Wärme und Wohlbehagen als positiven Kontrast zu der als bedrohlich empfundenen Welt „da draußen“. Für diesen Rückzug-Trend ins Private kreierte die englische Marktforscherin Faith Popcorn 1981 das Schlagwort „Cocooning“.

„Über Schlagworte und Trends kann man sich streiten, nicht aber über die Tatsache, dass es sehr vielen Menschen heute in unserer Gesellschaft an Anteilnahme und Zuwendung fehlt - und zwar quer durch alle Gesellschaftsschichten“, erklärt Hundepsychologe Martin Rütter. Bedingt durch Technisierung und Anonymisierung fehlen zwischenmenschliche Kontakte und Geborgenheit. Kommen dann noch Krisen und herbe Enttäuschungen dazu, ziehen sich die Menschen zurück und suchen einen Ausgleich. Und den finden viele in der Tierhaltung. Ein Heimtier fragt nicht, ob jemand arm oder reich ist, ob jemand Erfolg oder seinen Job verloren hat. Es ist verlässlich, immer da und vermittelt seinem Halter eine verlässliche und überschaubare Welt, in der er sich wohlfühlen kann. „Deutlich zu beobachten ist dies bei den Hundehaltern. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Tierhaltern sind sie gemeinsam mit ihrem Tier beim Gassi gehen, auf dem Hundeplatz oder auch beim Stadtbummel in der Öffentlichkeit präsent und zeigen im Umgang mit dem Tier, wie wichtig es ihnen ist. Tiere sind zu Sozialpartnern geworden und erfüllen eine wichtige Funktion, deshalb werden immer mehr Menschen Haustiere halten und bereit sein, in ihre Haustiere Geld zu inves­tieren“, so Rütter.

Folgende Kategorien von Tierhaltern erlebt er in seiner Praxis als prägnant:

Double income no kids: Diese Gruppe ist in aller Regel noch nicht bereit sich für ein Kind zu entscheiden und „übt“ quasi am Hund.

Familie mit Kindern: Diese Gruppe sieht das Idyll erst perfekt, nachdem ein Hund dazu kommt. In aller Regel gibt es auch Nager wie Hamster und Kaninchen als Einstiegstiere.

Rentner unmittelbar nach Eintritt in den Ruhestand: Diese Gruppe hat für sich nun mehr Zeit und will diese auch zu einem großen Teil aktiv draußen erleben. Diese Menschen erkennen Hunde sehr schnell zum einen als Motivation für tägliche Bewegung und zum anderen als Türöffner zu anderen Menschen.

Rentner 75 Jahre und älter: Diese Gruppe hat Haustiere sehr häufig als einzige Bezugsperson. Es ist ja heute nicht mehr üblich, dass der Kontakt zu alten Menschen rege und intensiv gepflegt wird. Alte Menschen halten häufig Katzen und gewinnen durch diese Aufgabe echten Lebensmut.

Quelle: ZZA 5/2009 Seite 34