Besuchen Sie auch den ZZF!
SITEMAP | KONTAKT | IMPRESSUM
Branchenbericht
Diese Seite drucken


Wie uns Heimtiere nützen

Ein wichtiger Teil der Gesellschaft

Tiere sind ein Teil der menschlichen Kultur. Seit Jahrtausenden begleiten sie uns, schützen uns, liefern uns Nahrung und Kleidung. Aber erst seit einigen Jahrzehnten wird uns bewusst, wie sehr wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional und ­gesundheitlich von unseren Pfleglingen abhängig sind. Diplom-Biologin Hildegard Niemann beschreibt, welche wichtige Rolle Heimtiere in unserer heutigen Gesellschaft einnehmen und welch zentrale Aufgabe dabei dem Zoofachhandel zukommt.

Arbeitstiere wie Hütehunde und Arbeitspferde waren für uns immer schon selbstverständlich. Mittlerweile hat sich das Tätigkeitsfeld von Heimtieren auf die Begleitung von sehbehinderten Menschen (Blindenhunde, Blindenpferde) sowie von Epileptikern und schwer zuckerkranken Menschen ausgedehnt. Heimtiere werden in Krankenhäusern eingesetzt, haben ihren Einzug in Rehabilitationseinrichtungen angetreten und erfreuen sich äußerster Beliebtheit in Seniorenheimen. Bereits die berühmte Krankenschwester Florence Nightingale erkannte vor über 150 Jahren, dass die Anwesenheit von kleinen Ziervögeln die Genesung von Soldaten im Lazarett beschleunigte.

Tiere erfüllen mittlerweile nicht nur bestimmte Arbeitsaufgaben, für die sie speziell ausgebildet wurden. Etwa 70 Prozent aller Heimtierhalter betrachten ihre Pfleglinge als vollwertige Familienmitglieder, denn sie füllen mit ihren Bedürfnissen bestimmte Rollenklischees. Der Halter muss sein Heimtier füttern, beschützen und pflegen und eine medizinische Grundversorgung gewährleisten. Diese Grundbedürfnisse haben auch Kinder, und so ist es nicht verwunderlich, dass besonders niedliche Heimtiere und kleine Rassen immer mehr Käufer finden. Heimtierhaltern ist dabei die Konstanz in der Beziehung zu ihrem Heimtier besonders wichtig, denn der Halter ist oft das Zentrum der Aufmerksamkeit seines Heimtieres.

Hundehalter sind gezwungen mit ihren Tieren Gassi zu gehen – das ermöglicht Kontakte zu anderen Haltern.

Heimtiere fördern die Arbeitsmoral und die Gesundheit

Betrachtet man die soziale Situation unserer Heimtiere im Detail, so ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel Einzelkinder besonders oft Hunde als Geschwister betrachten. Singles würden sich häufig nicht mit einem potenziellen Partner treffen, wenn dieser das eigene Heimtier nicht mag. Bei dieser sozialen Gruppe fällt auf, dass ein Hund oft die Attribute ausweist, die der eigene menschliche Partner haben sollte. Die Auswirkung auf das soziale Gefüge unserer Heimtiere macht auch vor dem Berufsleben nicht halt. Eine Umfrage in den USA ergab, dass zwei Drittel aller Hundehalter länger arbeiten würden, wenn sie ihren eigenen Hund mit zur Arbeit bringen dürften, und ein Drittel war sogar bereit, dafür zu bezahlen. Die American Pet Products Manufactures fand in einer Umfrage im Jahr 2000 bei Firmen, die ihren Mitarbeitern erlaubten, ihre Heimtiere mit zur Arbeit zu bringen, heraus, dass die Abwesenheit der Arbeitnehmer vom Arbeitsplatz um ein Fünftel sank, 96 Prozent der Befragten berichteten von einem positiveren Arbeitsklima und 58 Prozent blieben länger bei der Arbeit. Heimtiere am Arbeitsplatz fördern also die Arbeitsmoral, sie erhöhen die Produk­tivität und reduzieren Stress.

Besonders kleine Tiere wie Kaninchen befriedigen das Grundbedürfnis vieler Kinder, sich um jemanden kümmern zu können und diesen versorgen zu dürfen.

Wir wissen mittlerweile, dass Interaktionen mit Tieren den Blutdruck und den Cholesterinspiegel senken. Sie unterstützen die Rehabilitation von Patienten mit Herzerkrankungen, fördern körperliche Bewegung, beugen Symptomen der Alzheimerschen Krankheit vor und helfen, Panikattacken bei Patienten zu vermeiden und Anfälle zu überwinden. Heimtiere mindern Stress in schwierigen Lebenssituationen und reduzieren die Angst vor Einsamkeit und Isolation. Sie schaffen eine Atmosphäre der Autonomie, Kompetenz und Selbstzufriedenheit.

In den USA wurden der Rolle der Heimtiere mit dem Gesetzesentwurf des sogenannten HAPPY Act (Humanity and Pets partnered through the years) Rechnung getragen. Inhalt dieses Gesetzesentwurfes ist eine Steuererleichterung für Halter bestimmter Heimtiere, da diese das öffentliche Gesundheitssystem weniger belasten als der Teil der Bevölkerung, die keine Heimtiere pflegen.

Zoofachhändler als Mittler zwischen Heimtier und Umwelt

Heimtiere können für ihre Halter eine finanzielle Gratwanderung darstellen, besitzen aber auch eine soziale Komponente. Das Internet macht es Heimtierhaltern möglich, ihre Tiere völlig ohne soziale Kontakte zu anderen Menschen zu pflegen. Lediglich Hundehalter sind gezwungen, mit ihrem Liebling Gassi zu gehen, und so wundert es nicht, dass ausgerechnet dieses Heimtier sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut: Es ermöglicht Sozialkontakte zu anderen Menschen, nämlich zu anderen Hundehaltern. Alle anderen Heimtierhalter haben als sozialen Kontakt unter anderem den Zoofachhändler zur Verfügung. Dieser muss in Zeiten der zunehmenden Isolation durch das Internet eine ganz besondere Aufgabe erfüllen. Er ist der Mittler zwischen einem Heimtierhalter und dessen Umwelt, denn bisweilen stellt der wöchentliche Einkauf im Zoofachhandel für isoliert lebende Halter die einzige Möglichkeit dar, sich über ihre Heimtiere und deren Bedürfnisse auszutauschen. Es ist daher immens wichtig, dass Halter in einem Zoofachgeschäft freundlich, kompetent und vor allem verständnisvoll empfangen werden. Ein herzliches Lächeln, das Wissen um die Art, die der Halter pflegt, und die Eigenheiten dieser Tiere gibt den Haltern das Gefühl, dass sie mit ihren Familienmitgliedern im Zoofachhandel stets willkommen sind.

Wir wissen um den positiven Einfluss von Heimtieren auf unser Leben und können zahlreiche Beispiele und wissenschaftliche Nachweise dafür erbringen. Dennoch tun wir uns schwer damit, unsere Heimtierhaltung vor der Gesellschaft zu rechtfertigen. Natürlich profitieren wir von unseren Tieren, aber wir nehmen auch die Verpflichtung ernst, diese so optimal wie möglich zu versorgen. Der Zoofachhändler ist ein wichtiger und aus unserem Leben als Heimtierhalter nicht wegzudenkender Teil in dieser Beziehung zu unserem Heimtier. Er ist ein Sozialkontakt und kein Pos­ting in einem Internetforum. Er kann mitlachen und mitleiden, er hilft, berät und leitet den Halter. Eine Internetverbindung kann das nicht leisten.

Heimtiere sind Teil unseres Lebens und werden es immer sein. Sie haben eine Daseinsberechtigung und wir eine Verpflichtung. Tragen wir diese Verpflichtung also erhobenen Hauptes gemeinsam, Halter und Zoofachhändler.

Quelle: ZZA 12/2009 Seite 32