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Tagung Bündnis Mensch & Tier Die positiven Effekte der Mensch-Tier-Beziehung
Auf der von der Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“ veranstalteten Tagung „Die Mensch-Tier-Beziehung im interdisziplinären Dialog“ diskutierten vom 3. bis 14. November 2009 Therapeuten, Pädagogen, Human- und Tiermediziner, Geschichtswissenschaftler, Soziologen, Juristen, Psychologen, Biologen und Ethologen.
In ihrer Begrüßungsrede erklärte Dr. Carola Otterstedt, Leiterin der Stiftung Bündnis Mensch & Tier: „Die Mensch-Tier-Beziehung hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung des Menschen, die Gesellschaft und die Natur. Wir engagieren uns deshalb für eine interdisziplinäre Erforschung sowie Förderung der Mensch-Tier-Beziehung auf der Grundlage der artgemäßen Tierhaltung und des tiergerechten und respektvollen Umgangs mit dem Individuum Tier“. Sie bedankte sich unter anderem beim ZZF für sein Sponsoring, mit dem der Verband das Engagement der Stiftung hinsichtlich einer verantwortungsbewussten Tierhaltung unterstützt.
 | | Die von der Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“ veranstaltete Tagung fand große Resonanz. |
Tiere haben positive Wirkungen
Mit zahlreichen Beispielen wiesen die Diskutanten der Tagung die positiven Auswirkungen des Zusammenlebens mit Tieren auf Kinder, Menschen mit neurologischen oder psychischen Störungen, Kriminellen etc. nach. Zugleich betonten sie, dass auch die Tiere vom Umgang mit Menschen profitieren können und zum Teil ihre Nähe selbst suchen. So senke z.B. erwiesenermaßen das Streicheln die Herzfrequenz von Hunden. Aufgrund dieser Erfahrungen sei es wichtig, die Mensch-Tier-Beziehung aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen weiter zu erforschen. Auf diese Weise käme sie stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft, und die neuen Erkenntnisse könnten helfen, das Zusammenleben mit Tieren zu verbessern.
Warum ein artgerechter Umgang mit Tieren anzustreben sei, erläuterte der katholische Theologe Prof. Dr. Michael Rosenberger. Aus philosophischer wie auch christlicher Sicht besitze das Tier Würde. Dies bedeute, dass das Tier einen Preis haben und genutzt werden kann, aber dennoch einzigartig und unersetzlich ist. Aus ethischer Sicht dürfe es jedoch nicht nur funktionalisiert, sondern müsse gerecht und fair behandelt werden. Die Grundhaltung gegenüber dem Tier sollte von Achtung und Verantwortung sowie Einfühlungsvermögen und Mitgefühl geprägt sein.
Tiere sind wichtige Sozialpartner
Laut der Psychotherapeutin Prof. Dr. Monika-Anna Vernooij ist das Einfühlungsvermögen für Tiere im kollektiven Unbewussten der Menschen verankert. Diese Disposition könne im Laufe des Lebens gefördert werden oder verloren gehen. Deshalb sei es wichtig, Kindern möglichst früh Umgang mit Tieren zu ermöglichen. Die Humanmedizinerin Dr. Anke Prothmann bestätigte: „Unsere Untersuchungen in Kindergärten haben ergeben, dass Kinder über das Zusammenleben mit Tieren Einfühlungsvermögen lernen, weil sie eine unvoreingenommene, aber direkte Rückmeldung auf ihr Verhalten erhalten. Kinder, die mit Tieren aufwachsen, haben eine stärkere Persönlichkeit, sind sozialer und können besser Streits schlichten als Kinder, die ihre Kindheit ohne Tiere verbringen.“ Der Ethologe Prof. Kurt Kotrschal ging noch einen Schritt weiter: „Wenn man Kinder ohne Hund aufwachsen lässt, ist das soziale Ausgrenzung.“ Aus seiner Sicht waren Tiere seit jeher wichtige Sozialpartner des Menschen. Zu Beginn ihrer Domestikation habe eine spirituelle Beziehung zu ihnen bestanden, die nicht nur von Nutzaspekten geprägt war. Die Entwicklungspsychologin Dr. Andrea Beetz gab zu bedenken, dass nach ihren Untersuchungen die positiven Einflüsse von Tieren nur dann wirken, wenn diese artgerecht gehalten werden und Kinder einen vorbildlichen Umgang mit Tieren in der Familie vorgelebt bekommen.
 | | Sponsoring: Der ZZF unterstützt das Engagement der Stiftung für eine verantwortungsbewusste Tierhaltung. |
Den Tagungsteilnehmern zufolge zeigen sich die positiven Effekte nicht nur beim Zusammenleben mit Säugetieren, die dem Menschen ähnlich sind und auf die das so genannte Kindchen-Schema zutrifft. So berichtete Helga Widder vom Wiener Verein Tiere als Therapie e.V. von erstaunlichen Erfolgen beim Einsatz von Achat-Schnecken: Zappelige, an ADHS erkrankte Kinder lernen im Kontakt mit diesen langsamen Tieren Geduld und Durchhaltevermögen. Der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Erhard Olbrich ergänzte: „Der Umgang mit Fischen oder anderen Spezies weckt das naturkundliche Interesse, Verständnis für Zusammenhänge der Natur sowie Begeisterung und damit auch Respekt.“
Abschließend wurde die Frage diskutiert, inwiefern die Beziehung zum Tier Kosten-Nutzen-Berechnungen unterworfen ist und wann Tiere in unzulässiger Weise funktionalisiert werden. Die Positionen waren ausgesprochen vielfältig, doch einig waren sich alle Referenten, dass mehr als bisher die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden müssten. Es sollten beispielsweise so genannte Arbeitsplatzbeschreibungen für Tiere in der tiergestützten Therapie erstellt werden. Wissenschaftliche interdisziplinäre Diskurse und Grundlagenforschung verfolgen das Ziel, dass die positiven Auswirkungen des Umgangs mit Tieren auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie beispielsweise dem Gesundheitswesen anerkannt werden. (as)
Quelle: ZZA 12/2009 Seite 52 |