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Branchenbericht
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Wildvogelfütterung

Nicht nur zur Winterszeit

Nach diesem knackig kalten, schneereichen Winter bietet es sich für den Zoofachhandel an, die Frühjahrshilfe für frei lebende Wildvögel mit angepasstem Futter und geeigneten Nisthilfen zu thematisieren. Im Idealfall nutzt man dafür denselben Aktionsplatz wie für die Winterfütterung.

Spätwinter und Frühjahr sind für die heimische Vogelwelt besonders kritische Zeiten. Das Nahrungsangebot im Freiland ist unabhängig von der Witterung am spärlichsten, während sich gleichzeitig bereits die Zugvögel einfinden und Brutvorbereitungen getroffen werden. Vielen Vogelarten mangelt es zudem an geeigneten Nistmöglichkeiten. Allerdings muss das Frühjahrssortiment gegenüber den Vogelfreunden gut kommuniziert werden, denn bei vielen hält sich noch hartnäckig die – inzwischen als überholt angesehene – „Regel“, nach der die Vogelfütterung nur bei Frost und Schnee ein gutes Werk sei. Ornithologen und Tierschützer halten inzwischen die Ganzjahresfütterung für den sinnvolleren Weg in der Vogelhilfe. So verweist der Deutsche Tierschutzbund auf Befürworter der Fütterung, denen zufolge „die Umweltbedingungen für unsere Vögel schon schlecht genug sind, so dass es auf den Schutz jedes einzelnen Tieres ankommt.“

Angepasste Ganzjahresfütterung hei­mischer Singvögel ist ein noch weitgehend unbekanntes und unerschlossenes Thema hierzulande, das in erster Linie der Zoofachhandel kompetent besetzen kann. Für Fremdanbieter ist ein Ganzjahressortiment zu erklärungsbedürftig. Ein „Selbstläufer“ ist die Ganzjahresfütterung noch lange nicht.

Der „Papst“ der angepassten Ganzjahresfütterung ist der bekannte Ornithologe Prof. Peter Berthold. In seinem zusammen mit Gabriele Mohr verfassten Buch „Vögel füttern – aber richtig. Anlocken, schützen, sicher bestimmen“ (Kosmos Verlag Stuttgart 2006 ISBN 3-440-10800-7) empfiehlt er die Durchführung einer angepassten Ganzjahreszufütterung von Singvögeln, um das durch Nahrungsmangel verursachte massive Singvogelsterben aufzufangen. Berthold, der u. a. Mitglied in der AG zur Erstellung Roter Listen gefährdeter Vogelarten in Deutschland ist, beruft sich auf langjährige Beobachtungen an der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee (Teil des Max-Planck-Instituts für Ornithologie), deren Leiter er zwischen 1991 und 2005 war. Hier wurde registriert, dass von ehemals 110 Brutvogelarten 35 Prozent ganz verschwunden sind bzw. nur noch unregelmäßig brüten. Bei weiteren 20 Prozent nehmen die Bestände ab. Vergleichbare Beobachtungen in den USA und Großbritannien zeigen ein ähnliches Bild. Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang sehen einige Ornithologen nicht nur in fehlenden Lebensräumen und Nistmöglichkeiten, sondern vor allem in der Abnahme der natürlichen Nahrungsgrundlagen. Die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch der Einsatz von Pestiziden in Hausgärten haben Wildkräuter und Insekten stark dezimiert. Deshalb sollte nicht nur im Winter, sondern auch im Frühling, Sommer und Herbst artgerechtes, hochwertiges Futter gereicht werden.

Unterstützende ZZF-Aktion

Um die angepasste Ganzjahresfütterung am Verkaufspunkt zu unterstützen, hat der ZZF eine Aktionsseite entwickelt (siehe Seite 47 in dieser Ausgabe). Sie fasst die Hauptargumente „pro angepasste Ganzjahresfütterung“ zusammen und kann als werbliche Unterstützung einer auf die warme Jahreszeit abgestimmten Themenpräsentation genutzt werden. ZZF-Mitglieder finden diese Aktionsseite im pdf-Format im ZZF-Intranet unter www.zzf.de zum Herunterladen.

Für die Zoofachbranche bedeutet die angepasste Ganzjahresfütterung die Chance, ein bisher zeitlich begrenztes Umsatzsegment ganzjährig zu etablieren. (vg)

Quelle: ZZA 2/2010 Seite 26