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| Branchenbericht |
Intelligenz-Spielzeug
Auch Tiere kennen Emotionen. Das Bestreben des Heimtierhalter muss es daher sein, das Umfeld seiner Pfleglinge so zu gestalten, dass das Tier so viel positive Emotionen wie möglich und nur so viel negative wie nötig erfahren muss. Wie aber kann ein Halter aktiv positive Emotionen bei seinem Heimtier hervorrufen?
von Dipl.-Biologin Hildegard Niemann
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Morgens nach dem Frühstück gehe ich eine lange Runde mit unserer Hündin über die Felder. Wedelnd steht Lara vor mir und schaut immer wieder sehnsüchtig zur Tür. Sie freut sich auf ihren Spaziergang und kann es kaum erwarten loszugehen.“ Freude ist ein Gefühl, eine Emotion. Wir haben in unserer Beziehung zu unserem Weggefährten Tier lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass Tiere Emotionen haben.
Früher ging man davon aus, dass die Wahrnehmung der eigenen Existenz, also das sogenannte Ich-Bewusstsein, die Voraussetzung für das Empfinden von Gefühlen ist. Mittlerweile wissen wir, dass die Kern-Emotionen Wut, Angst, Panik, Lust, Suchen, Fürsorge und Spiel überall im Tierreich vertreten sind. Eine Maus kann also genauso Wut und Lust empfinden wie ein Delphin oder ein Mensch. Diese Emotionen dirigieren das Verhalten eines Lebewesens. Das normale Verhalten eines Tieres ist also der Versuch, diese Kern-Emotionen zu befriedigen.
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| Auch Kaninchen lieben es ihr Futter zu „erarbeiten“. |
Der Drang, Futter oder Duftmarken zu suchen
Unser Beispielhund Lara hat Vorfreude empfunden. Ihr „Seeking-System“, also der Drang, nach Futter oder Duftmarken anderer Tiere zu suchen und ihre Umgebung zu erforschen, war aktiviert worden. Ihre Erwartungshaltung und ihre Neugierde haben in diesem Moment ihr Verhalten dominiert und ihr die Energie gegeben, ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Ein ähnliches Verhalten finden wir auch bei Katzen, wenn sie jagen: Die Aktivierung des Seeking-Systems ist der Motivator für die Jagd. Was aber genau ist das Seeking-System? Bei diesem System handelt es sich um eine Hirnregion, die man lange mit dem Sitz des Lustzentrums verwechselt hat. Platziert man eine Elektrode in das Seeking-System eines Tieres und gibt dem Tier die Möglichkeit, das System selbst mit einem Button zu aktivieren, so wird es dies immer wieder tun. Seeking, also die Suche als solches, scheint höchst befriedigend für Tiere zu sein. Man könnte auch sagen: Seeking fühlt sich gut an. Möchte ein Halter aktiv bei seinem Heimtier positive Gefühle hervorrufen, so kann er dies effektiv mit der Befriedigung des Seeking-Systems tun.
Unser Alltag lässt uns nur wenig Raum und Zeit, um dieses spezielle System unserer Heimtiere ausreichend zu befriedigen. Der Beruf, die Familie und deren Organisation fordern den größten Teil unserer Aufmerksamkeit. Vielen Haltern ist es aufgrund des Zeitmangels an normalen Arbeitstagen kaum möglich, ihren Heimtieren Gelegenheiten zu schaffen, mit denen sie ihr Seeking-System befriedigen können. Deshalb greifen immer mehr Halter auf kommerzielle Spielzeuge zurück, um ihre Tiere intellektuell zu fördern und ihnen Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
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| Der Halter kann den Hund bei seinem Treatspielzeug natürlich auch unterstützen. |
Hospitalismus und Verhaltensauffälligkeiten finden wir vor allem bei den Tieren, deren Umfeld ihre normalen emotionalen Bedürfnisse nicht mehr befriedigt. Hunde müssten im Normalfall sehr lang und sehr weit laufen, um satt zu werden. Katzen hingegen müssen geduldig und reaktionsschnell sein, um erfolgreich zu jagen. Papageien müssen in ihrem natürlichen Umfeld verschiedene Nahrungsquellen finden, um satt zu werden. Nager brauchen gleichzeitig Rückzugsorte und freie Flächen, um sich wohl zu fühlen und müssen ihren Nagetrieb befriedigen. Werden in der Heimtierhaltung diese Grundbedürfnisse nicht befriedigt, so suchen sich unsere Pfleglinge eigene Wege, um die Emotionen hervorzurufen, die sie befriedigen. Dies kann in Einzelfällen bis zur Selbstzerstörung gehen, zum Beispiel das Pfotenlecken bei Hunden, das Zerstören des Gefieders bei Papageien oder aber das zwanghafte Buddeln bei Nagern.
Treatspielzeuge mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad
Um die Bedürfnisse in der Heimtierhaltung zu befriedigen, gibt es mittlerweile zahlreiche Treatspielzeuge unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade auf dem Heimtiermarkt. Zwar lassen sich solche Spielzeuge auch in liebevoller Heimarbeit vom Halter selbst herstellen, doch vielfach wird hier der Hygieneaspekt außer Acht gelassen. Kommerzielle Spielzeuge lassen sich leicht reinigen und schnell wiederbefüllen. Ihre unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade führen zu einem Lernprozess bei unseren Heimtieren und stimulieren stets aufs Neue das Seeking-System. Dem Halter wird der Stress genommen, sich stets etwas Neues einfallen lassen zu müssen, um sein Heimtier sinnvoll zu beschäftigen. Das häufig anzutreffende „schlechte Gewissen“, sei es zum Beispiel in der Vogelhaltung oder aber beim etwas zu kurz geratenen Hundespaziergang, ist daher unnötig, wenn der Halter sich auf die Befriedigung dieses elementaren Gefühlserlebnisses seines Heimtieres konzentriert. Es sollte deshalb für alle Halter von Heimtieren selbstverständlich sein, dass ein Drittel des Futters vom Tier selbst erarbeitet werden muss. In solch einer angereicherten Umgebung weist ein Heimtier eine gesunde Gehirnentwicklung auf und zeigt kaum Verhaltensprobleme. Um dies dem Halter zu verdeutlichen, bietet sich während der Beratung des Kunden das Beispiel Puzzle an: Die Freude am Puzzlen ist nicht das fertige Bild, der Spaß ist das Finden der passenden Teile und das Ineinanderfügen. Puzzeln ist Seeking! Diese Erkenntnis muss der Zoofachhandel an die Heimtierhalter weitergeben und die entsprechenden Spielzeuge sachkundig für die verschiedenen Heimtiergruppen empfehlen. Denn nur zufriedene Heimtiere führen zu zufriedenen Kunden!
| Anspruchsvoll und lehrreich | |||
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Mit Intelligenz- oder Futtersuch-Spielen kann der Zoofachhandel seine Fachkompetenz besonders unterstreichen, denn die erklärungsbedürftigen Spielzeuge verkaufen sich meist nicht von selbst. Inzwischen gibt es verschiedene Anbieter, die spezielle Lernspielzeuge im Programm haben. Von Greyhound, der Mucki-Marke für den Hund, gibt es drei neue Lernspielzeuge. In drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen lässt sich für und mit dem Vierbeiner ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm gestalten. Auch Hundetrainer wie Nadine Dopjans, die eng mit Mucki Heimtierbedarf GmbH, Melle, zusammenarbeitet, empfehlen diese etwas andere Art der Beschäftigung. Iwersen Pet Products, Flensburg, bietet mit Dog Trouble, Dog Twister, Dog Domino und Dog Casino verschiedene Lernspielzeuge aus Holz und Kunststoff von Nina Ottosson an. Die Spiele sind eine Herausforderung für Hunde und Katzen jeden Alters. Bei Dog Troubel, z.B. soll der Hund lernen, nach dem Leckerli zu suchen, indem er Klötzchen auf einer kurvigen Bahn verschiebt, in der es nur eine Öffnung gibt, die sowohl Start als auch Ziel ist. Unter jedem Klötzchen wird ein Leckerli versteckt und das kann nur gefunden werden, wenn der Hund das Klötzchen zur einzigen Öffnung verschiebt. Dann ist das Ziel erreicht und er bekommt seine Belohnung. Beim ersten Mal benutzt man nur ein Klötzchen. Tipps und Erklärungen, wie das Spiel eingesetzt werden soll und wie man das Tier anleitet, liegen begleitend bei. Auch die Firma Dog Intelligenz, Seeligenstädt, bietet interessante Intelligenz- und Agility-Spiele an. |
Quelle: ZZA 2/2010 Seite 28