|
Tierhaltung gegen Gewalt ZZF ehrt vorbildliches Projekt
Mit einer regelmäßigen Spende unterstützt der ZZF das Schulprojekt „Tierhaltung gegen Gewalt“ in Berlin. Rund 150 Tiere werden von den Schulkindern betreut.
 | | Kaninchen trösten die Kinder auch schon mal über eine verhauene Klassenarbeit und andere Probleme hinweg. |
Kinder brauchen zum Gedeihen Tiere. Sie brauchen sie als Weggefährten, um Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen zu erlangen.“ So lautete 1991 das Motto der Grundschule am Sandsteinweg im südlichen Berliner Bezirk Neukölln. Zwei Lehrerinnen wollten den ländlichen Charakter der Schule hervorheben und bauten in Eigeninitiative mit Eltern, Kindern und Kollegen den ersten Hühnerstall. Wenig später zogen die ersten Kaninchen auf das rund 40.000 qm große Gelände. Mittlerweile gibt es dort eine richtige Schulfarm mit rund 150 Tieren, die von den Kindern gepflegt und betreut werden. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) ehrt das vorbildliche Projekt regelmäßig mit einer Spende von 500 Euro. Denn es geht Rektorin Petra Balzer nicht nur um die Verantwortung für die Zwei- und Vierbeiner, sondern auch um Gewaltprävention. „Tierhaltung gegen Gewalt“ lautet das Konzept. Über 100 Kinder haben Patenschaften für Tiere übernommen, sie lernen dabei nicht nur, sie artgerecht unterzubringen und zu füttern, sondern auch sich über das Wohlempfinden ihrer Schützlinge Gedanken zu machen. Unterrichtspausen und sogar die Nachmittage werden von den Schülern dazu genutzt, um die Tiere zu versorgen. Für Rangeleien auf dem Pausenhof bleibt so weder Zeit noch bieten sich Anlässe. Die üblichen Auslöser für Gewalt wie Langeweile, Neid, Ängste und Ausgrenzung haben hier wenig Chancen. Stattdessen kümmern sich die Kinder um rund 70 Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen, Schafe, Ponys, ein Schwein, einen Esel, Enten und sogar einen Fuchs. Für die Kaninchen wurde eigens ein großer Stall gebaut. „Wer will, kann dort auch sein eigenes Tier halten“, sagt Renate Fabian, Vorsitzende des Fördervereins der Schule.
 | | Dank der finanziellen Unterstützung kann die Schulfarm Reitunterricht für die Kinder anbieten. |
Und die Schüler, die sich um die Tiere kümmern, sind immer wieder Vorbild für ihre Mitschüler, die ebenfalls Freude an der Tierhaltung entdecken. „In der Fürsorge für ein Tier entwickelt sich das Einfühlungsvermögen eines Menschen in die Bedürfnisse anderer Lebewesen“, weiß Rektorin Balzer. So tröstet ein Kaninchen oder eines der sechs Ponys auch schon mal über eine verhauene Klassenarbeit und andere Probleme hinweg. Ein friedliches Miteinander ist für die Schüler selbstverständlich, Konflikte können durch die Verantwortung für ein Tier erfolgreich bewältigt werden. Und das vor dem Hintergrund, dass Neukölln als ein sozial schwieriger Stadtteil in Berlin gilt. Durch die finanzielle Unterstützung konnte für die Ponys ein richtiger Pferdestall mit angeschlossener Reitbahn angelegt werden. Rund 120 Kinder reiten an sieben Tagen in der Woche auf dem Schulgelände. Ehemalige Schülerinnen, die inzwischen Reitlehrerausbildungen absolviert haben, bringen den Kindern das Reiten bei. „Sie sind sehr stolz darauf, dass sie bei uns beispielsweise das große und kleine Hufeisen machen können“, sagt Renate Fabian. ABM-Kräfte und viele ehrenamtliche Helfer unterstützen die Kinder bei ihren Arbeiten im Schulzoo.
Für ZZF-Präsident Klaus Oechsner ist der Schulzoo ein beispielhaftes Projekt. „Wenn das in Schulen generell üblich wäre, hätten wir deutlich weniger Probleme mit Gewalt an Schulen“, so sein Fazit. Er freut sich vor allem darüber, dass die Kinder den Umgang mit Tieren lernen. Das ist der Grundstein für eine gelungene Mensch-Tier-Beziehung. (kh)
Quelle: ZZA 2/2010 Seite 48 |