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Der Trend zum Mini-Hund Kleiner Hund – große Bedürfnisse
Vor allem in städtischen Ballungsgebieten sind Hunde im Mini-Format in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Der Zoofachhandel merkt es am Rückgang der Großpackungen Hundenahrung. Doch auch wenn die kleinen Hunde nur Mini-Portionen fressen, große Bedürfnisse haben sie – vor allem ihre Halter – allemal.
 | | Die Französische Bulldogge mit ihren großen Augen, der kurzen Schnauze und dem pflegeleichten Haarkleid gewinnt immer mehr Liebhaber. |
Man kann sie überall mit hinnehmen, zur Not auf dem Arm tragen, keiner hat Angst vor ihnen, keine Behörde zwingt ihnen einen Maulkorb auf, Vermieter und Mitmieter drücken bei süßen Winzlingen eher ein Auge zu und schlussendlich machen sie auch kleinere Häufchen. Kleine Hunde haben unbestreitbare Vorteile. Das mag den großen Rassevertretern gegenüber nicht fair sein, aber in das moderne städtische Leben lassen sich die Minis für viele Hundeliebhaber unkomplizierter integrieren.
Ein kleiner Vierbeiner ist nichts desto trotz ein ganzer Hund, mit allen Vorzügen und Bedürfnissen seiner Art. Halter von kleinen Hunden haben dafür oftmals besonders große Bedürfnisse. Den Winzlingen wird – relativ gesehen – eher selten schnödes Trockenfutter aus der praktischen Großpackung vorgesetzt. Das Gourmet-Menu in Form von Dosen, Schälchen, Pouches muss es schon sein – und jeden Tag geschmackliche Abwechslung in Form einer anderen Sorte. Auch bei der Bio-Hundenahrung greifen die Herrchen und Frauchen von Mini-Hunden öfter zu als die Halter großer Hunde. Bei den täglichen Leckerlis wird ebenfalls weniger auf den Cent geschaut – eher gönnt man sich sonst nichts.
Das Gleiche gilt für Ausstattung und Pflege: Wo der großwüchsige Hund einen Korb und ein Halsband hat, kommen Mops, West Highland White und Yorkshire Terrier, Chihuahua, Bichon à poile frisé, Chinese Crested und Cavalier King Charles Spaniel leicht auf ein gutes Dutzend davon. Es gibt ja auch so viele schöne Sachen! Spätestens hier wird klar, dass der Zoofachhandel zwischen Kleinhundehaltern und Großhundehaltern deutlich unterscheiden muss. Das ist nicht dieselbe Spezies Kunde. Wo der Halter eines großen Hundes eher praktisch denkt, will der Kleinhundefan mit immer neuen Angeboten entzückt und verführt werden. Ja, er will zum Kauf eines weiteren Hundebettes mit niedlichem, lustigem oder edel-stilvollem Dessin verführt werden. Und wenn es ihn gerade nicht nach einem Hundebett verlangt, dann sicher nach einer neuen Halsband-/
Leinenkombination oder einem Mäntelchen im modisch-aktuellen Look. Wenn der Zoofachhandel die gewünschte Verführung nicht schafft, wandert der Kunde komplett ab ins Internet mit den 24 Stunden an sieben Tagen die Woche lockenden Online-Angeboten. Es ist heute keine Mutprobe mehr, ein sündteures Swarovski-Halsband von einem Lieferanten in England oder den USA zu bestellen. Paypal sorgt für Sicherheit, fast jeder Internetnutzer hat heute schon einmal irgendwas irgendwo bestellt und die Ware auch tatsächlich bekommen. Diese Hemmschwelle ist weg – auch bei älteren Damen mit Zwergpudeln, die man auf den ersten Blick fälschlicherweise nicht für besonders Internet-affin halten mag. Im Zweifelsfall hat sie einen hilfsbereiten Enkel.
Boutique für Mini-Hunde
Aus der Sicht eines Kleinhundehalters ist es entnervend, wenn er im Zoofachgeschäft aus dem Gesamtangebot für Hunde erst mal herausfiltern muss, was für ihn in Frage kommt. Da hängt der Leder-Draht-Maulkorb in der Größe eines ausgewachsenen Chihuahua neben den entzückenden zierlichen Halsbändern für die Vierbeiner unter 10 kg und beim Hundefutter muss man an gestapelten 15-kg-Säcken vorbei, um an Truthahn in Gelee mit zarten Gemüsestreifen zu kommen. Es kommt nicht nur darauf an, ein wohl sortiertes Angebot für kleine Hunde im Programm zu haben – man muss es auch den Bedürfnissen der Zweibeiner entsprechend präsentieren. Im Idealfall teilt man die Abteilung radikal auf: Hier alles für den kleinen Hund, dort für die anderen. Dann braucht man den weniger verkauften Großgebinden Hundenahrung keine Träne nachzuweinen. (vg)
Quelle: ZZA 3/2010 Seite 34 |