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Degus in der Heimtierhaltung Gesellig, aktiv
und neugierig
Auch wenn sie keine ausgesprochenen Schmusetiere sind, können Degus doch recht zutraulich werden. Ihr Sozialverhalten ist faszinierend. Werden ihre Haltungsansprüche – mindestens zu zweit, besser in der Gruppe – mit einem großen, abwechslungsreich ausgestalteten Gehege und artgerechter Nahrung erfüllt, erreichen die tagaktiven Nager ein Lebensalter von ca. 5 Jahren.
 | | Foto: IVH |
Der Gewöhnliche Degu (Octodon degus) ist seit den 70er Jahren als Heimtier beliebt und weit verbreitet. Ihre ursprüngliche Heimat ist Chile, wo sie sowohl im Tiefland als auch in den Anden bis in Höhen von rund 1.200 m leben und sich ausschließlich von Pflanzen ernähren. Sie bevorzugen felsige oder mit Sträuchern bewachsene Gebiete. Ihre Bauten graben sie selbst, nutzen aber auch verlassene Höhlen von Chinchillas oder Cururos. Die sehr sozialen Degus leben in kleinen Gruppen, die durchschnittlich fünf bis zehn Tiere umfassen. Mit ihren Artgenossen kommunizieren sie durch ihre ausgeprägte Körpersprache und mit pfeifenden, zischenden oder quietschenden Lauten. Im Gegensatz zu den anderen Degu-Arten, die als nachtaktiv beschrieben werden, ist der Gewöhnliche Degu tag- und dämmerungsaktiv. Er ist empfindlich gegen Zugluft, Feuchtigkeit, Kälte, hohe Temperaturen ab etwa 30°C und gegen direkte Sonneneinstrahlung. Degus halten keinen Winterschlaf.
Octodon degus hat eine Kopf-Rumpflänge von 15 bis 20 cm, der Schwanz ist 10 bis 16 cm lang und endet in einer pinselartigen Quaste. Degus dürfen nie am Schwanz gegriffen und hochgenommen werden, da er als natürlicher Schutzreflex reißt. Das Fell der Wildform ist auf der Oberseite des Körpers grau-braun, die Bauchunterseite ist hell. Zuchtfarben sind Sand, Blau, Schecke und Albino. Der Kopf ist – wie bei seinen Verwandten, den Meerschweinchen und Chinchillas – im Verhältnis zum Körper groß, auffallend sind auch die großen Augen und Ohren. Vier Zehen jeder Pfote sind gut ausgebildet und mit scharfen Krallen versehen, die fünfte Zehe ist zurückgebildet. Die Schneidezähne sind orangefarben. Der Oberfläche der Mahlzähne – sie haben die Form einer Acht – verdankt der Degu den Gattungsname Octodon. Die Zähne wachsen ständig nach und müssen durch die Nahrung abgenutzt werden.
Die Geschlechtsreife tritt im Alter von ca. fünf Monaten ein. Bis zum Alter von sechs Wochen sollten Jungtiere bei der Mutter bleiben. Zu früh von der Mutter getrennte Tiere neigen zu Verhaltensauffälligkeiten.
Degus sind sehr aktiv. Als Bodenbewohner brauchen sie große Laufflächen sowie eine Möglichkeit zum Buddeln. Klettermöglichkeiten nutzen sie gerne und geschickt. Sie fühlen sich nur in der Gruppe wohl und sollten zumindest zu zweit oder in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe gehalten werden. Dann zeigen sie die ganze Palette ihres faszinierenden Verhaltens. Dazu gehört zum Beispiel die gegenseitige Fellpflege, bei der ein Tier dem anderen auf den Rücken steigt und dessen Nacken und Oberkopf beknabbert. Diese Geste wird mit Trällern begleitet. Ärgerliches Quietschen bedeutet, dass das Tier seine Ruhe haben möchte – vor allem beim Fressen. Normale Auseinandersetzungen, wie sie in einer Gruppe vorkommen, äußern sich häufig durch gegenseitiges Schubsen. Heftiger können Auseinandersetzungen werden, wenn ein neues Tier in die Gruppe eingefügt wird. Dann kann es zu Beißereien kommen und die Tiere müssen eventuell getrennt werden.
Viel Platz im Gehege
Degus brauchen viel Platz, um ihrem arteigenen Bewegungsdrang nachkommen zu können. Gemäß der Haltungsrichtlinien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) soll ein Gehege für zwei Degus die Mindestgröße von 100 x 50 x 100 cm haben, für mehr Tiere entsprechend größer/höher. Die Einrichtung von Zwischenetagen ermöglicht eine abwechslungsreiche Ausgestaltung mit Kletterästen und Wurzeln, Korkhöhlen und Nagerbrücken, verschiedenen Nagerhäuschen sowie Steinen. Eine tiefe Schicht Kleintierstreu ist erforderlich, um den Tieren das Graben zu ermöglichen. Abwechslung bei der Einrichtung wissen Degus als neue Herausforderung zu schätzen. Frische, belaubte Zweige (Weide, Haselnuss, Birke, Obstbäume) zum Nagen bringen ebenfalls Abwechslung.
 | | Degus sind – auch aufgrund ihres Nagerverhaltens – im Zoofachhandel mit dem „Roten Punkt“ als besonders beratungsintensiv zu kennzeichnen. |
Das Gehege muss nagefest sein, da Degus ein starkes Nagebedürfnis haben. Plastik eignet sich weder für Gehegeteile noch für Einrichtungsgegenstände. Futterschale, mindestens eine Schale für das tägliche Sandbad (Chinchillasand) sowie Wassertränke komplettieren die Einrichtung.
Degus sind an ein gemäßigtes Klima angepasst, Extreme vertragen sie nicht. Sie sind deshalb auch nicht für eine Außenhaltung geeignet. Das Gehege sollte nicht direkt neben einer Heizung aufgestellt werden, darf aber auch nicht vollständig direkte Sonneneinstrahlung erhalten und muss zugluftfrei stehen. Als Fluchttiere mögen Degus keinen ungehinderten Zugang zum Gehege von allen Seiten, deshalb sollte mindestens eine Seite entweder geschlossen sein oder an einer Zimmerwand stehen.
Karge Kost
In ihrem natürlichen Lebensraum sind Degus an eine einseitige, wenig nährstoffreiche Ernährung angepasst. Tierisches Eiweiß steht nicht auf ihrem Futterplan. Zu fetthaltige, zu nährstoffreiche und vor allem süße Kost schadet den Tieren. Degus neigen zu Diabetes; Obst oder Futter mit Zuckerzusatz bzw. Honig sollte deshalb nicht gegeben werden. Auch Nüsse sind aufgrund ihres Fettgehaltes bestenfalls als gelegentliche Leckerei erlaubt.
Wichtigstes Grundfutter ist Heu. Es sollte immer frisch und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und wird von den Tieren gern in ihre Bauten und Nester getragen. Spezielles Degufutter enthält Kräuter, Blüten, Gräser und Gemüse. Nüsse oder Getreide sollte gar nicht oder nur in geringen Mengen enthalten sein. Als Frischfutter bieten sich Karotten, Gurke, Chicoree, Paprika, Löwenzahn, Nagergras an. Trockengemüse und Äste werden zum Knabbern gern angenommen. (vg)
Quelle: ZZA 3/2010 Seite 56 |