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100 Jahre Betta splendens, der Siamesische Kampffisch Ein Fisch mit Geschichte
Der Siamesische Kampffisch Betta splendens war einst nur ein wenig beachteter, kleiner Fisch im tropischen Reisfeld. Bald aber nutzten die Menschen seine Aggressivität gegenüber Artgenossen zu Wettkämpfen und seine Farbenpracht zur Unterhaltung.
von Horst Linke, Aqua-paeb
Als Pla Kat, als Beiß- und Reißfisch (Pla, thail. = Fisch und Kat, thail. = beißen, reißen), machte er in seiner Heimat Thailand schnell Karriere. Und wie so oft reichte die natürliche Aggressivität den Menschen nicht mehr und es wurden Fische mit größerer Kampffreude gezüchtet. Aber auch die Farbenpracht begeisterte die Menschen. Ein weiterer Grund für die gezielte Zucht. Dazu kam die Absicht, die Flossengröße und damit die Flossenform zu verändern. Heute kennen wir neben der ursprünglichen kurzflossigen Wildform viele Betta splendens mit unterschiedlichen Flossenformen und vor allem auch außergewöhnlichen Farben.
 Als rot leuchtender Crown-Tail. |  Ein prachtvoller Fisch mit Flossen in Halbmondform. |
 Betta splendens in der kurzflossigen Wildform. |  Der Kampffisch in der Farbe Gelb kommt eher selten vor. |
Betta splendens wurde in einer Ausgabe des Proc. Zool. Soc. London für das Jahr 1909 wissenschaftlich beschrieben, die aber verspätet erst im Frühjahr 1910 erschien. Anlass für viele Autoren 1910 als Beschreibungsjahr zu notieren. Ob nun aber 1909 oder 1910, es hat der Popularität des Pla Kat nicht geschadet. Das Gegenteil ist der Fall. Betta splendens gehört heute zu den bekanntesten und beliebtesten Aquarienfischen.
Die Pla Kat als schöne, farbenprächtige Zierfische mit langen Flossen werden heute zu vielen hunderttausend Exemplaren in fast allen erdenklichen Farbkombinationen gezüchtet. Oft stehen mehrere Tausend der 0,5 Liter fassenden, schmalen, ausgedienten Schnapsflaschen vom Maenam Reisschnaps, dem so genannten Thai-Whisky, auf einem ebenen Betonboden und beherbergen je einen Betta splendens. Darin wachsen die Fische im Laufe von fünf bis sechs Monaten zu prachtvollen Fischen heran. In großen Zuchtfarmen stehen bis 50.000 Flaschen. Sie stehen dicht bei dicht und ermöglichen dadurch die nötigen Arbeiten, indem ihre Pfleger auf diesen Flaschen laufen können. Somit sind Wasserwechsel und Fütterung problemlos möglich. Wasserwechsel erfolgt meist zweimal wöchentlich, die Fütterung erfolgt täglich. Bis vor wenigen Jahren standen als Futter ausschließlich schwarze Mückenlarven auf dem Speisezettel. Aufgrund der gesundheitlichen Gefahren durch diese Moskitolarvenfütterung werden heute meist Kunstfutter oder auch alternativ anderes Lebendfutter wie Tubifex, Wasserflöhe oder adulte Artemia gefüttert. Die meisten Züchter widmen sich der Zucht von Schleierkampffischen, nur kleine Gruppen beschäftigen sich mit den neuen Zuchtformen wie Crown-Tail (Kronenflossen, gezackt mit zurück gezogenen Membrane zwischen den Flossenstrahlen), Halfmoon (die Flossen in Halbmondform), Short-Tail (als verschiedenfarbige Kurzflossen) und in jüngster Zeit eine noch sehr kleine Gruppe mit der Zucht von Jumbo- oder auch Gigant Betta splendens, eine im adulten Alter über zweieinhalb mal größere Zuchtform von Betta splendens.
Während es diese großen Pla Kat wie auch die Kleinen heute in fast allen Farben gibt, war bei den herkömmlichen Betta splendens-Zuchtformen die Farbe Gelb sehr selten. Dies hatte einen besonderen Grund. Gelb ist in Thailand die Farbe des Königs. Nur dem Königshaus war diese Farbe vorbehalten und erlaubt. Noch heute kleiden sich die Königstreuen in der Bevölkerung in Gelb. Ob es Wunsch des Königs war, auch gelbe Kampffische zu züchten, ist nur eine Vermutung. Sie waren aber lange Zeit ein Privileg des Königshauses. Heute sind diese gelben Fische zwar nicht häufig, aber immer wieder im Angebot. Es ist anscheinend nicht einfach, eine klare gelbe Farbe zu züchten. Im Gegensatz zu den anderen Farben. Betta splendens gibt es heute in zahlreichen, bis vor wenigen Jahren nicht vorstellbaren Farbkreationen. Mit ein Grund für die weltweite Popularität dieser ungewöhnlichen Fische. Dass sie zu den besonderen Fischen in Thailand gehören, muss nicht extra betont werden. Die großen Märkte wie der Chatuchak an jedem Wochenende in Bangkok oder der wöchentliche Sonntagsmarkt in Tombori sind mit ihren zahlreichen Betta-Verkaufsständen Beweis dafür. Betta splendens aber beurteilt man auch in Thailand nicht nur nach Aggressivität und Kampfkraft, sondern Aussehen und Farbe sorgen immer häufiger für Anerkennung. Neue Kreationen sind gefragt. Schönheitswettbewerbe bringen oftmals dabei Klarheit. Zu den größten Veranstaltungen auf diesem Gebiet zählen die Wettbewerbe in Asien, wie zum Beispiel in Singapur auf der Aquarama oder bis vor wenigen Jahren in Guangzhou in Süd-China auf der Aquaria. Hier stehen oft 400 bis 500 Behälter mit Betta splendens im Wettkampf um Preise und Pokale. Und die Sieger? Es sind von Veranstaltung zu Veranstaltung immer wieder andere Farben und Formen. Oftmals Fische in nicht gedachter Vollkommenheit in Flossen und farblicher Schönheit.
Quelle: ZZA 7/2010 Seite 68 |