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Branchenbericht
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Heimtierhaltung in Österreich

Nationalrat fordert „Exoten-Führerschein“

Auch im Nachbarland Österreich ist eine Debatte um die private Haltung „exotischer“ Tiere entbrannt. Der österreichische Nationalrat nahm am 19. Oktober einstimmig drei Entschließungsanträge an, die Verkaufs- und Haltungsverbote sowie einen Sachkundenachweis für die Haltung „exotischer“ Tiere vorsehen.

Mit diesen Entschließungsan - trägen wird die österreichische Regierung aufgefordert, folgende gesetzliche Regelungen zu schaffen:
Verbot des Verkaufs „exotischer“ Tiere bei Messen und anderen Veranstaltungen,
– Schaffung einer Sachkundeverordnung für die Haltung „exotischer“ Tiere,
–Verbot der Haltung von Riesen- und Giftschlangen.

„Die Initiative des Nationalrates kommt zur rechten Zeit und wird von uns ausdrücklich begrüßt“, erklärte dazu Johanna Stadler, Geschäftsführerin der Tierschutz - organisation Vier Pfoten. Zusätzlich machte sie darauf aufmerksam, dass die Debatte um Risiken bei der privaten „Exotenhaltung“ breiter geführt werden müsse. Stadler: „Die Gefährlichkeit von Haustieren ergibt sich nicht nur aus Giftigkeit, Körper- und Beißkraft, auch das Zoonose- Potenzial muss berücksichtigt werden.“ Sie bezieht sich dabei auf einen Report über „Gesundheitsgefahren bei der Privathaltung von Wildtieren“, den die Eurogroup for Animals (Dachorganisation europäischer Tierschutzverbände) vorgelegt hatte. Als Fazit empfiehlt Eurogroup der EU-Kommission, die Haltung „exotischer“ Haustiere zu begrenzen, den Tierschutz bei der Haltung zu verbessern und Imzzaporte von Wildtieren zu verringern, weil diese „als Überträger schwerer Krankheiten beträchtliche Gesundheitsrisiken für den Menschen darstellen“.

Der Österreichische Verband für Vivaristik und Ökologie (ÖVVÖ) reagierte prompt mit einem Brief an den Bundesminister für Gesundheit, dessen Ministerium für die Umsetzung dieser Entschließungsanträge in gesetzliche Regelungen verantwortlich ist. ÖVVÖ-Präsident Mag. Dr. Anton Lamboj forderte darin „eine ausgewogene, dem Sachverhalt und dem Umfang des Problems entsprechende Behandlung an Stelle einer Vorgangsweise, die als unverhältnismäßig und von einseitiger, demagogischer Haltung geprägt erscheint.“

Heimtierhalter und -züchter nutzten die Haustiermesse Wien am 12. und 13. Oktober zu öffentlichen Protesten und Aufklärung. Unter Führung von Alexander Dobernig, Veranstalter der Reptilienbörse „Exotica“ und Mitverantwortlicher der Haustiermesse Wien, wurde ein Infostand zum geplanten Schlangenverbot und zur Einführung des „Meerschweinchenführerscheins“ mit Unterschriftsaktion eingerichtet. Terraristikexperten stellten u.a. Königspythons und Sandboas vor und informierten Medienvertreter und Messebesucher über deren nicht vorhandene Gefährlichkeit. Mit dem Plakat „Wir sind alle Exoten“ wurde auf die fremdländische Herkunft nahezu aller Heimtiere sowie des Menschen verwiesen.

Ferner organisierte Dobernig eine Podiumsdiskussion mit dem Initiator der Entschließungsanträge, dem Nationalratsabgeordneten und FPÖ-Tierschutzsprecher Bernhard Vock. Mit dabei waren Kommerzienrat Kurt Essmann (WKO Zoohandel), Reptilienzüchter und Vertreter von Tierschutzorganisationen. Diese Diskussion ermöglichte den Zuhörern, sich über die Pro- und Kontra-Argumente zu informieren und eine eigene Meinung zum Thema zu bilden. Eine Annäherung der von den Diskutanten vertretenen unterschiedlichen Standpunkte konnte von vorneherein ausgeschlossen werden. ((vg))

Quelle: ZZA 12/2011 Seite 39