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Interview zum geforderten „Exotenverbot“

Dialog JA Aggressive Zuspitzung NEIN

Gegen das vom Deutschen Tierschutzbund geforderte grundsätzliche Haltungsverbot bestimmter Tierarten haben der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) und andere Verbände unmittelbar und klar Position bezogen (siehe zza 11/2011). Einigen Branchenbeteiligten erscheinen diese Stellungnahmen als nicht ausreichend, andere halten eine öffentliche Thematisierung für überflüssig bzw. gar gefährlich. Im zza-Interview erläutert ZZF-Geschäftsführer Richard Wildeus die Einschätzung und Vorgehensweise des Verbandes.

ZZF-Geschäftsführer Richard Wildeus: „Selbstverständlich werden wir den Dialog und die Zusammenarbeit mit allen fortsetzen, die für den Schutz der Heimtiere und ihre artgerechte Haltung eintreten.“

zza:
Die Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes "Für ein neues Tierschutzgesetz" vom 30.09.11, in welcher er fordert, die Haltung von „sensiblen, anspruchsvollen Exoten – z. B. Reptilien, Vögel oder Fische – grundsätzlich zu verbieten“ hat leidenschaftliche Diskussionen in der Branche ausgelöst. Wird das Thema aus Ihrer Sicht aufgebauscht?

Richard Wildeus:
Nein, das Thema wird nicht aufgebauscht. Die Forderung nach einem grundsätzlichen Tierhaltungsverbot muss jedoch alle Heimtierhalter beunruhigen. Der ZZF nimmt die Äußerung des Tierschutzbundes sehr ernst. Was der Tierschutzbund erreichen will und warum er die Haltung der allermeisten Heimtiere ablehnt, ist uns noch nicht klar. Derzeit beziehen sich die Forderungen in seinen Publikationen wahlweise auf exotische Tiere, Wildtiere, nicht domestizierte Tiere oder gefährliche Tiere. Diese unterschiedlichen Begriffe werden weitgehend synonym verwendet, so dass bei den Lesern der Eindruck entsteht, exotische Tiere seien gefährlich, seien schwierig zu halten und seien vom Aussterben bedroht. Eine saubere Definition des Begriffs „exotisch“ täte hier Not. Wir haben den Vorsitzenden des Tierschutzbundes um ein Gespräch gebeten, um diese bislang undeutlich gebliebenen Aussagen zu diskutieren. Ein Gesprächstermin steht noch nicht fest. Wir müssen dem Eindruck entgegentreten, dass „exotische Tiere“ grundsätzlich nicht verantwortungsbewusst gehalten werden können. Wir bedauern, dass derzeit in den Verlautbarungen des Tierschutzbundes kaum erörtert wird, welche Tiere wie genau tierschutzgerecht gehalten werden können – in der Folge wurde die Diskussion emotional und der Tierschutz stand nicht im Zentrum!

zza:
Was genau versteht der ZZF unter tierschutzgerechter Tierhaltung?

Richard Wildeus:
Ob ein Tier tierschutzgerecht gehalten werden kann, richtet sich danach, ob der Halter die natürlichen Bedürfnisse des Tieres erfüllen kann. Das ist im Tierschutzgesetz ausdrücklich gefordert und wird von uns ohne Einschränkung unterstützt. Dazu kann beispielsweise gehören, dass eine bestmögliche Umgebung mit Hilfe von Technik eingerichtet wird, dass das Tier angemessen ernährt und gepflegt ist oder der Mensch sich in seinem Lebensstil auf die Bedürfnisse des Tieres einstellen kann. Diese Kriterien gelten nicht nur bei Reptilien oder Fischen, sondern auch bei Hund, Katze und Kleinsäuger. Was konkret als tierschutzgerecht gilt, wird stets ergänzt durch die jeweils neuen Ergebnisse der Forschung der Tiermedizin, Ethologie, Zoologie, Ernährungswissenschaft etc., die auch durch die Heimtierindustrie betrieben und/oder gefördert wird. Daher passt der ZZF auch seine Heidelberger Beschlüsse, in welchen Tierarten aufgeführt sind, die der ZZF als nicht oder nur bedingt geeignet für die private Haltung ansieht, regelmäßig neuen Erkenntnissen an.

zza:
Was unternimmt der ZZF gegen die Forderungen des Tierschutzbundes?

Richard Wildeus:
Der ZZF hat die Aufgabe, über die Eignung bestimmter Tierarten als Heimtiere aufzuklären, Argumente für die Heimtierhaltung zu formulieren und Gespräche mit Meinungsbildnern und Politikern zu führen. Er verfolgt dabei wie eh und je das Ziel, die verantwortungsbewusste Heimtierhaltung und die professionellen Versorger der Heimtiere – das ist die Heimtierbranche – zu fördern. Nur weil Tierschutzorganisationen dem Anschein nach extremere Positionen als bisher vertreten, wird die Branche nicht ebenfalls polarisieren und extreme Einstellungen unterstützen.

zza:
Wie kann die Heimtierbranche aus Ihrer Sicht reagieren?

Richard Wildeus:
Wir alle, die Hersteller von Heimtierbedarf und der Zoofachhandel, sind aufgerufen in unserer Kommunikation die positiven Wirkungen der Heimtierhaltung und unsere verantwortungsbewusste Rolle zu unterstreichen. Das kann auch mit emotionalen Bildern und sympathischem Infotainment geschehen. Die Branche sollte bei Tierhaltern Vertrauen in unser tierorientiertes als auch menschorientiertes Handeln fördern. Aber aggressive Zuspitzungen, in denen beispielsweise Menschenschutz gegen Tierschutz ausgespielt wird oder Branchenbeteiligte an den Pranger gestellt werden, dienen der Sache nicht. Selbstverständlich werden wir den Dialog und die Zusammenarbeit mit allen fortsetzen, die für den Schutz der Heimtiere und ihre artgerechte Haltung eintreten.

zza:
Danke für Ihre klärenden Ausführungen und viel Erfolg für Ihren Dialog mit den Kritikern der Heimtierhaltung. (as/vg)

Quelle: ZZA 01/2012 Seite 18