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Gestern – heute – morgen: Die Entwicklung des Terrarienzubehörs Ein kleines Stückchen Wildnis für Zuhause
Die Terraristik, einst ein kleines Spezialgebiet der Heimtierhaltung, hat sich zu einem gangbaren Hobby für (fast) jedermann entwickelt. Nicht nur weil die Erkenntnisse über Lebensräume und Verhaltensweisen der Tiere exakter geworden sind, sondern auch weil die Industrie das notwendige technische Zubehör entwickelt und verbessert hat. Wurden früher viele Lösungen der Marke Eigenbau eingesetzt, kann heute für nahezu jede Anforderung das entsprechende Equipment „von der Stange“ gekauft werden. Robert Zobel, Produktmanager Terraristik bei Hagen Deutschland, skizziert die Geschichte des Terraristikzubehörs und wagt einen Blick in die Zukunft.
Der deutschsprachige Raum darf zweifellos als Keimzelle der modernen Terraristik bezeichnet werden. Nirgends auf der Welt hat sie vergleichbar viele Anhänger. Von hier sind die meisten Ideen, Anregungen und Impulse während ihrer Entwicklung ausgegangen. Im Grunde hat sich daran bis heute nichts geändert, obschon andere Länder in der Zwischenzeit auf diesem Gebiet ebenfalls sehr erfolgreich sind. In einem unterscheiden sich die Herpetologie und Terrarienkunde, vor allem in Deutschland, von den übrigen Ländern – das ist ihr traditionsreicher gemeinsamer Weg. Stets war sowohl den Wissenschaftlern, den Herpetologen, als auch den Terrarianern bewusst, dass sie viel voneinander lernen können. Ohne geeignetes technisches Zubehör war die Terraristik nicht befriedigend durchführbar. Erst als die Fragen der Ausrüstung technisch gelöst wurden, die elektrische Energie zur Verfügung stand und ausreichend Erkenntnisse der chemischen und biologischen Notwendigkeiten vorhanden waren, konnte die Haltung und Pflege von empfindlichen tropischen Terrarientieren gelingen.
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Der eigentliche Durchbruch geeigneten Zubehörs erfolgte erst nach dem 2. Weltkrieg. In den 50er und 60er Jahren, danach mit steigender Tendenz, setzte zum Beispiel der Gebrauch von Leuchtstoffröhren in der Terraristik ein. Mit der Einfuhr besonders wärmeliebender tropischer Reptilien mussten die Terrarien auch beheizt werden. Mit der üblichen Ofenheizung konnte keine ausreichend hohe Zimmertemperatur erreicht werden.
Außerdem war die Wärme nicht gleichmäßig im Raum verteilt und die Terrarien standen meist am Fenster, wo es vor allem bei einfacher Verglasung im Sommer sehr warm und im Winter am kältesten war. Es gab Heizungen aus verschiedenen Materialien, die mit Torf oder anderen Brennstoffen unter dem Terrarium betrieben wurden. Als weitere Heizmöglichkeit ergab sich Stadtgas oder eine Beheizung mit Koks. Auch Spiritus, Petroleum und Paraffin wurde teilweise bis Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet. Die erste zufriedenstellende elektrische Heizung wurde um 1935 bzw. nach 1948 entwickelt. Zu dieser Zeit wurden auch schon Regler konstruiert, mechanische Schaltuhren und Kontaktthermometer mit einem Quecksilberschalter als Temperaturregler. Auch mit selbstkonstruierten Brutapparaten für Reptilieneier wurde bereits 1905 experimentiert. In den 60er Jahren kam es dann zum großen Entwicklungsschub, besonders für das Zubehör. Und in den letzten zehn Jahren gab es erneut eine rasante Entwicklung bei Zubehör und Technik.
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Neue Produkte entstehen in der Hauptsache dadurch, dass immer mehr engazzagierte Terrarianer (und darunter sind zum Glück auch einige Produktexperten der Heimtierbranche) das Wissen über die Grundlagen und Lebensweise der Amphibien-, Reptilien- und Wirbellosenarten dazu nutzten, um Produkte zu entwickeln, die die Haltung vieler Arten im Terrarium erst ermöglicht. Das Erzeugen eines geeigneten Klimas und Mikroklimas im Terrarium ist heute durch spezielle Heizungen, diverse Lampen, Beregnungsanlagen und moderne, gut belüftete Terrarien kein Problem mehr. Die moderne Terraristik ist kein „Kellerkind“ mehr, sondern ein Terrarium kann eine echte Bereicherung des Wohnzimmers darstellen. Der Trend in Richtung einer realistischeren bzw. natürlicheren Landschaftsgestaltung hat die Haltung von Reptilien und Amphibien aufregender und attraktiver denn je gemacht. Diese neue Dimension hat nicht nur für die Hobby-Reptilienhalter eine Gelegenheit geschaffen, mehr über die natürlichen Bedingungen der Tiere zu lernen, sondern verspricht eine vollkommen neue Perspektive. Die Nachbildung der natürlichen Lebensräume von Reptilien und Amphibien, ermöglicht es, ein kleines Stück Wildnis zu Hause zu genießen. Die Qualität in der Haltung der Terrarientiere hat sich zum Wohl der Tiere verändert – das beweisen die enormen, in den letzten Jahren geradezu explodierenden Zuchterfolge. Es gibt sogar „clevere“ Kunststoffpflanzen mit eingebautem Wasserreservoir, die z. B. die Haltung und Zucht von Pfeilgift- und Baumfröschen erleichtern. Eine Beregnungsanlage mit Timer erlaubt Urlaubs - trips ohne Reue und ein Brutapparat schafft optimale, steuerbare Bedingungen für Zuchterfolge.
In der nahen Zukunft liegen viele Möglichkeiten, die Terraristik weiter zu entwickeln, zum Beispiel in Richtung „Lifestyle“. So könnten Terrascaping-Terrarien und entsprechende Wettbewerbe entstehen – Ähnliches funktioniert ja bereits in der Aquaristik. Das würde das Hobby mit Sicherheit auch für viele Frauen interessant machen. Das Hobby „Terraristik“ wird sich in den nächsten Jahren noch weiter professionalisieren was Handhabbarkeit und Alltagstauglichkeit betrifft. Bereits zur Interzoo 2012 darf mit vielen weiteren Innovationen zum Wohl der Amphibien-, Reptilien und Wirbellosen gerechnet werden.
Quelle: ZZA 01/2012 Seite 28 |