Besuchen Sie auch den ZZF!
SITEMAP | KONTAKT | IMPRESSUM
TierNatur
Diese Seite drucken


Deutliche Veränderungen

Die neuen Namen der Diskus-Fische

In jüngster Zeit gibt es eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der Systematik und Benennung der Wildformen der Diskusfische beschäftigen. Eine aktuelle Veröffentlichung von 2011 basiert auf den Forschungsergebnissen von Thomas Hrbeck, Uni Manaus/Brasilien, und den beiden Brasilianerinnen Manuella V. Amado und Izeni Pires Farias. Dafür stand dem Forschungsteam die bisher größte Anzahl an Untersuchungsfischen zur Verfügung.

Diskusfische haben weltweit eine große Fangemeinde – davon zeugen große Schönheits- und Zuchtwettbewerbe in vielen Ländern. Die bekanntes - ten und wichtigsten gab es bis 2010 in Deutschland. Norbert Zajac war „Vater“ dieser Supershows, die internationale Anerkennung fanden. Der Grad der Beliebtheit dieser außergewöhnlichen Fische ist noch immer sehr hoch. Überwiegend aber handelt es sich dabei um die farbenfrohen Zuchtformen. Die Wildfische sind nur vergleichsweise selten in der Pflege. Für viele sind sie mit ihren Naturfarben die „wirklichen“ Diskus. Deshalb sollten die, die sich mit Diskus beschäftigen, auch über deren Namen im Klaren sein.


Die Grünen Diskus werden jetzt richtig anstelle von Symphysodon aequifaciatus aequifasciatus mit Symphysodon tarzoo bezeichnet.

Die beliebten „Blauen“ aus dem mittleren Amazonasgebiet, viele Jahrzehnte als Symphysodon aequifaciatus haraldi oder nur als Symphysodon haraldi bekannt, werden jetzt mit Symphysodon sp.1 bezeichnet.

Die Diskusfische aus dem Rio Negro Areal bleiben bei der Bezeichnung Symphysodon discus HECKEL, 1840. Der senkrechte dunkle Balken ist das markante Merkmal für diese Art.

Diese Wildfische sind der Ursprung für die zahlreichen Farbvarianten in den Aquarien. Seit der Beschreibung des ersten Diskus 1840 durch den österreichischen Naturforscher Jacob Heckel gab es rund 60 Jahre keine weiteren Veröffentlichungen. Erst 1904 beschrieb der französische Ichthyologe Jacques Pellegrin eine zweite Diskus-Art mit der Bezeichnung Symphysodon aequifasciatus. Rund 60 Jahre später wurde 1959 beinahe nebenbei ein weiterer Diskusfisch mit dem Namen Symphysodon Discus tarzoo vorgestellt. Diese Beschreibung wurde zwar schon 1960 durch Schulz verworfen und er beschrieb neue Unterarten, die bis vor rund 15 Jahren ihre Gültigkeit hatten. So sprach man nur noch von den „Grünen“ (Symphysodon aequifascatus aequifacistus), den „Blauen“ (Symphysodon aquifasciatus haraldi), den „Braunen“ (Symphysodon aequifasciatus axelrodi) und dem „Heckel“ (Symphysodon discus). 1981 versuchte Burgess eine Heckel-Variante mit der Bezeichnung Symphysodon discus willischwarzei zu etablieren.

Zurzeit fünf Gruppen

Erst in jüngster Zeit gibt es wieder eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der Systematik und Benennung der Diskusfische beschäftigen. Die neuste Veröffentlichungerschien 2011. Es sind die Forschungsergebnisse einer Gemeinschaftsarbeit von Thomas Hrbeck, z. Z. Uni Manaus/Brasilien und den beiden Brasilianerinnen Manuella V. Amado und Izeni Pires Farias. Gefördert, und das ist das Besondere, von einer Hobby gemeinschaft mit einer größeren Geldsumme aus dem Sonderfond der DCG, der Deutschen Cichliden Gesellschaft. Für die Arbeit stand die bisher größte Anzahl von Untersuchungsfischen zur Verfügung. Mit „Evolutionär signifikante Einheiten und Arten der amazonischen Diskusfische (Symphsodon, Cichliden) sowie deren Benennung“ erschien eine Arbeit, die die Namen der Diskusfische merklich verändern. Folglich gibt es durch die Untersuchungen von Hrbeck, Amado und Farias zurzeit fünf Gruppen, die „unabhängigen evolutionären Ent wick lungslinien folgen“. Dazu gehören Symphyosodon discus HECKEL,1840 (Heckel-Diskus) aus dem Rio Negro und oberen Rio Uatuma, Nhamunda, Trombetas sowie aus dem Areal des Rio Abacaxis. Symphysodon tarzoo LYONS, 1840 (Grüner Diskus) aus dem westlichen Amazonaszzagebiet. Dazu gehören die Verbreitungsgebiete südlich und nördlich des Rio Solimões in den Zuflüssen des Rio Japurá, Icá, Javari, Jutai und Juruá in Brasilien. Laut Aufzeichnung in der Arbeit sind die Vorkommen des Grünen Diskus im Areal des Rio Putumajo/Peru nicht berücksichtigt worden. Eingeschlossen sind alle grünen Diskus aus Brasilien, besonders die mit den roten Körperflecken. Als Symphysodon aequifasciatus PELLEGRIN, 1904 (Braune Diskus) werden die Diskus mit Verbreitung östlich des Zufluss des Rio Negro in den Rio Solimões, also dann Rio Amazonas, bezeichnet. Die restlichen beiden Arten bleiben zurzeit noch ohne Namen. Ihre Benennung erfolgt in einer weiteren Arbeit. Dazu gehören die als Symphyosodon sp. 1 bezeichneten Klassiker, die blauen Diskus, deren Verbreitung im mittleren Amazonasgebiet liegt und die in den Solimões-Zuflüssen bei Manacapuru bis in die westlichsten Areale des Rio Amazonas zu finden sind. Der Blaue Dis kus, lange Zeit als Symphysodon aequifasciatus haraldi oder nur als Symphysodon haraldi bekannt, hat also zurzeit keinen Namen und wird als unbeschriebene Art geführt. Eine weitere namenlose Art kommt mit der Bezeichnung Symphysodon sp. 2 aus dem östlichen Amazonas-Gebiet und wurde in eine sogenannte Xingú-Gruppe mit Verbreitung im unteren Rio Tocantins und Rio Xingú gestellt. Vom Aussehen eine in der Färbung etwas blasse, dem „Braunen“ Diskus nahestehende Art.

Alles in allem sind die „Wilden“ nicht die vordergründigen Pfleglinge, sie sind aber für viele Hobbyisten die schönsten Diskusfische. Nicht nur ihr Verhalten und die Abläufe in der Brutpflege sind noch „natürlich“, sie gehören immer noch zu den besonderen Aquarienfischen. Informationen über diese besonderen Fische sind also wichtig – dazu gehören zwangsläufig auch die „neuen“ Namen.


Die „Heckel“ Diskus aus dem Abacaxis-Gebiet werden gern auch als Gelbkopf-Heckel bezeichnet. Anlass für die Beschreibung 1981 als Unterart Symphysodon discus willischwarzei. Heute sind sie wieder als Symphysodon discus eingeordnet. Eine Unterscheidung zwischen Gelb-, Blau- und Rio Negro Diskus gibt es nicht mehr.

Die „Braunen“, viele Jahre auch nur als „axelrodi“ bezeichnet, wurden viele Jahrzehnte als Symphysodon aequifaciatus axelrodi oder nur als Symphysodon axelrodi bezeichnet. Sie tragen jetzt die Bezeichnung Symphysodon aequifaciatus PELLEGRIN, 1904.

Quelle: ZZA 01/2012 Seite 44