|
Zierfischzüchterei Gauger, Bangkok Panzerwelse in Thailand | | Blick in die Zuchtanlage von Bob Gauger |
Keine Sorge – dies ist kein Artikel über die
Faunenverfälschung südostasiatischer Biotope
durch eine invasive Fischart. Es ist vielmehr
ein Bericht über einen sehr erfolgreichen
Zierfischzüchter in Bangkok, dessen Highlight
seine Corydoras- und Locaridenzuchten sind.
Die Zierfischzüchterei Gauger liegt
fast im Herzen Bangkoks in der Sukomvit
Road. Bob Gauger ist einer dieser
enthusiastischen Züchter, die in ihrem
mittelgroßen Betrieb alles noch selber betreiben.
Als Bindeglied zwischen Hobby
und Beruf haben diese hervorragenden
Aquarianer eines gemeinsam: Sie haben
ihr Hobby zum Beruf gemacht. Was sich
wie ein Traum anhört, ist mit harter Arbeit
verbunden. Das ist in Thailand nicht anders
als in Deutschland.
Ein bayrischer Amerikaner in Bangkok
Bob Gauger ist Amerikaner mit familiären
Wurzeln in Bayern. Seit 1997 lebt er in
Thailand, seit 5 Jahren betreibt er dort die
Zierfischzucht hauptberuflich. Seine thailändische
Frau Pen unterstützt ihn dabei.
Obwohl Bob hervorragend Thai spricht,
betont er, dass ohne seine Frau das gesamte
Geschäftliche, wie Behördengänge,
nicht funktionieren würde. Bob lernte ich
auf dem Jatujak, dem großen Tiermarkt in
Bangkok, kennen.
 | | Pen und Bob Gauger |
Südamerikanische Fische sind auf dem
asiatischen Zierfisch-Markt generell selten,
Bobs Auswahl an Welsen ist deshalb nicht
nur in Thailand rar und gefragt. Wir kamen
schnell ins Gespräch und arrangierten
ein Treffen in seiner Zuchtanlage.
Ein exakter Züchter
Eigentlich war ich auf eine Außenanlage
mit aneinandergereihten Folienteichen gefasst,
wie man sie von thailändischen
Zuchtbetrieben kennt. Nicht so bei Bob. Er
verwendet überwiegend Aquarien, die im
Untergeschoss des Hauses stehen. Hier ist
ein Profi schon bei der Planung am Werk
gewesen: In mindestens 10 langen Regalen
sind 280 Becken, überwiegend 200 Liter-
Aquarien, mit einer Gesamtwassermenge
von 40.000 Litern untergebracht. Gegenüber
Teichen oder Folienbecken kann der
Züchter in Aquarien viel schneller mit regelnden
Maßnahmen reagieren – von Vorteil
insbesondere bei so vielen verschiedenen
und zudem schwer zu züchtenden
Fischarten.
Gut durchdacht an den speziell für ihn
hergestellten Aquarien sind die Maße. Alle
Becken sind relativ flach gehalten, haben
somit eine große Grundfläche und
gewährleisten eine hohe Sauerstoffsättigung.
Gerade für Welse, aber auch Flossensauger,
ist dies sehr wichtig. Beeindruckend
auch die Sauberkeit in allen
Becken, ob mit oder ohne Bodengrund.
Die Aquarienscheiben lassen einen ungetrübten
Blick in das Innere zu. Es wird
mechanisch mittels Luftheber über
Schwammstofffilter oder Filterboxen mit
Glaswolle gefiltert. Schon der Energiekosten wegen.
 Corydoras concolor mit hoher Rückenflosse. |  Pseudohemiodon apithanos, der Chameleon Whiptail. |  Rineloricaria sp. "red Lizard" (L10a). |
Das klare Wasser in den Aquarien resultiert
aus der intensiven Pflege. Zwei bis
drei Mal die Woche werden 50-prozentige
Teilwasserwechsel durchgeführt. Zeit sparen
selbst entwickelte Absaug- und Einfüllstutzen
sowie in den Fußboden integrierte
Abläufe, harte Arbeit bleibt es trotzdem.
Auch die Filter werden je nach Fischart im
gleichen Turnus gesäubert.
Ausgangswasser ist das Bangkoker Leitungswasser,
wobei Bob dieses Wasser in
einer selbst geplanten Anlage verschneidet
und so immer fünf verschiedene Ausgangswasser
von niedrigen bis hohen pH-
und Härtewerten zur Verfügung hat. Regenwasser
wird in separaten Tanks aufgefangen,
selbstverständlich auch der Kosten
wegen. Denn mittlerweile sind die Betriebskosten
auch in Thailand in Höhen gestiegen,
die wirtschaftliches Denken erforderlich
machen. Die meisten seiner
gezüchteten Fische benötigen Wasser im
mineralstoffarmen Bereich. Da eine Kühlanlage,
die beim Züchten vieler Fischarten
sehr behilflich wäre, aus Kostengründen
im Dauerbetrieb nicht möglich ist, muss
bei vielen Fischarten auf die kühlere Jahreszeit
(Dezember und Januar) gewartet
werden.
 Sturisoma festivum. |  Corydoras triliniotus. |  Corydoras sterbei, der Leopardpanzerwels. |
Die Fische
Beim Anblick der südamerikanischen
Schätze in seinen Aquarien bleibt mir der
Mund offen stehen. Gerade die gezüchteten
Locariden sind eine Augenweide. Skurrile
und seltene Störwelse, im englischen
Wiptail Catfish genannt, wie Pseudohemiodon
apithamus und Sturisoma
panamense sind darunter. Davon sind
adulte Zuchttiere sowie auch Jungtiere zu
bestaunen. 20 verschiedene Corydoras-Arten
werden durchweg gezüchtet. Darunter
sehr schöne Corydoras duplicareus, Corydoras
atropersonatus und der mit sehr
hoher Rückenflosse interessant anzusehende
Corydoras concolor. Mir persönlich,
da mit Kindheitserinnerungen verbunden,
gefallen die Corydoras sterbai
am besten. An allen Panzerwelsen hängt
auch Bobs Herz und er möchte gern z.B.
durch Tausch seltener Arten mit deutschen
Züchtern, seine Palette erweitern.
Auffallend ist der Christbaumschmuck
in Form von grünen Girlanden in den
Zuchtbecken. Meine Vermutung, dass Bob
damit Heimweh kompensiert, konnte er
nicht ganz bestätigen. Er habe unüberlegt
einen größeren Posten davon eingekauft
und später festgestellt, dass sich diese Girlanden
hervorragend als Laichsubstrat eignen,
ähnlich einem Wollmopp, gerade für
die Panzerwelse und Kirschflecksalmler.
Verschiedene südamerikanische Zwergbuntbarsche
pflegen in den Höhlen ihren
Nachwuchs genauso wie Salmlerpärchen
in verschiedenen Zuchtaquarien. Der
Ruhe wegen etwas abseits steht eine
Gruppe Altumskalare. Ein beruhigender,
majestätischer und wunderschöner Anblick.
Doch auch Bob konnte die bisher
noch nicht „knacken“ – „wird aber noch“,
verspricht er.
 Corydoras sp. "red Lanzer" (CW 014). |  Corydoras similis. |  Corydoras altropersonatus. |
Auch aus südostasiatischen Gewässern
werden einige Arten gezüchtet. Zurzeit
legt Bob Hauptaugenmerk auf burmesische
Sabwa resplendens und Microrasbora
kobutai, diese züchtet er gerade in
der ersten Generation. Außerdem fallen
mir die schönen Boraras brigittae auf, die
in großen Schulen durch die Aquarien ziehen.
Die Sewellia, Flossensauger aus Indochina,
ziehen meine Aufmerksamkeit auf
sich, da ich erst vor kurzem diese Gattung
in Laos selber aufspüren konnte. Diese
hier sind vietnamesische Sewellia lineolata,
die Bob mehr nach der „gemischten
extensiven“ Methode nachzieht. Der Bodengrund
des Hälterungsbecken besteht
aus einem Gemisch aus Blähtonkugeln
und grobem Kies, den Rest überlässt er der
Natur. Die Jungen werden mit 1 bis 2 cm
aus dem Becken selektiert. „Last but not least“
rundet Bob seine gezüchteten Kostbarkeiten
mit Regenbogenfischen und
Krebsen vom fünften Kontinent ab. Die
Teiche und Aquarien draußen im Hof sind
für Goldfische reserviert, die Bob seit seinem
7. Lebensjahr pflegt. Beinahe „nebenbei“
züchtet er Orandas, Ranchus und Pandas.
Er ist also sehr vielfältig veranlagt in
Sachen Fisch.
Tipps vom Züchter
Das oberste Gebot und sicherlich Bobs Erfolgsgeheimnis
ist die Einstellung eines für
die jeweilige Fischart optimalen Mikroklimas.
Er recherchiert sehr gewissenhaft die
Daten der Biotope, aus denen seine Arten
stammen und versucht diese dann in seinen
Aquarien zu kopieren.
 Salmler der Hyphessobrycon-Gruppe nehmen
gern den Christbaumschmuck als Laichsubstrat an. |  Auch Flossensauger - hier Swellia lineolata -
züchtet Bob Gauger konstant. |
Zudem untersucht und kontrolliert er
sein Ausgangswasser, sowie das Aquarienwasser
sehr oft, um mögliche Veränderungen
rechtzeitig zu erkennen. Seinen
Erfahrungen zu folge ändert sich das Ausgangswasser
oft und Veränderungen sind
saisonal nachzuvollziehen. So ist er auch
in der Lage, das Aquarienwasser der zu
züchtenden Art konstant auf dem für die
jeweilige Art zugeschnittenen Wert zu halten.
Andere Elemente des Mikroklimas wie
Untergrund, Lichtlänge und -stärke, Temperatur
und Temperaturschwankungen,
Futter, Wasserströmung, Wurzeldekorationen
oder sogar die Oberflächenspannung
des Wassers können im Detail über Erfolg
oder Misserfolg entscheiden. Deshalb gehört
zum Repertoire eines Zierfischzüchters
eben auch eine große Portion Geduld.
Dass Bob abwechslungsreiches und
auch manchmal außergewöhnliches Futter
reicht, versteht sich fast von selbst. Kürzlich
entwickelte er ABF (Artificial Bio-
Film), der gerade bei der Sturisoma- und
Ottocinclus-Zucht große Fortschritte
bringt. Das Rezept hält er noch geheim.
| Zum Autor:
Jens Kühne ist passionierter Aquarianer und lebt
die meiste Zeit in Südthailand. Er organisiert und
leitet Südostasien-Reisen für Naturinteressierte,
insbesondere Aquarianer und Pflanzenfreunde. |
Mit seinen züchterischen Anstrengungen
möchte Bob vor allem den Fangdruck
auf wild lebende Arten verringern und
gleichzeitig gerade seltene und bedrohte
Arten durch die ernsthafte Zucht längerfristig
erhalten. Seinen Traum von einer
Fischfarm, in der er alle Fische züchten
kann, die ihn interessieren (das sind mit
Sicherheit eine Menge), hat er teilweise
schon realisiert.
Bob ist zu erreichen unter der E Mail
Adresse gauger.tropic@gmail.com oder im
Geschäft auf dem Jatujakmarkt.
Quelle: ZZA 3/2012 Seite 28 |